KI-bedingter Rückgang von Einstiegspositionen in der Schweiz
Künstliche Intelligenz verändert die Struktur des Schweizer Arbeitsmarktes. Laut einer Studie von Jobcloud gibt es in bestimmten Bereichen weniger klassische Einstiegsstellen, wobei der Rückgang in Büro- und Wissensberufen bis zu 32 Prozent erreicht. Julia Michael von den Career Services der Universität Zürich bestätigt, dass sich diese Entwicklungen mit den Beobachtungen an den Universitäten decken.
Der Bildungsökonom Stefan Wolter von der Universität Bern sieht hierbei eine Überlagerung zweier Trends. Neben der KI spiele auch die Zunahme von Homeoffice eine Rolle, da erfahrene Mitarbeitende weniger Zeit für die Einarbeitung von Nachwuchskräften aufwenden würden. KI steigere zudem die Produktivität erfahrener Fachkräfte, wodurch diese Unterstützung durch Berufseinsteiger seltener benötigen.
Stanford-Studie: Berufseinsteiger als „Kanarienvögel im Kohlebergwerk“
Eine Analyse des Stanford Digital Economy Lab liefert Belege für eine ähnliche Dynamik in den USA. Die Forscher Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar und Ruyu Chen untersuchten Payroll-Daten des Dienstleisters ADP von 3,5 bis 5 Millionen Arbeitnehmern im Zeitraum von Januar 2021 bis Juli 2025.
Die Ergebnisse zeigen, dass Berufseinsteiger in stark KI-exponierten Tätigkeiten deutliche Beschäftigungsverluste erleiden. Besonders betroffen sind die 22- bis 25-Jährigen.
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Berufseinsteiger in stark KI-exponierten Tätigkeiten verzeichnen deutliche Beschäftigungsverluste, während erfahrenere Fachkräfte in denselben Berufen weiterhin profitieren.
Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar und Ruyu Chen, Stanford Digital Economy Lab
In der Softwareentwicklung sank die Zahl der Stellen für 22- bis 25-Jährige seit dem Höchststand Ende 2022 um fast 20 Prozent. Während die Gesamtbeschäftigung in der US-Wirtschaft wächst, stagniert dieses Wachstum für die Jüngsten. In stark KI-exponierten Berufen verzeichneten die 22- bis 25-Jährigen einen Beschäftigungsrückgang von 6 Prozent, während die Gruppe der 35- bis 49-Jährigen ein Plus von 9 Prozent verbuchte.
Die Forscher begründen dies damit, dass einfache Programmieraufgaben, die typischerweise von Einsteigern übernommen werden, nun durch Tools wie GPT-4 erledigt werden können. Ältere Entwickler bleiben aufgrund ihres Erfahrungswissens bei komplexen Projekten weniger austauschbar.
Die Angst vor der Obsoleszenz und das FOBO-Syndrom

Die technologische Entwicklung führt zu einer wachsenden Verunsicherung unter jungen Menschen. Laut der Jobcloud-Studie sorgen sich über 40 Prozent der unter 25-Jährigen darum, durch KI an Bedeutung zu verlieren. Für diese Entwicklung hat sich der Begriff FOBO
– Fear of Becoming Obsolete – etabliert.
Anpassung der Ausbildung und Fokus auf komparative Fähigkeiten
In Deutschland prognostiziert das Bundesministerium für Arbeit und Sociale, dass bis zum Jahr 2035 fast alle Berufe von Künstlicher Intelligenz betroffen sein werden. Dies führt zu einer Diversifizierung der Bildungsangebote.
Nadine Lahn, Wissenschaftskommunikatorin an der Universität Stuttgart, berichtet, dass klassische Fächer zunehmend aufgespalten und kombiniert werden. So entstehen Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik, Medizininformatik oder Medieninformatik. Auch der Bereich Data Science, der Informatik, Statistik und Programmierung vereint, bietet neue Perspektiven. Laut dem Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz haben sich die Studienangebote innerhalb von 13 Jahren nahezu verdoppelt, von 11.000 im Wintersemester 2007/2008 auf 20.000 im Wintersemester 2020/2021.
Für den persönlichen Erfolg im neuen Arbeitsmarkt rät Stefan Wolter dazu, sich auf sogenannte komparative Fähigkeiten zu besinnen. Damit sind jene Bereiche gemeint, in denen eine Person besser ist als die meisten anderen.
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KI im Beruf macht die Besten noch besser und vor allem produktiver. Mittelmass sei nicht mehr gefragt.
Stefan Wolter, Bildungsökonom Universität Bern
Wolter betont, dass Fachwissen weiterhin essenziell bleibe und KI dieses nicht ersetze. Wer fachlich am besten sei, werde weiterhin gefragt bleiben. Er sieht den Strukturwandel als Weckruf für Studierende, sich stärker anzustrengen, anstatt nur den Abschluss zu schaffen. Sollte der Berufseinstieg dennoch ausbleiben, empfiehlt er, einen Teil der Kompetenzen zu retten, da viele Fähigkeiten in verschiedenen Berufsfeldern wertvoll seien.
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