Die Welt blickt mit einer Mischung aus Angst und Ungewissheit auf die Straße von Hormus. Während das Ayatollah-Regime im Iran die eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt kontrolliert und die Preise für Öl und Gas global in die Höhe treibt, passiert in Deutschland etwas höchst Ungewöhnliches. Anstatt einer neuen Energiepanik, wie wir sie nach dem Beginn des Ukraine-Krieges erlebten, sinken die deutschen Börsenstrompreise sogar leicht. Es ist ein paradoxer Zustand: Die fossilen Brennstoffe explodieren preislich, doch der Strommarkt bleibt bemerkenswert stabil.
Die Preis-Schere: Gas explodiert, Strom sinkt
Die Zahlen des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) zeichnen ein deutliches Bild dieser Divergenz. Im März stieg der durchschnittliche Großhandelspreis für Gas massiv an – von knapp 36 Euro auf über 52 Euro pro Megawattstunde. Das ist ein Plus von rund 47 Prozent in kürzester Zeit. Wer auf fossile Energieträger angewiesen ist, spürt diesen Druck direkt im Geldbeutel, besonders an den Tankstellen.
Ganz anders sieht es beim sogenannten Day-ahead-Strompreis aus. Dieser sank im gleichen Zeitraum minimal von 95,25 Euro auf 94,93 Euro pro Megawattstunde. Ein Rückgang von etwa 1,4 Prozent mag gering erscheinen, doch im Kontext einer globalen Energiekrise wirkt er wie ein kleines Wunder. Unternehmen, die ihren Strom direkt an der Börse beziehen, profitieren unmittelbar von diesem Effekt. Private Haushalte merken davon weniger, da ihre langfristigen Tarife träger reagieren und nur langsam angepasst werden.
Solarstrom als Schutzschild gegen den Iran-Konflikt
Leonhard Gandhi vom ISE erklärt diesen Effekt mit dem Timing und dem Fortschritt der Energiewende. Der Ausbruch des Iran-Kriegs fiel mit dem Ende des Winters zusammen. Genau in dieser Phase konnten die Photovoltaik-Anlagen wieder deutlich mehr Energie einspeisen. Die Daten der Energy-Charts belegen die Dominanz der Erneuerbaren: In der zehnten und zwölften Jahreswoche waren Solaranlagen sogar die wichtigste Stromquelle des Landes.
Im März lieferte die Photovoltaik 18,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung. Rechnet man den Eigenverbrauch hinzu, klettert der Wert auf 21,1 Prozent. Windkraft an Land und auf See steuerte weitere 23 Prozent bei. Diese massive Einspeisung aus Sonne und Wind verdrängte den teuren Strom aus Gaskraftwerken. Der Anteil dieser Anlagen sank entsprechend von 20 auf 12 Prozent. Ohne diesen Ausbau der Erneuerbaren wären die Preissteigerungen beim Strom wohl deutlich heftiger ausgefallen.
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Wetterglück und die Rückkehr zur Kohle
Nicht nur die Technik half Deutschland durch diese Phase. Auch die Natur spielte eine Rolle. Kesavarthiniy Savarimuthu von BloombergNEF weist darauf hin, dass wärmeres Wetter im März die Heizlast senkte. Das führte zu einem insgesamt niedrigeren Stromverbrauch. Wenn weniger Bedarf besteht und gleichzeitig mehr Solarstrom ins Netz fließt, sinkt der Preisdruck.
Eine weniger erfreuliche Entwicklung ist die wirtschaftliche Verschiebung bei den fossilen Brennstoffen. Weil Gas so extrem teuer wurde, rückte Kohle wieder in den Fokus. Kohle wurde im Vergleich zu Gas schlichtweg wirtschaftlicher, was dazu führte, dass Kohlekraftwerke wieder eine wichtigere Rolle in der Strommischung einnahmen, um die Lücken zu füllen, die Gaskraftwerke hinterließen.
Das geopolitische Gefängnis der Straße von Hormus
Hinter den ökonomischen Daten steht eine dramatische Lage im Persischen Golf. Die Straße von Hormus ist faktisch blockiert. Tausende Handelsschiffe und rund 20.000 Seeleute sitzen fest. Darunter befinden sich mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) zeigt sich extrem zurückhaltend, was eine Wiederaufnahme der Fahrten angeht. Es fehlen verlässliche Sicherheitsgarantien.
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Die politische Lage ist komplex. Während US-Präsident Donald Trump von NATO-Partnern mehr Unterstützung fordert, war die deutsche Bundesregierung lange Zeit zögerlich bei einem Marineeinsatz. Außenminister Johann Wadephul betonte zuletzt die Rolle Deutschlands als Vermittler. Erst mit der jüngsten Einigung auf eine Waffenruhe, die Bundeskanzler Merz begrüßte, gibt es einen Hoffnungsschimmer. Merz betonte, dass Deutschland „in geeigneter Weise“ beitragen werde, die freie Schifffahrt wiederherzustellen. Dennoch bleibt die Situation volatil, da der Iran über ein Arsenal von bis zu 6.000 Seeminen verfügt, die den Verkehr jederzeit wieder zum Erliegen bringen könnten.
Warum sinkt der Strompreis in Deutschland, obwohl Gas und Öl teurer werden?
Das liegt primär an der Energiewende und dem saisonalen Timing. Durch den steigenden Anteil an Solar- und Windenergie im Frühjahr wurde teurer Gaskraftstrom ersetzt. Zudem senkte wärmeres Wetter den allgemeinen Stromverbrauch, was den Preis an der Börse stabilisierte oder leicht drückte.
Wie hoch war der Anteil der Solarenergie an der Stromerzeugung im März?
Die Photovoltaik lieferte 18,8 Prozent der öffentlichen Nettostromerzeugung, was inklusive des Eigenverbrauchs einer Quote von 21,1 Prozent entspricht.
Welche Auswirkungen hat die Blockade der Straße von Hormus auf die deutsche Wirtschaft?
Die Blockade führt zu massiven Preissteigerungen bei Öl und Gas sowie zu logistischen Problemen. Mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien sitzen fest, und die Unsicherheit über die Sicherheit der Schifffahrtswege belastet den Handel und die Energieversorgung weltweit.