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Technik und Wissenschaft

Klimakrise: Meere steigen vor allem durch Ausdehnung wärmeren Wassers an

Wissenschaftler der Technischen Universität München warnen in einer aktuellen Studie vor verstärkten Bodensenkungen in Küstenstädten. Neben dem steigenden Meeresspiegel gefährden vor allem die übermäßige Entnahme von Grundwasser und Rohstoffen die Stabilität des Untergrunds. Lokale politische Entscheidungen in der Wasserwirtschaft entscheiden laut den Forschern maßgeblich über die Zukunft dieser Metropolen.

Bodensenkungen: Die unterschätzte Gefahr für Küstenmetropolen

Bodensenkungen: Die unterschätzte Gefahr für Küstenmetropolen
cluster (priority): klasse-klima.de

Während die globale Diskussion oft auf den ansteigenden Meeresspiegel fokussiert ist, identifizieren Forscher der Technischen Universität München (TUM) ein zusätzliches, oft übersehenes Risiko: die Absenkung des Landes selbst. In einer Studie, die in Nature Communications veröffentlicht wurde, zeigen die Wissenschaftler, dass Küstenstädte durch eine Kombination aus geologischen Prozessen und menschlichen Eingriffen buchstäblich versinken.

Die Hauptursache für diese Instabilität ist die übermäßige Entnahme von Wasser und Rohstoffen aus dem Boden. Diese Ressourcen fungierten zuvor als stützende Elemente; ihr Entzug führt zu einem Kollaps der Untergrundstrukturen. Verstärkt wird dieser Effekt durch das enorme Gewicht der urbanen Infrastruktur, das die Absenkung zusätzlich beschleunigt.

In vielen großen Küstenstädten ist die Entnahme von Grundwasser ein Haupttreiber der Landsenkung. Das bedeutet, dass lokale politische und wasserwirtschaftliche Entscheidungen einen großen Unterschied machen können.
Florian Seitz, Seniorautor der TUM-Studie, via Der Spiegel

Diese Erkenntnis verschiebt die Perspektive der Klimaanpassung: Der Schutz von Küstenstädten ist nicht allein eine Frage von Deichen und Barrieren gegen das Wasser, sondern erfordert ein striktes Management der unterirdischen Ressourcen.

Die Erosion des 1,5-Grad-Ziels

Die Erosion des 1,5-Grad-Ziels
cluster (priority): link.springer.com

Die wissenschaftliche Grundlage für die aktuelle Dringlichkeit ist die Annäherung an kritische Temperaturschwellen. Im Rahmen des Pariser Klimaabkommen verpflichtete sich ein Großteil der Weltgemeinschaft, die Erderwärmung auf 1,5 °C zu beschränken. Die Realität zeigt jedoch eine besorgniserregende Lücke zwischen politischen Zusagen und der tatsächlichen Umsetzung.

Die Datenlage zur aktuellen Erwärmung variiert leicht je nach Quelle, unterstreicht aber den Trend: Während Springer von einer derzeitigen Erwärmung von 1,1 °C spricht, wird die globale Temperatur in anderen Analysen bereits mit 1,2 °C über dem vorindustriellen Niveau beziffert.

Besonders alarmierend ist die Prognose für die Jahre 2023 und 2024. Experten gehen davon aus, dass es zum ersten Mal in der Geschichte zu einem Zeitraum von zwölf aufeinanderfolgenden Monaten kommen könnte, in denen die 1,5-Grad-Marke überschritten wird. Wissenschaftler stufen die Wahrscheinlichkeit, langfristig unter dieser Grenze zu bleiben, mittlerweile als verschwindend gering ein.

Vom Klimawandel zur Klimakrise: Ein semantischer Bruch

Klimakrise: Meere heizen sich immer weiter auf

Die Sprache, mit der wir über die Erwärmung sprechen, hat sich in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Der Begriff Klimawandel, der laut IPCC primär langfristige Veränderungen von Temperatur und Wettermustern beschreibt, wird zunehmend durch den Begriff Klimakrise ersetzt. Dieser Wechsel ist keine bloße rhetorische Spielerei, sondern eine bewusste Entscheidung, um den Handlungsdruck zu verdeutlichen.

Wie Klasse-Klima berichtet, führte The Guardian diesen Wandel bereits 2019 ein. Diese Tendenz hat sich global verbreitet; über 220 Medien weltweit haben sich der Initiative Covering Climate Now angeschlossen, um die Dringlichkeit der Lage in ihrer Berichterstattung zu spiegeln.

Die Unterscheidung ist präzise: Während der Klimawandel eine phänomenologische Beschreibung liefert, ist die Klimakrise eine Wertung der Situation. Sprachwissenschaftler wie Roth merken jedoch an, dass das Wort Krise oft einen vorübergehenden Zustand suggeriert, was im Kontext einer dauerhaften ökologischen Veränderung irreführend sein könnte. Dennoch überwiegt in der medialen Praxis das Ziel, die Notwendigkeit für schnelles Handeln zu betonen.

Kipppunkte und die Unumkehrbarkeit der Systeme

Kipppunkte und die Unumkehrbarkeit der Systeme
cluster (priority): zeit.de

Die Gefahr der Klimakrise liegt nicht nur in einer linearen Erwärmung, sondern in sogenannten Kipppunkten. Dies sind Schwellenwerte, bei deren Überschreitung ganze Ökosysteme unumkehrbar aus der Bahn gebracht werden könnten.

Organisationen wie Greenpeace weisen in diesem Zusammenhang auf spezifische Risiken hin:

  • Das Tauen des Permafrosts, welches weitere Treibhausgase freisetzen kann.
  • Die Abschwächung des Golfstroms, was weitreichende Folgen für das europäische Klima hätte.
  • Die Destabilisierung ganzer Ökosysteme durch fehlende politische Umsetzung von Schutzmaßnahmen.

Die Auswirkungen dieser Entwicklungen sind bereits heute in Form von Extremwetterereignissen spürbar. Die Flutkatastrophe im Ahrtal im Jahr 2021 dient hierbei als drastisches Beispiel für die Zunahme extremer Wetterphänomene, die die wissenschaftlichen Warnungen in die physische Realität übersetzen.

Die Kombination aus steigenden Meeresspiegeln, versinkenden Städten und dem Erreichen globaler Kipppunkte macht deutlich, dass die Klimakrise keine rein wissenschaftliche Herausforderung ist. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die eine radikale Anpassung der Wasserwirtschaft und eine beschleunigte Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen erfordert, bevor die ökologischen Prozesse eine Eigendynamik entwickeln, die sich menschlichem Handeln entzieht.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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