Mit sechs Pleiten aus den ersten neun Runden steckt FK Austria Wien nach einer 2:3-Niederlage gegen die SV Ried im Innviertel in einer historischen Krise und belegt den zehnten Tabellenplatz. Während die Vereinsführung uneins über die Zukunft von Trainer Stephan Helm ist, fordern Fans Konsequenzen.
Wie die Wiener Austria in Ried die Führung verspielte und verlor
Der Ausflug ins Innviertel begann für die Gäste aus Wien verheißungsvoll. Johannes Eggestein traf in der 18. Minute mit einem platzierten Distanzschuss von der linken Seite aus rund 17 Metern genau ins lange Eck zur Führung und erzielte damit sein erstes Saisontor. Die BWT Oberösterreichische Arena sah jedoch keine lange Wiener Freude. Stefan Schwab köpfte nur fünf Minuten später nach einer präzisen Flanke von Martin Rasner völlig frei zwischen den Innenverteidigern Ibrahim Buhari und Reinhold Ranftl zum Ausgleich ein.
Noch vor dem Pausenpfiff schlugen die Hausherren erneut zu. Philipp Pomer verwandelte einen kurz abgespielten Freistoß aus knapp 30 Metern über die Innenstange zum 2:1 ins Tormanneck.

Nach dem Seitenwechsel vergab Vasilije Markovic eine große Möglichkeit zum Ausgleich, während Kapitän Manfred Fischer mit einem Kopfball an die Innenstange Pech hatte. Die Vorentscheidung folgte in der 82. Minute: Youngster Daniel Nnodim verursachte im Strafraum ein Foul gegen Ante Bajic, woraufhin der schwedische Routinier Isaac Kiese Thelin den fälligen Elfmeter zum 3:1 verwandelte. Eggestein brachte die Veilchen in der Nachspielzeit mit seinem zweiten Treffer zwar noch einmal heran, doch die Niederlage war besiegelt.
Wie die Krise Präsident Gollowitzer und Sportvorstand Zorn spaltet
Mit lediglich sieben Punkten und bereits 18 Gegentoren durchleben die Wiener den schlechtesten Saisonstart ihrer Vereinsgeschichte. Die Talfälle der ersten neun Runden schlagen intern hohe Wellen. Die sportliche Bilanz weckt am Verteilerkreis heftige Diskussionen über die Zukunft von Cheftrainer Stephan Helm, dessen Vertrag bis 2028 läuft und der sich seit seiner Bestellung im Juli 2024 wiederholt in der Kritik befand.
In der Chefetage herbe Meinungsverschiedenheiten prägen das Bild. Laut Medienberichten drängt FAK-Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender Kurt Gollowitzer auf eine Trennung von Helm, während Sportvorstand Tomas Zorn dem Trainer den Rücken stärkt. Ein wesentlicher Hinderungsgrund für sofortige Personalentscheidungen ist die finanzielle Lage des Klubs: Zwei Trainer gleichzeitig zu bezahlen, kann und will sich die Austria kaum leisten. Als mögliche interne Alternative gilt Maximilian Uhlig, der die Young Violets in der 2. Liga erfolgreich auf Tabellenplatz drei führt.
Was Trainer Helm, Torhüter Sahin-Radlinger und Torschütze Eggestein sagten
Die Betroffenen selbst suchten nach Schlusspfiff nicht nach Ausreden, sondern übten offene Selbstkritik. Trainer Stephan Helm bezeichnete das Auftreten seiner Mannschaft als Spiegelbild der bisherigen Saison.
Wir bekommen zu viele Tore und belohnen uns nicht für den Aufwand.
Stephan Helm, Cheftrainer FK Austria Wien
Von Rücktrittsgedanken wollte der 43-Jährige im Interview mit Sky
dennoch nichts wissen. Es braucht keiner glauben, dass ich in Depressionen verfalle
, betonte Helm und kündigte an, sich der schwierigen Situation zu stellen. Unterstützung erhielt er von Torhüter Samuel Sahin-Radlinger, der das Team in die Pflicht nahm und den Ärger der mitgereisten Anhänger verstand.

Ich kann das verstehen. Die Fans fahren da ein paar Stunden her und erleben eine Niederlage. Ich weiß gar nicht mehr wie ich mich rechtfertigen soll.
Samuel Sahin-Radlinger, Tormann FK Austria Wien
Auch Doppelterorschütze Johannes Eggestein zeigte sich von den defensiven Aussetzern frustriert und bemängelte die mangelnde Stabilität über die gesamte Spielzeit. Dennoch stellte er sich demonstrativ hinter die sportliche Leitung.
Ich glaube daran, was wir machen. Ich glaube an unseren Plan. Der Trainer kann nichts dafür, dass wir dreimal hinten denselben Stellungsfehler haben.
Johannes Eggestein, Stürmer FK Austria Wien
Welche Partien vor der Länderspielpause über das Schicksal der Veilchen entscheiden
Viel Zeit zum Aufarbeiten bleibt den Wienern nicht, da der Spielplan im Herbst eng getaktet ist. Bis zur Länderspielpause Mitte November stehen für die Mannschaft wegweisende Begegnungen an. Zunächst gastiert die Austria am kommenden Freitag auswärts beim SCR Altach.

Danach folgen das ÖFB-Cup-Spiel gegen Hartberg sowie das extrem brisante Wiener Derby im eigenen Stadion gegen Tabellenführer SK Rapid, der aktuell einen Vorsprung von 17 Punkten auf die Veilchen aufweist.
Ob Stephan Helm diese Partien auf der Betbank verbringen darf, hängt vom Ausgang der kommenden Aufgaben und den internen Abstimmungen in der Vereinsführung ab. Klar ist nur, dass nach sechs Niederlagen in neun Runden die Geduld im Umfeld des Klubs restlos aufgebraucht ist.
Weiterlesen