Die Geschworenen im Londoner Southwark Crown Court beraten über sieben Anklagepunkte gegen den Komiker Russell Brand. Der Prozess umfasst Vorwürfe von sechs Frauen aus den Jahren 1999 bis 2009, darunter Vergewaltigung und sexuelle Nötigung. Beide Seiten haben ihre Plädoyers abgeschlossen.
Im Londoner Southwark Crown Court hat die Jury nach einem mehr als dreiwöchigen Prozess mit den Beratungen begonnen. Der 51-jährige Russell Brand ist wegen sieben Straftaten angeklagt: drei Fälle von Vergewaltigung, drei Fälle von sexueller Nötigung sowie ein versuchter sexueller Übergriff. Brand hat auf alle Anklagepunkte auf „nicht schuldig“ plädiert. Der vorsitzende Richter Justice Joel Bennathan wies darauf hin, dass die Frage des Einvernehmens die „Millionen-Dollar-Frage“ sei. Die Vorfälle, die Gegenstand der Verhandlung sind, sollen sich über einen Zeitraum von zehn Jahren erstreckt haben, beginnend mit einem Vorfall im Jahr 1999, als eine Frau Brand beschuldigte, sie nach einem Kabarett-Auftritt während einer Labour-Party-Konferenz in Bournemouth in einem Hotelzimmer vergewaltigt zu haben.””
Staatsanwaltschaft nennt Verhalten berechnend
Die Staatsanwältin Riel Karmy-Jones KC zeichnete das Bild eines Mannes, der Frauen als „disposable commodity“ – eine wegwerfbare Ware – und als „means to an end“ – ein Mittel zum Zweck – betrachtete. Vor Gericht argumentierte Karmy-Jones, Brand habe ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontrolle über die Frauen gezeigt und ihnen mit einer gewissen „disdain“ (Verachtung) gegenübergestanden, während er sein Ziel verfolgte, mit 5.000 Frauen zu schlafen. Sie verwies auf Brands Buch aus dem Jahr 2007, in dem er von einem „birthright orgasm“ sprach, sowie auf ein Interview aus dem Jahr 2017, in dem er Frauen als „amusements“ in einem „playground of orgasms“ bezeichnete.””””””

Karmy-Jones unterstrich, dass es „beyond coincidence“ (jenseits des Zufalls) sei, dass sechs Frauen, die sich untereinander nicht kannten, ähnliche Vorwürfe erhoben hätten. Die Staatsanwältin wies den Vorwurf der Verteidigung zurück, die Frauen seien durch die Dokumentation „Russell Brand: In Plain Sight“ beeinflusst worden. Vielmehr hätten diese Frauen erkannt, dass sie nicht allein seien, und seien mutig vor Gericht getreten, um die Wahrheit zu sagen. Sie hätten, so die Staatsanwältin, abgesehen von der Hoffnung auf einen Abschluss („closure“) keinen persönlichen Vorteil von ihrer Aussage. Die Staatsanwaltschaft beschrieb zudem, wie Brand laut einer Klägerin im Jahr 2009 in seinem Haus erst vaginalen Sex mit ihr vollzogen habe, bevor er sie zum analen Sex zwang, obwohl sie ihn mehrfach angefleht habe, aufzuhören.”””
Verteidigung kritisiert Berichterstattung und fordert Freispruch
Verteidiger Ian Winter KC argumentierte, dass die Vorwürfe „fundamentally corrupted“ (grundlegend korrumpiert) seien. Er zitierte einen Theologen aus dem 19. Jahrhundert, um zu behaupten, die mediale Berichterstattung habe den „Brunnen der Gerechtigkeit vergiftet“ („poisoned the well of justice“). Winter behauptete, die Klägerinnen hätten ihre Erinnerungen erst nach der Ausstrahlung der Channel-4-Dokumentation im Jahr 2023 „reimagined(umgestaltet). Er stellte die Frage, wie es möglich sei, dass keine der Frauen während der #MeToo-Bewegung Anzeige erstattet habe, und betonte, dass normale Menschen solche Verbrechen melden würden.
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🚨 Russell Brand trial update: Judge is reading the instructions. Jury deliberations start soon.
Der Verteidiger versuchte, die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen zu erschüttern, indem er ihr Verhalten nach den angeblichen Taten hinterfragte. Er fragte etwa bei einer Klägerin, warum sie nicht „geschrien, getreten oder zugeschlagen“ habe, wenn sie tatsächlich vergewaltigt worden wäre. Winter betonte: „Es ist nicht kriminell, Frauen vor, während oder nach dem Sex unfreundlich zu behandeln.“ Er fügte hinzu, dass es zwar „thoroughly inappropriate“ (völlig unangemessen) sein könne, sich am Arbeitsplatz respektlos zu verhalten, dies jedoch nicht zwangsläufig ein sexuelles Verbrechen darstelle. Zu einem Vorwurf aus dem Jahr 2001 merkte Winter an, dass es sich nicht um einen Übergriff gehandelt habe, sondern um 20 Sekunden, in denen Brand lediglich „gepleaded(gebeten) habe.
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Aussagen im Zeugenstand und die Rolle des Konsenses
Brand selbst nahm im Zeugenstand Stellung und räumte ein, er habe seinen Ruhm genutzt, um sexuellen Zugang zu Frauen zu erleichtern, was er heute als falsch bezeichne. Dennoch beharrte er darauf, dass jede Begegnung einvernehmlich gewesen sei. Er betonte, dass für ihn „consent is absolutely non-negotiable“ (Einvernehmen absolut nicht verhandelbar) sei. Er glaube, dass Konsens fundamental, essenziell und „in many ways, more important than sex itself(in vielerlei Hinsicht wichtiger als der Sex selbst) sei.
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Seine Ehefrau Laura Brand sagte zu seiner Verteidigung aus und beschrieb ihn als „caring“ und „kind“ sowie als einen wunderbaren Vater für ihre gemeinsamen drei Kinder. Die Jury, bestehend aus acht Männern und vier Frauen, wurde angewiesen, dass sie bei ihrer Urteilsfindung nicht durch Zeitdruck eingeschränkt sei. Richter Bennathan betonte, dass von der Jury für jeden der sieben Anklagepunkte ein einstimmiges Urteil erwartet wird. Während der Plädoyers wurde die Ernsthaftigkeit des Verfahrens durch die Anwesenheit von Brand und seiner Familie unterstrichen, während die Verteidigung weiterhin darauf beharrt, dass keine Beweise für ein kriminelles Verhalten vorliegen.””