Der Lunar Reconnaissance Orbiter der NASA hat am Ostrand des Mondes einen unbeschädigten, 222 Meter großen Einschlagkrater entdeckt, der zwischen April und Mai 2024 entstanden ist. Der Krater mit dem Namen McGetchin bietet Forschern eine seltene Gelegenheit, frisches Auswurfmaterial und thermische Veränderungen zu untersuchen, bevor die Weltraumverwitterung den Ort verändert.
Ein Routine-Datenabgleich im Datenbestand des Lunar Reconnaissance Orbiter brachte den Fund ans Licht. Robert Wagner, ein Bildverarbeitungsspezialist von Intuitive Machines, entdeckte bei der Durchmusterung globaler Mosaike einen auffälligen hellen Fleck, der von einem dunklen Halo umgeben war. Die Entdeckung wurde im September 2026 im Fachjournal Science Advances veröffentlicht, wie die Universities Space Research Association mitteilte.
Die Entdeckung durch temporäre Differenzbildung und Orbiter-Aufnahmen
Die Auffindung des Kraters gelang mithilfe der sogenannten temporären Differenzbildung. Dabei werden kalibrierte Aufnahmen derselben Mondregion verglichen, die im Abstand von Jahren unter nahezu identischen Beleuchtungsverhältnissen entstanden sind. Unveränderte Oberflächen gleichen sich dabei aus, während frisches, noch nicht von Weltraumverwitterung gezeichnetes Material durch starke Helligkeitskontraste auffällt. Nach der ersten Sichtung im Oktober 2025 zeigten gezielte Aufnahmen mit den Narrow-Angle-Kameras im Dezember 2025 und März 2026 die genaue Struktur, wie in einer technischen Analyse dargelegt wird.

Die von der NASA-Sonde eingesetzte Wide Angle Camera bildet weite Bereiche ab, während die Narrow Angle Cameras deutlich kleinere Ausschnitte mit einer Auflösung im Meterbereich erfassen. Seit dem Beginn der Kartierung im Jahr 2009 hat das Team der Sonde mindestens 1.000 neue Einschlagkrater identifiziert und rund 100.000 weitere Oberflächenveränderungen registriert.
Maße und Entstehungszeitraum des McGetchin-Kraters
Der Einschlagkrater misst 222 Meter im Durchmesser und weist eine Tiefe von rund 43 Metern auf. Astronomen konnten den Zeitpunkt des Aufpralls auf ein enges Zeitfenster zwischen dem 11. April und dem 22. Mai 2024 eingrenzen, da ältere Bilder noch eine unbeschädigte Oberfläche zeigten und der Krater auf den folgenden Aufnahmen erstmals zu sehen war. Ein Himmelskörper von der Größe eines drei- bis sechsstöckigen Gebäudes traf die Mondoberfläche und hinterließ einen Trümmerhof, der sich Hunderte Meter weit erstreckt.
Der Durchbruch förderte Material aus Tiefen von mehr als 20 Metern zutage und schleuderte Trümmer über den Kraterrand hinaus. Die resultierende Struktur zeigt eine durchschnittliche Hangneigung der Wände von 24 Grad, wobei in einigen Bereichen Steigungen von fast 40 Grad erreicht werden. Zudem liegt der Kraterrand etwa acht Meter über dem früheren Niveau der umgebenden Mondoberfläche.
Namensgebung zu Ehren des Vulkanologen Thomas McGetchin
Die Internationale Astronomische Union hat die Formation offiziell nach Thomas McGetchin benannt. McGetchin war ein renommierter Vulkanologe und leitete das Lunar and Planetary Institute, das während des Apollo-Programms gegründet wurde. Seine in den 1970er Jahren entwickelten Modelle zur Auswurfschicht von Einschlägen bilden bis heute einen wichtigen theoretischen Rahmen für die Planetenforschung.
Im Jahr 1977 übernahm McGetchin die Leitung des Instituts, das damals noch als Lunar Science Institute bekannt war. In jenem Jahr fiel auch der Startschuss für das Sommerprogramm der LPI Internships in Planetary Science.
Thermische Anomalien und die Bedeutung für künftige Mondmissionen
Untersuchungen mit dem thermischen Instrument Diviner offenbarten zudem eine rund 6,5 Kilometer breite Kältezone rund um den Krater, die nachts um etwa 9 Kelvin beziehungsweise 16 Grad Fahrenheit kälter ist als die umgebende Mondregolithschicht. Der Einschlag hat das Material derart aufgelauert, dass es weniger Wärme speichert.
Da der Mond über keine schützende Atmosphäre verfügt, schlagen Gesteinsbrocken und Kometen nahezu ungebremst auf die Oberfläche ein.