Canadische Gegenzölle im Wert von 20 Milliarden US-Dollar auf amerikanische Importe sind am Dienstag in Kraft getreten. Premierminister Mark Carney reagierte damit auf Washingtons Strafzölle von 50 Prozent auf kanadische Waren. Der wirtschaftliche Konflikt zwischen den beiden nordamerikanischen Nachbarn verschärft sich damit.
Nachdem Handelsgespräche Ende August kollabierten, hat die Regierung in Ottawa weitreichende Gegenmaßnahmen eingeleitet. Die neuen Zölle zwischen 15 und 50 Prozent erfassen eine breite Palette amerikanischer Erzeugnisse. Betroffen sind unter anderem Milchprodukte, Haushaltsgeräte, Elektronik, Papier sowie landwirtschaftliche Maschinen.
Die Maßnahmen verstehen sich laut offiziellen Angaben aus Ottawa als direkte Antwort auf die US-Levies. Die kanadische Finanzverwaltung betonte, man wolle heimische Arbeiter, Produzenten und Hersteller schützen, um ihnen einen fairen Wettbewerb gegenüber US-Waren auf dem Binnenmarkt zu sichern.
Umstrittene Produkte und wirtschaftliche Belastung für Schlüsselbranchen
Die Liste der betroffenen Importe ist lang und zielt gezielt auf sensible Sektoren. Käse, Teppiche und bestimmte Haushaltsgeräte wie Herde und Klimaanlagen werden mit 25 Prozent besteuert, während Gabelstapler und Industriemollen einen Satz von 15 Prozent erhalten.
Ursprünglich sollten auch bestimmte US-Meeresfrüchte mit 25 Prozent belegt werden. Ottawa strich diese Position jedoch nach heftigem Druck aus der Hummerindustrie von der Liste. Wirtschaftsexperten warnen vor massiven Folgen für US-Hersteller in Bundesstaaten wie Michigan und Indiana sowie für Milchproduzenten in Wisconsin und Vermont.
Michael Harvey, Executive Director der Canadian Agri-Food Trade Alliance, erklärte, man sorge sich zwar wegen einer Eskalationsspirale, verstehe aber gleichzeitig völlig, dass der Premierminister Hebelwirkungen finden müsse.
Ökonomen weisen darauf vor, dass kleine und mittlere Unternehmen sowie stark exportabhängige Branchen besonders hart getroffen werden. Die kanadische Regierung reagierte darauf im vergangenen Monat mit einem Unterstützungspaket in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar für betroffene Firmen und Arbeitskräfte, das an ein bestehendes Hilfsprogramm über 25 Milliarden Dollar anknüpft.
Das Scheitern der Verhandlungen und politische Spannungen
Der Handelskrieg eskaliert nach monatelangen Reibungen und gescheiterten Kompromissen. US-Präsident Donald Trump hatte im Spätsommer angekündigt, 50-prozentige Zölle auf kanadische Autos, Stahl und Rohstoffe zu erheben. Er warf Kanada vor, die USA jahrelang ausgenutzt zu haben.

August ab. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld am Scheitern. Premierminister Mark Carney kritisierte, die US-Regierung habe zu viel verlangt und zu wenig geboten und versucht, Kanadas Handelsabkommen mit anderen Staaten einzuschränken.
US-Handelsbeauftragter Jamieson Greer erklärte hingegen gegenüber Medien, man sei sich der Sensibilität des Themas bewusst gewesen und habe keine harten Bedingungen diktieren wollen. Dennoch blieben die Fronten verhärtet. Derzeit finden laut Regierungskreisen keine Gespräche zwischen Regierungsvertretern beider Länder statt.
Drohungen gegen den Flugzeugbauer Bombardier und Reaktionen aus der Bevölkerung
Die politischen Spannungen schlagen sich auch in ungewöhnlichen wirtschaftlichen Drohungen nieder. US-Präsident Trump forderte per Online-Kurznachricht einen sofortigen Stopp von Flugzeugimporten des kanadischen Herstellers Bombardier, sofern das Unternehmen seine Produktion nicht in die Vereinigten Staaten verlegt.

Bombardier konterte daraufhin mit dem Verweis auf seine massive wirtschaftliche Verflechtung mit den USA.
Trotz der wirtschaftlichen Belastungen steht die kanadische Bevölkerung laut Umfragen mehrheitlich hinter dem harten Kurs ihrer Regierung. Gleichzeitig zeigt eine Reuters/Ipsos-Umfrage, dass in den Vereinigten Staaten nur rund 20 Prozent der Befragten die Zölle von Präsident Trump auf kanadische Produkte befürworten.