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Iran-Krise: Verbraucher wechseln von Rewe und Edeka zu anderen Läden

Der Krieg im Iran ist längst kein fernes geopolitisches Ereignis mehr. Er ist in den deutschen Haushalten angekommen – und er verändert spürbar, wo die Menschen ihre Lebensmittel kaufen. Während die Preise an den Zapfsäulen bereits steigen, vollziehen die Verbraucher einen überraschend schnellen Wechsel: Weg von den klassischen Supermärkten, hin zu den Discountern. Es ist eine Fluchtbewegung aus finanzieller Vorsicht, die den Handel in seinen Grundfesten erschüttert.

Milliarden-Verschiebung: Aldi profitiert, Rewe und Edeka verlieren

Aktuelle Echtzeitdaten des Marktforschungsunternehmens Accurat zeichnen ein deutliches Bild. In der Kalenderwoche 12, likewise ab dem 16. März, stieg der Anteil der Kundenbesuche bei Aldi Süd um einen ganzen Prozentpunkt und bei Aldi Nord um 0,7 Prozentpunkte im Vergleich zur Zeit vor Kriegsbeginn. Auf den ersten Blick wirken diese Zahlen gering. Doch im deutschen Lebensmittelmarkt, der jährlich rund 200 Milliarden Euro umsetzt, bedeutet ein Plus von einem Prozentpunkt rechnerisch einen Mehrumsatz von zwei Milliarden Euro.

Diese Gewinne der Discounter sind die direkten Verluste der Vollsortimenter. Edeka verzeichnete in derselben Woche einen Rückgang von 0,6 Prozentpunkten, Rewe büßte sogar 0,7 Punkte ein. Auch Kaufland verlor 0,5 Prozentpunkte. Interessant ist dabei, dass die Zuwächse bei Aldi nicht durch eine höhere Einkaufsfrequenz der Stammkunden entstanden sind. Die Menschen gehen nicht öfter einkaufen, sie wechseln schlicht den Laden.

Marktdynamik in Zahlen Ein Zuwachs von nur einem Prozentpunkt bei den Kundenbesuchen entspricht im deutschen Lebensmittelhandel einem Umsatzvolumen von etwa zwei Milliarden Euro.

Die Angst vor der nächsten Inflationswelle

Die Menschen reagieren nervös. Boris Hedde vom Handelsforschungsinstitut IFH Köln erinnert an die Lehren aus dem Ukraine-Krieg. Damals schlugen gestiegene Logistik- und Energiekosten mit voller Wucht auf die Supermarktregale durch. Experten warnen, dass dies erst der Anfang ist. Da viele Produktionsschritte in der Lebensmittelherstellung auf Erdgas angewiesen sind, treiben steigende Energiepreise die Herstellungskosten in die Höhe. Ab dem Sommer könnten diese Kosten die Preise an der Kasse weiter nach oben treiben.

Das Konsumklima ist dementsprechend im Keller. Das Marktforschungsunternehmen NIM meldet einen Rückgang des Konsumklimas um 3,2 Zähler auf minus 28 Punkte. Sechs von zehn Deutschen befürchten, dass die Energiepreise dauerhaft hoch bleiben. Diese Verunsicherung führt dazu, dass die Menschen ihr Finanzpolster stärken wollen und ihre Ausgaben kritischer hinterfragen.

Ein tiefer Fall der Konsumlaune

Der Handelsverband Deutschland (HDE) bestätigt diesen Trend mit seinem Konsumbarometer. Im April notierte dieser einen Wert von 94,85 Punkten – der tiefste Stand seit Februar 2024. Die Verbraucher haben ihre Hoffnungen auf einen wirtschaftlichen Aufschwung begraben. Besonders zwei Faktoren drücken auf die Stimmung:

  • Die anhaltend unsichere geopolitische Lage durch den Iran-Krieg.
  • Die Diskussion über eine mögliche Erhöhung der Mehrwertsteuer.

Die Einkommenserwartungen sinken, und die geplante Sparaktivität nimmt deutlich zu. Ein erhoffter Frühjahrsaufschwung bleibt aus. Zwar steigt die Anschaffungsneigung paradoxerweise leicht an, doch das allgemeine Bild bleibt pessimistisch. Der private Konsum wird in den kommenden Wochen kaum eine Stärkung erfahren.

Die Kosten des Alltags: Was der Einkauf wirklich kostet

Die Verschiebung zu den Discountern ist eine Reaktion auf eine bereits lange anhaltende Teuerung. Daten des YouGov-Shopperpanels zeigen, wie massiv die Lebensmittelpreise gestiegen sind. Im Januar 2026 gaben deutsche Haushalte durchschnittlich 393,32 Euro pro Monat für Lebensmittel aus. Zum Vergleich: 2021 lag dieser Schnitt noch bei 332,26 Euro.

Die Belastung verteilt sich regional unterschiedlich. In Süddeutschland liegen die Ausgaben mit 402,22 Euro am höchsten, während sie im Osten mit 376,62 Euro am niedrigsten ausfallen. In Süddeutschland gibt es tendenziell eine höhere Zahlungsbereitschaft für Markenprodukte, Regionalität und Tierwohl, was auch an den dort höheren Einkommen liegt. Doch auch hier greift nun die Vorsicht, wenn die Inflation erneut Fahrt aufnimmt.

Warum wechseln die Deutschen aktuell verstärkt zu Discountern?

Die Kombination aus steigenden Energie- und Logistikkosten durch den Iran-Krieg und der Angst vor einer neuen Inflationswelle treibt die Kunden in preisgünstigere Läden. Viele wollen ihre Ausgaben begrenzen, um ihr Finanzpolster in unsicheren Zeiten zu schützen.

Wie viel Geld geben deutsche Haushalte im Schnitt für Lebensmittel aus?

Im Januar 2026 lag der durchschnittliche monatliche Betrag bei 393,32 Euro. Dieser Wert ist seit 2021, als er noch bei 332,26 Euro lag, kontinuierlich gestiegen.

Welche langfristigen Folgen könnte die aktuelle Lage für den Handel haben?

Klassische Supermärkte wie Rewe und Edeka könnten dauerhaft Marktanteile an Discounter wie Aldi verlieren, falls die Energiepreise und die Inflation hoch bleiben. Da bereits jetzt Milliardenumsetze verschoben werden, könnte dies die Wettbewerbsstruktur im deutschen Lebensmittelhandel nachhaltig verändern.

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Johann Falk

Über den Autor

Johann Falk ist Chief Editor von Germanic Nachrichten und verantwortet die redaktionelle Linie, Themenauswahl und finale Qualitaetssicherung der Veroeffentlichung. Sein Schwerpunkt liegt auf klarer, verifizierter und schnell einordenbarer Berichterstattung fuer ein deutschsprachiges Publikum.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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