Die zweifache Grammy-Gewinnerin und NEA Jazz Master Cassandra Wilson ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Die am 5. Dezember 1955 in Jackson, Mississippi, geborene Sängerin verstarb dort am Dienstagmorgen im Kreise ihrer Familie, von Freunden und ihrem Manager Robert Torre. Ihre Karriere prägte den modernen Jazz durch genreübergreifende Einflüsse aus Blues, Folk und Country.
Abschied in Jackson und Reaktionen aus der Musikwelt
Die Musikwelt trauert um eine Ausnahmekünstlerin, deren unverkennbare Stimme die Grenzen des traditionellen Jazz neu definierte. Wie ihr langjähriger Manager Robert Torre gegenüber dem Jazzsender WBGO bestätigte, verstarb Cassandra Wilson am Dienstag im Alter von 70 Jahren friedlich in ihrem Heimatort Jackson, Mississippi. Eine offizielle Todesursache wurde zunächst nicht genannt.
Bürgermeister John Horhn würdigte die Verstorbene als außergewöhnliche Tochter der Stadt. In einer Erklärung gegenüber den Medien betonte das Stadtoberhaupt, dass Wilson den Klang, den Geist und die Geschichte Mississippis in alle Welt getragen habe. Auch der Musiker Jon Batiste äußerte sich tief betroffen auf Instagram: Er hob hervor, dass Wilsons Mississippi-Erbe und ihre einzigartige Phrasierung einen tiefen Einfluss auf sein eigenes Schaffen hatten.
Von den Anfängen im Süden bis zum Avantgarde-Jazz in New York
Wilsons musikalische Wurzeln lagen tief im Süden der Vereinigten Staaten. Geboren als Tochter des Musikers Herman B. Fowlkes und der Lehrerin Mary Fowlkes, erhielt sie bereits mit sechs Jahren Klavierunterricht und spielte Klarinette in Marching Bands. Später trat sie in Kaffeehäusern und Coverbands auf, während sie am Millsaps College und an der Jackson State University studierte. Anfang der 1980er-Jahre zog sie nach New York City und schloss sich dem Saxofonisten Steve Coleman an. Als Mitglied des M-Base Collective prägte sie die dortige Jazz-Avantgarde maßgeblich mit.

Cassandra Wilson erklärte über den Einfluss von Miles Davis, dass Miles sie gelehrt habe, den Raum zu hören und die Musik atmen zu lassen, und dass er ihr gezeigt habe, dass die Stille einen Klang besitze.
Ihr tiefes Engagement für das Erbe von Miles Davis zog sich wie ein roter Faden durch ihre Karriere. Wie sie selbst betonte, war der aus East St. Louis stammende Trompeter ihr musikalischer Kompass. Sie veröffentlichte das Tribute-Album Traveling Miles
, nachdem sie zuvor bereits bei Konzerten im Lincoln Center aufgetreten war.
Grammy-Erfolge und die Ehrung als NEA Jazz Master
Mit ihrem Wechsel zu Blue Note Records im Jahr 1992 schlug Wilson ein neues Kapitel auf. Ihr wegweisendes Album Blue Light ‚Till Dawn
brach mit der alleinigen Vorherrschaft des American Songbook und öffnete den Jazz für Blues, Country und Folk. Für ihre künstlerische Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet. Sie erhielt insgesamt vier Grammy-Nominierungen und gewann den Preis für das beste Jazz-Vokalalbum zweimal: 1997 für New Moon Daughter
und 2009 für Loverly
.

| Jahr | Auszeichnung oder Meilenstein |
|---|---|
| 1992 | Vertrag bei Blue Note Records und Veröffentlichung von Blue Light ‚Till Dawn |
| 1997 | Grammy-Gewinn für das Album New Moon Daughter |
| 2001 | Ehrung als America’s best singerdurch das Magazin Time |
| 2009 | Zweiter Grammy-Gewinn für das Album Loverly |
| 2022 | Verleihung des National Endowment for the Arts Jazz Master’s Fellowship |
Im Jahr 2015 veröffentlichte sie mit Coming Forth by Day
ein Hommage-Album an Billie Holiday, das anlässlich des 100. Geburtstags der Blues-Legende im Apollo Theater aufgeführt wurde. Die US-Behörden und Kulturinstitutionen würdigten ihr Lebenswerk im März 2022, als die National Endowment for the Arts Wilson als NEA Jazz Master auszeichnete.
Einzigartige Stimme und bleibendes Vermächtnis
Kritiker wie Gary Giddins beschrieben die Sängerin als Künstlerin mit unverkennbarem Timbre, das musikalische Spielfeld durch die Einbindung verschiedenster Genres enorm erweitert hat. Ob bei der Neuinterpretation von Miles Davis, dem klassischen Great American Songbook oder Werken von Bob Dylan, deren Version von Lay Lady Lay
als phänomenal galt – Wilson verlieh jedem Stück ihre eigene, rauchige und gefühlvolle Note.
Informationen zu Gedenkfeiern und weiteren Bestattungsarrangements sollen nach Angaben ihres Managements zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.
Auch interessant