Am Samstagabend erreichte erstmals eine privat entwickelte Rakete vom europäischen Kontinent aus den Orbit. Das bayerische Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace schoss seine Trägerrakete Spectrum vom norwegischen Weltraumbahnhof Andøya in die Erdumlaufbahn und setzte fünf Satelliten aus. Bundeskanzler Friedrich Merz nannte den Meilenstein den Beginn einer neuen Ära.
Historischer Erfolg auf der Andøya-Insel
Der Start der 28 Meter langen Spectrum
-Rakete erfolgte am Samstagabend um 22.12 Uhr von der norwegischen Arktisinsel Andøya. Nach monatelangen Verzögerungen und viermaliger Verschiebung des zweiten Testflugs verlief der Aufstieg nach Angaben der Live-Moderation reibungslos. Knapp vier Minuten nach dem Abheben durchbrach die 28 Tonnen schwere Trägerrakete die Karman-Linie in rund 100 Kilometern Höhe, die als gedachte Grenze zum Weltraum gilt.
Gut 500 Kilometer über dem Erdboden setzte die Rakete schließlich fünf wissenschaftliche Satelliten mehrerer Universitäten in erdnahen Umlaufbahnen aus. Für das in Ottobrunn bei München ansässige Unternehmen markiert dieser Flug einen Wendepunkt. Beim ersten Versuch im März 2025 war die Rakete noch 30 Sekunden nach dem Start planmäßig ins Meer gestürzt.
„Wir haben in wenigen Jahren erreicht, wofür die europäische Raumfahrtindustrie zuvor Jahrzehnte gebraucht hat. Europa hat jetzt einen souveränen Zugang zum Weltraum.“
Daniel Metzler, CEO und Mitgründer von Isar Aerospace, via N TV
Politische Reaktionen und strategische Bedeutung für Europa
Die politische Resonanz in Berlin und Oslo fiel umgehend aus. Bundeskanzler Friedrich Merz gratulierte noch in der Nacht und erklärte, es handle sich um den Beginn einer neuen Ära sowie den ersten erfolgreichen Flug dieser Art vom europäischen Festland.
Bislang ist Europa beim Start von Satelliten massiv von den Vereinigten Staaten und insbesondere von Elon Musks Unternehmen SpaceX abhängig.
Laut dem European Space Policy Institute floss im Jahr 2025 knapp ein Drittel der privaten Investitionen in europäische Raumfahrt-Start-ups an Unternehmen mit Geschäftsfeldern in Sicherheit und Verteidigung.
Finanzierung und der weite Weg zum Regelbetrieb
Mit über 600 Millionen Euro an eingeworbenem Wagniskapital seit der Gründung im Jahr 2018 sieht sich Isar Aerospace finanziell gut aufgestellt. Eine jüngere Finanzierungsrunde im Juni 2026 brachte 270 Millionen Euro ein, getragen unter anderem von Investoren wie der Porsche SE, Lakestar und KfW Capital. Pläne für einen Börsengang gibt es laut Vorstandschef Daniel Metzler in naher Zukunft nicht.

Dennoch mahnen Fachleute vor allzu schnellen Erwartungen an einen Routinebetrieb. Der Raumfahrt- und Raketenanalyst Markus Schiller bewertet den geglückten Flug im Gespräch mit ntv.de lediglich als Machbarkeitsnachweis
. Bis zu einem regulären Betrieb auf Augenhöhe mit SpaceX liege ein weiter Weg vor dem Unternehmen, da hierfür eine deutlich höhere Frequenz an Starts erforderlich sei.
Isar Aerospace plant, die Produktion in einer neuen Fabrik in Parsdorf bei München auf bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr auszuweiten. Abseits des norwegischen Standorts in Andøya, von dem aus in diesem und im nächsten Jahr weitere Starts folgen sollen, sind ab Anfang 2028 zusätzliche Starts von einer geplanten Startbasis in Kanada vorgesehen.
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