Im Vergewaltigungsprozess gegen den britischen Komiker Russell Brand am Southwark Crown Court hat eine Zeugin unter Tränen ausgesagt. Die Frau schilderte dem Gericht Details eines mutmaßlichen Angriffs aus dem Jahr 2004, bei dem Brand sie nach einem Barbesuch in London in eine Toilette gedrungen haben soll.
Die Aussagen im Southwark Crown Court und die Vorwürfe von Complainant 3
Im Londoner Southwark Crown Court läuft der Prozess gegen den 51-jährigen Russell Brand, der insgesamt drei Anklagen wegen Vergewaltigung, drei wegen sexuellen Übergriffs und eine wegen sittlicher Nötigung zurückweist. Die Vorwürfe von sechs verschiedenen Frauen erstrecken sich auf den Zeitraum zwischen 1999 und 2009. Zu Beginn des Prozesses wurde eine per Video aufgezeichnete Polizeiinterview der dritten Beschwerdeführerin, intern als Complainant 3 geführt, vor den Geschworenen abgespielt. Später trat die Betroffene hinter einem Sichtschutz im Gerichtssaal auf.
Die Frau beschrieb eine Begegnung im Juli 2004 während der Geburtstagsfeier eines britischen TV-Produzenten im Nordic Bar im Londoner Viertel Soho. Sie gab an, Brand habe sie kurz nach dem Kennenlernen plötzlich an den Brüsten gepackt und dabei ein eigenartig manisches
Grinsen gezeigt. Anschließend habe er sie am Arm in die Toiletten gezogen.
Complainant 3 sagte laut The Guardian: „Ich habe ihn weggestoßen und er sagte: ‚Komm schon, komm schon, sei kein Spaßverderber.‘ Er drückte immer wieder meinen Kopf nach unten und wollte mich nicht gehen lassen. Ich bin einfach erstarrt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Nach Angaben der Betroffenen soll Brand sie in dem verriegelten Waschraum zu sexuellen Handlungen gedrängt haben. Sie berichtete weiter, sie habe nach dem Vorfall die Tür eingetreten beziehungsweise dagegen geklopft, um den Raum zu verlassen. Im Anschluss sei Brand ihr zur Bar gefolgt und habe gefragt, ob man nun Nummern austauschen wolle.

Verteidigung und Erinnerungen an frühere Vorfälle aus dem Jahr 1999
Im Kreuzverhör hinterfragte Brands Verteidiger, Ian Winter KC, warum die Frau die Taten nicht während der weltweiten #MeToo-Bewegung zur Anzeige gebracht hatte. Der Anwalt suggerierte zudem, die Zeugin sei freiwillig mit Brand in die Toilette gegangen, weil sie von ihm charmed
gewesen sei. Dies wies die Klägerin entschieden zurück und erklärte, sie sei keineswegs fasziniert gewesen, sondern von dem Mann unmittelbar nach dem ersten Kennenlernen attackiert worden.
Der Prozess umfasst auch Vorwürfe einer weiteren Frau aus dem Jahr 1999. Diese erste Klägerin hatte geschildert, wie sie Brand während des Labour-Parteitags in Bournemouth im Süden Englands kennengelernt und in ein Hotelzimmer eingeladen hatte. Vor Gericht berichtete sie unter Tränen von einer mutmaßlichen Vergewaltigung, bei der sie Todesangst verspürt und nach Luft gerungen habe, weil Brand sich auf sie lehnte. Richter Joel Bennathan wies die Geschworenen darauf hin, dass alle sechs Frauen sich nach der Ausstrahlung einer Fernsehdokumentation im Jahr 2023 an die Polizei gewandt hatten.
Die Rolle der Medienberichte und die späte Anzeigenerstattung
Die Vorwürfe kamen erst ans Licht, nachdem im September 2023 gemeinsame Recherchen von The Times, Sunday Times und Channel 4 veröffentlicht worden waren. Complainant 3 gab an, aus Sorge um den Ruf und aus Schamgefühlen heraus jahrelang geschwiegen zu haben. Die Veröffentlichung der Medienberichte habe sie schließlich dazu bewogen, ihr Schweigen zu brechen, um eine sicherere Welt für ihre Tochter zu hinterlassen.
Brand, der sich mittlerweile in der sogenannten MAGA-Politikszene als Online-Kommentator betätigt, verfolgte die Verhandlung im verglasten Dock. Er plädiert in allen Punkten auf nicht schuldig und argumentiert, sämtliche Kontakte seien einvernehmlich verlaufen. Der Prozess am Southwark Crown Court wird fortgesetzt.
