Der Milliarden-Start der Perpetual Futures

Die Einführung von Perpetual Futures, kurz „Perps“, markiert den bisher aggressivsten Wachstumssprung in der Geschichte von Kalshi. Innerhalb der ersten 24 Stunden nach dem Start am Mittwoch verzeichnete die Plattform ein Volumen von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Diese Zahlen sind notional, was bedeutet, dass die von Tradern genutzte Hebelwirkung in der Summe enthalten ist.
Das Interesse am Produkt war bereits vor dem Launch enorm. Ein Unternehmenssprecher gab an, dass die Warteliste für den Zugang zu den Perps zeitweise mehr als eine Million Menschen umfasste. Die Geschwindigkeit, mit der dieses Produkt akzeptiert wurde, stellt die bisherige Entwicklung der Plattform in den Schatten: Während Kalshi 40 Monate benötigte, um mit seinen Ereigniskontrakten ein Handelsvolumen von einer Milliarde US-Dollar zu erreichen, geschah dies bei den Perpetual Futures in nur einer Woche.
Perpetual Futures sind Terminkontrakte ohne Ablaufdatum. Sie ermöglichen es Tradern, auf den Preis eines Vermögenswerts zu spekulieren, ohne diesen physisch besitzen zu müssen. Durch kontinuierliche Finanzierungszahlungen bleibt der Preis des Kontrakts eng am Marktpreis des zugrunde liegenden Assets ausgerichtet. Laut Bank of America beläuft sich das jährliche globale Volumen dieser Anlageklasse auf über 90 Billionen US-Dollar, doch bis zur Zulassung von Kalshi gab es in den USA keine Möglichkeit, diese Kontrakte legal zu handeln.
Funktionsweise der binären Ereigniskontrakte

Im Kern operiert Kalshi als Vorhersagemarkt, in dem Nutzer Kontrakte auf die Beantwortung einfacher Ja/Nein-Fragen kaufen und verkaufen. Im Gegensatz zu klassischen Sportwetten tritt der Nutzer hier nicht gegen ein Wettbüro an, sondern handelt wie an einer Börse gegen andere Marktteilnehmer.
Die Preisgestaltung der Kontrakte spiegelt die vom Markt wahrgenommene Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses wider. Die Preise bewegen sich in einem Bereich von 0,01 bis 1,00 US-Dollar. Wenn ein Ereignis eine Wahrscheinlichkeit von 60 Prozent hat, liegt der Preis eines „Ja“-Kontrakts in der Regel bei 0,60 US-Dollar.
Das Auszahlungssystem ist binär:
Nutzer können ihre Positionen jederzeit vor dem Ende des Ereignisses schließen, was einer „Cash-out“-Option bei Sportwetten ähnelt, jedoch ohne die diskretionäre Entscheidung eines Buchmachers.
Regulatorische Hürden und die Rolle der CFTC
Kalshi unterscheidet sich von vielen anderen Vorhersagemärkten durch seine strikte regulatorische Einbindung. Das Unternehmen, das 2018 von den MIT-Absolventen Tarek Mansour und Luana Lopes Lara gegründet wurde, war die erste Plattform dieser Art, die eine Zulassung der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) erhielt.
Die offizielle Markteinführung erfolgte im Oktober 2021 mit Hauptsitz in New York City. Um die strengen US-Vorgaben zu erfüllen, müssen alle Nutzer über 18 Jahre alt sein und einen umfassenden Know-Your-Customer-Prozess (KYC) durchlaufen. Dies beinhaltet die Verifizierung der Identität, die Angabe einer Sozialversicherungsnummer für die Steuerberichterstattung sowie den Nachweis eines US-Bankkontos.
Die Plattform bietet Märkte in verschiedenen Kategorien an, darunter Finanzen, Politik, Kryptowährungen und Klima. Beispiele für solche Märkte sind Fragen wie:
Rechtliche Auseinandersetzungen und Risiken

Trotz des rasanten Wachstums und der regulatorischen Absicherung ist der Weg von Kalshi nicht ohne Konflikte. Die Plattform steht derzeit im Zentrum eines bedeutenden Skandals. Wie CNBC berichtet, gibt es eine Klage in Höhe von 54 Millionen US-Dollar, die sich auf Wetten im Zusammenhang mit jüngsten Streiks im Iran bezieht.
Dieser Fall verdeutlicht die inhärenten Risiken von Vorhersagemärkten, insbesondere wenn es um geopolitische Ereignisse geht. Während die Plattform durch den Verzicht auf Gebühren bei Ereigniskontrakten einen Wettbewerbsvorteil gegenüber traditionellen Sportwettanbietern beansprucht, bleibt die Volatilität der Märkte und die rechtliche Bewertung von Ereignissen in politisch instabilen Regionen ein kritisches Risiko.
Die parallele Zulassung von Coinbase am 29. Mai, die es US-Händlern ermöglicht, über eine Tochtergesellschaft auf globale Perp-Kontrakte zuzugreifen, verschärft den Wettbewerb. Kalshi setzt nun auf die Geschwindigkeit seiner Produktentwicklung und die tiefe Integration in das US-Regulierungssystem, um die dominante Position im heimischen Markt zu behaupten.