Französische Champagne-Hersteller greifen nach Frühlingsfrost und Sommerhitze auf Weinreserven zurück. Laut dem Branchenverband Comité Champagne schrumpfte die Ernte dieses Jahr massiv, während das Land als zweitgrößter Weinproduzent weltweit extrem frühe Lese-Termine verzeichnete und die Qualität der Trauben als außergewöhnlich eingestuft wird.
Extreme Wetterbedingungen erzwingen Rückgriff auf Weinreserven
Wegen extremer Wetterbedingungen greifen Winzer in der Champagne in diesem Jahr auf eingelagerte Reserveweine zurück. Nach Angaben von Reuters sorgten Frühlingsfröste und sommerliche Hitzewellen für eine deutlich kleinere Weinlese in Frankreich, das weltweit als zweitgrößter Weinproduzent gilt. Die Hitzewelle beschleunigte die Arbeit in den Weinbergen enorm und führte in Regionen wie der Champagne, in der bekannte Marken wie Moët & Chandon und Bollinger beheimatet sind, zu einigen der frühesten Erntetermine der Geschichte.
Überraschend frühe Lese und spontane Personalnot in den Weinbergen
Die Ernte lief so rasant an, dass manche Winzer ihre Sommerferien abbrechen mussten und Erntehelfer früher als geplant einbestellt wurden.
Wir waren nicht ganz bereit, sagte Maxime Toubart, Co-Präsident des Branchenverbandes Comité Champagne (CIVC), gegenüber Journalisten laut Reuters.
Halbierte Produktionszahlen und die Flexibilität des klassischen Verschnitts
Das französische Landwirtschaftsministerium teilte mit, dass die Weinproduktion in der Champagne im Vergleich zum Vorjahr voraussichtlich um die Hälfte zurückgehen wird. Diese Schätzungen weichen jedoch häufig von den Berechnungen der Produzenten ab, da Champagne-Häuser auf Rücklagen aus stärkeren Jahren zurückgreifen können, um schwächere Jahrgänge auszugleichen. Die Herstellung von Champagner beruht größtenteils darauf, Weine aus verschiedenen Ernten zu verschneiden, was den Herstellern bei schlechten Jahrgängen mehr Flexibilität verleiht.
Gedrosselte Vorgaben durch sinkende Nachfrage und US-Zollpolitik
Die Branche hatte ihre Produktionsvorgaben bereits in den vergangenen Jahren gedrosselt, da der weltweite Alkoholkonsum sinkt, wirtschaftliche Unsicherheiten die Nachfrage belasten und Produzenten die möglichen Auswirkungen künftiger US-Zollpolitik beobachten. Ob die Betriebe ihre Reserven komplett leeren werden, ist offen.
Einige Produzenten ziehen es vielleicht vor, Reservewein für künftige Cuvées aufzuheben oder etwas weniger abzufüllen, erklärte Toubart laut Reuters.
Außergewöhnliche Qualität und neue Herausforderungen beim Alkoholgehalt
Trotz der geringeren Erntemenge bewerten die Erzeuger die Qualität des diesjährigen Weins als außergewöhnlich. Ausgeprägte Reife und das Ausbleiben von Mehltau trugen maßgeblich dazu bei.
Die Tatsache, dass die Qualität da ist, macht den schwachen Ertrag etwas leichter zu schlucken. Sebastien Debuisson, technischer Direktor des CIVC
Allerdings wird erwartet, dass der durch das heiße Wetter verursachte hohe Alkoholgehalt bei der Weinbereitung zu neuen Herausforderungen führen wird.
Weiterlesen