Zwei Weltmeistertitel und 48 Weltcupsiege liegen hinter ihr, während Lara Gut-Behrami Monate nach ihrem Rücktritt vom Spitzensport auf das Ende ihrer Karriere blickt. Im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» erklärt die 35-jährige Tessinerin, warum sie mit ihrem Entschluss rundum glücklich ist und selbst eine Goldmedaille bei der Heim-WM die Opfer nicht wert gewesen wäre.
Am Mittwoch, dem 5. August 2026, gab Lara Gut-Behrami das Ende ihrer Laufbahn bekannt. Statt eines Comebacks folgte der Schlussstrich unter eine Karriere mit zwei Weltmeistertiteln, einer Olympiagoldmedaille und 48 Weltcupsiegen. Nun hat die Sportlerin im «Tages-Anzeiger» erstmals ausführlich über diesen Schritt gesprochen. Entgegen ersten Befürchtungen fällt ihr die Umstellung im Alltag leichter als erwartet.
Der Abschied von der ständigen Kontrolle
Ich muss nicht mehr ständig die Wetterprognosen studieren
, sagt Gut-Behrami über den Verzicht auf den Profizirkus. Sie müsse nicht mehr schauen, wo Schnee liegt, oder auf gepackten Koffern sitzen und täglich telefonieren, um spontane Abreisen zu regeln. Dennoch beschreibt sie den Einschnitt als weniger radikal, als sie es anfangs vermutet hatte.
Auch ihr Rhythmus hat sich grundlegend verändert, ohne komplett zu kollabieren. Mein Schlafrhythmus, meine Essgewohnheiten – vieles ist ähnlich geblieben
, so Gut-Behrami. Zwar könne sie nun auch mal bis Mitternacht einen Film ansehen, ohne an das Training am nächsten Morgen zu denken, aber sie stehe weiterhin früh auf. Sie trainiere zwar nach wie vor, doch der Fokus habe sich verschoben: Im Spitzensport sucht man ständig seine Grenzen. Das ist heute anders
, erklärt sie. Es gehe nicht mehr um stemmbare Gewichte, sondern schlicht darum, was ihr guttut.
Warum die Heim-WM in Crans-Montana reizungslos blieb
Selbst eine Goldmedaille wäre die Monate nicht wert gewesen, die ich hätte opfern müssen
, führt Gut-Behrami im Interview aus, warum sie die Alpine Ski-Weltmeisterschaft 2027 vor heimischem Publikum im Februar 2027 in Crans-Montana nicht mehr anzog. Der letzte grosse sportliche Erfolg datierte vom Oktober 2025 mit einem dritten Platz im Riesenslalom von Sölden, kurz vor ihrem Sturz.
Auch abseits der Skipisten geht die 35-Jährige einen konsequenten Weg. Seit ihrem Rückzug von Social Media im Jahr 2018 postet sie im Internet keine Inhalte mehr. Sie empfiehlt diesen Schritt auch anderen, gibt jedoch zu bedenken, dass der Gedanke, sich ausschliesslich um das eigene Leben zu kümmern anstatt es zu teilen, für viele beängstigend sein kann. Es sei oft einfacher, über soziale Medien zu leben, wenn man bei Misserfolgen direkt online Zuspruch suche. Ein Leben ohne diese digitale Begleitung erfordere stattdessen ein echtes Umfeld: Menschen, bei denen man sich wohlfühlt und Schwächen zeigen kann. Neben ihrer neuen Rolle als Beraterin und Gesicht der Marke Ka-Ex konzentriert sich die Olympiasiegerin voll und ganz auf dieses reale Umfeld.