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Gesundheit

Krebs: Durchbruch in der Forschung – Neue Ergebnisse im Kampf gegen Krebs-Rückfälle

Ein internationales Forschungsteam hat eine Schwachstelle in sogenannten „Zombie-Zellen“ entdeckt, die nach Krebstherapien im Körper verbleiben und Rückfälle begünstigen können. Durch die Blockierung des Enzyms GPX4 gelang es in Studien, diese seneszenten Zellen gezielt zu eliminieren, was insbesondere bei Eierstockkrebs-Modellen die Überlebensdauer signifikant verlängerte.

In der Onkologie gilt das Verschwinden des primären Tumors oft als Erfolg. Doch die Realität ist komplexer: Viele Behandlungen, wie Chemotherapien oder zielgerichtete Medikamente, töten Krebszellen nicht immer vollständig ab. Stattdessen treiben sie diese oft in einen seneszenten Zustand. Diese Zellen teilen sich nicht mehr, sterben aber auch nicht ab – sie werden zu „Zombie-Zellen“. Diese Zellen sind weit mehr als biologische Überreste. Sie befeuern Entzündungen im Körper und schaffen ein Milieu, das Rückfälle auslösen kann. Bislang galten sie als extrem schwer angreifbar, da sie Mechanismen entwickelt haben, die sie vor dem programmierten Zelltod schützen. Ein neues Studienergebnis, das in der Fachzeitschrift Nature Cell Biology veröffentlicht wurde, markiert hier einen Wendepunkt. Forscher testeten über 10.000 chemische Verbindungen, um eine Methode zu finden, diese Zellen gezielt zu vernichten. Das Ergebnis war die Identifizierung von 38 wirksamen Verbindungen, die alle an einem zentralen Punkt ansetzen: dem Enzym GPX4.

Die Blockade von GPX4 als „Doppelschlag“ gegen Rückfälle

Die Blockade von GPX4 als „Doppelschlag“ gegen Rückfälle
cluster (priority): krebskubota.com
Das Enzym GPX4 fungiert in seneszenten Zellen wie ein Schutzschild. Es verhindert, dass sich aggressive Fettabbauprodukte in der Zellmembran ansammeln und schützt so die Zelle vor oxidativen Schäden. Für gesunde Zellen ist dieser Schutz wichtig, für die unter Dauerstress stehenden Zombie-Zellen ist er jedoch überlebenswichtig, da sie vermehrt reaktive Sauerstoffmoleküle produzieren und Eisen einlagern. Wenn GPX4 blockiert wird, kippt das System. Es kommt zur sogenannten Ferroptose – einer speziellen Form des Zelltods, bei der Eisen und oxidierte Lipide die Zellmembran zerstören. Berichten von Welt zufolge reagieren gesunde Zellen deutlich weniger empfindlich auf diese Blockade, da sie nicht unter dem gleichen metabolischen Stress stehen. Die Forscher testeten diesen Ansatz in drei verschiedenen Modellen:
  • Prostatakrebs
  • Schwarzer Hautkrebs
  • Eierstockkrebs
Besonders bei Eierstockkrebs zeigte sich die Wirksamkeit deutlich. Mäuse, die eine Kombination aus dem Chemotherapeutikum Cisplatin und einem GPX4-Hemmstoff erhielten, lebten signifikant länger als Tiere, die nur mit Cisplatin behandelt wurden. Die Strategie wird als „Doppelschlag“ bezeichnet: Zuerst bringt die Standardtherapie die Krebszellen zum Stillstand, anschließend wird ihr Schutzmechanismus ausgeschaltet, um sie endgültig zu eliminieren.

Labor-Synthese von Disorazol Z1 in Magdeburg

Labor-Synthese von Disorazol Z1 in Magdeburg
cluster (priority): 1.wdr.de
Parallel zu den Ansätzen gegen seneszente Zellen gibt es Fortschritte bei der Entwicklung hochaktiver Wirkstoffe. Chemikern der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg (OVGU) ist es gelungen, den Naturstoff Disorazol Z1 erstmals künstlich im Labor herzustellen. Disorazol Z1 gehört zu einer Familie von Substanzen, die in der Natur – etwa in Bakterien oder organischen Abfällen wie Ziegenmist – vorkommen und für ihre aggressive Wirksamkeit gegen Krebszellen bekannt sind. Die Schwierigkeit lag in der extrem niedrigen Konzentration, in der diese Stoffe natürlich auftreten (picomolare Konzentrationen). „Deshalb haben wir aus Sicherheitsgründen zunächst nur zwei Milligramm hergestellt.“ Chemiker Schinzer, OVGU, via MDR Der entscheidende Vorteil der Laborsynthese liegt in der Modifizierbarkeit. Während der reine Naturstoff unspezifisch Zellen zerstören kann, soll die Substanz nun so weiterentwickelt werden, dass sie gezielt Tumorzellen angreift und gesundes Gewebe schont. Das Projekt wurde mit EU-Mitteln in Höhe von 1,7 Millionen Euro gefördert.

Personalisierte Immuntherapien: CAR-T-Zellen und mRNA

Durchbruch in der Krebsforschung: Neuer Signalweg entdeckt!
Neben der chemischen Bekämpfung von Zellen rückt die Programmierung des eigenen Immunsystems immer stärker in den Fokus. Ein bereits etablierter, wenn auch kostenintensiver Weg ist die CAR-T-Zelltherapie, die beispielsweise bei Leukämie zugelassen ist. Bei diesem Verfahren werden körpereigene T-Zellen entnommen und genetisch so modifiziert, dass sie die Oberflächenmoleküle von Tumorzellen präziser erkennen und vernichten können. Wie der WDR berichtet, führt dies in einigen Fällen zu Ergebnissen, die als unfassbar starke Outcomes bezeichnet werden. Ein weiterer Hoffnungsträger sind therapeutische mRNA-Impfungen. Im Gegensatz zu präventiven Impfungen (wie gegen HPV zur Vermeidung von Gebärmutterhalskrebs) werden diese bei bereits erkrankten Patienten eingesetzt. Der Körper erhält über einen mRNA-Botenstoff den Bauplan für ein spezifisches Protein des Tumors. Das Immunsystem erkennt diese Bausteine als fremd und produziert gezielt Antikörper und T-Zellen gegen den Tumor. Unternehmen wie Biontech und Curevac treiben diese Forschung voran, wobei eine allgemeine Zulassung für Krebs-mRNA-Impfstoffe noch aussteht.

Die finanzielle Architektur der Forschung

Die finanzielle Architektur der Forschung
cluster (priority): news.google.com
Solche Durchbrüche – ob bei der GPX4-Blockade, der Synthese von Disorazol Z1 oder der CAR-T-Zelltherapie – erfordern eine langfristige und stabile Finanzierung, die durch öffentliche Mittel allein oft nicht abgedeckt wird. Hier spielt die private Förderung eine zentrale Rolle. Die Deutsche Krebshilfe ist der größte private Geldgeber für die Krebsforschung in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2022 stellte sie gemeinsam mit ihren Tochterorganisationen rund 73,3 Millionen Euro für Projekte in der Grundlagen-, klinischen und Versorgungsforschung bereit. Die Kombination aus hochspezialisierter Grundlagenforschung in Universitäten, der industriellen Weiterentwicklung von Wirkstoffen und der privaten Finanzierung bildet das Fundament für den Übergang von Laborergebnissen in die klinische Anwendung. Hinweis: Diese Informationen dienen der Berichterstattung über den aktuellen Stand der Forschung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bitte konsultieren Sie bei medizinischen Fragen immer Ihren behandelnden Arzt.
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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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