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Unternehmen

In Herisau eröffnet die Migros ihre erste 24-Stunde-Filiale

Die Migros hat am Donnerstag, den 2. Juli 2026, in Herisau die erste Supermarkt-Filiale der Schweiz mit einem 24-Stunden-Betrieb in Betrieb genommen. Die Filiale an der Alpsteinstrasse wechselt ab 19 Uhr vom bemannten in den Selbstbedienungsmodus, wobei der Zutritt über QR-Codes oder die Cumulus-Karte erfolgt.

Das Pilotprojekt markiert einen strategischen Schritt in Richtung autonomer Einzelhandelsstrukturen. Während die Filiale bis zum regulären Ladenschluss um 19 Uhr wie gewohnt durch Personal betrieben wird, übernimmt danach ein automatisiertes System die Steuerung. Kunden gelangen über ein Zutrittsterminal in den Laden, indem sie entweder einen QR-Code scannen, ihre Handynummer verifizieren oder die Migros-App sowie die Cumulus-Karte nutzen, wie watson.ch berichtet. Die Bezahlung erfolgt ausschließlich über Self-Checkout-Kassen.

Filialgröße und Sortiment im Vergleich zu Teo-Läden

Filialgröße und Sortiment im Vergleich zu Teo-Läden
Mit einer Fläche von knapp 300 Quadratmetern ist die Herisauer Filiale kompakt gehalten. Das Sortiment umfasst etwa 7.000 Artikel, was laut Migros-Verantwortlichen ausreicht, um die wichtigsten Kundenbedürfnisse abzudecken. Für den unbemannten Betrieb sei eine solche Größe notwendig, da größere MMM-Filialen nicht für einen Betrieb ohne Personal geeignet seien.Technisch basiert das Konzept auf den 2022 eingeführten Migros-Teo-Läden. Diese unterscheiden sich jedoch deutlich in der Dimension:
  • Teo-Läden: 50 bis 100 Quadratmeter Verkaufsfläche, Sortiment von 900 bis 1.000 Artikeln.
  • 24-Stunden-Filiale: Knapp 300 Quadratmeter Verkaufsfläche, Sortiment von etwa 7.000 Artikeln.
Die Erweiterung auf eine reguläre Filiale ist eine Reaktion auf die steigende Nachfrage nach flexiblen Einkaufszeiten. Laut SRF müssen die Regale aufgrund des Arbeitsgesetzes nachts sowie an Sonn- und Feiertagen nicht bewirtschaftet werden. Das Auffüllen der Waren erfolgt daher unmittelbar vor oder nach den bemannten Öffnungszeiten.

Standortwahl und regulatorische Hürden

Standortwahl und regulatorische Hürden
Die Wahl von Herisau als Teststandort war kein Zufall. Die Migros Ostschweiz betonte die Offenheit und Flexibilität des Kantons Appenzell Ausserrhoden sowie der Gemeinde Herisau. In anderen Regionen wären die regulatorischen Hürden höher gewesen. So wäre eine Bewilligung für eine solche Filiale im Kanton Zürich nicht möglich gewesen, da dort die Ladenfläche für einen unbemannten Betrieb auf 200 Quadratmeter beschränkt ist.Der Weg zur Eröffnung verlief nicht ohne Verzögerungen. Ursprünglich sollte das Projekt bereits im Sommer 2025 starten. Eine Einsprache gegen die baulichen Anpassungen und die geänderte Nutzung des Objekts verzögerte den Start jedoch um rund ein Jahr, wie die Appenzeller Zeitung berichtet.

Sicherheitskonzept und Anwohnerreaktionen

Ein Rundgang durch die Geister-Migros in Herisau
Um die Sicherheit in der Nacht zu gewährleisten, ist der Markt mit Kameras und Sensoren ausgestattet. Das System kann erkennen, wenn eine Person stürzt oder ein medizinisches Problem erleidet, und alarmiert daraufhin einen Notfalldienst. Dieser kann über Lautsprecher mit den Betroffenen kommunizieren. Zusätzlich gibt es Notfalltaster und eine Telefonnummer für Notfälle.Trotz der technischen Absicherung gibt es Kritik. Anwohner äußerten Bedenken, dass der Standort zu einem nächtlichen Hotspot werden könnte, was zu einer erhöhten Lärmbelastung führen würde. Laut nau.ch wird die Kundschaft gebeten, sich ruhig zu verhalten; bei Störungen solle die Polizei verständigt werden.Auch institutionelle Kritik gibt es. Der Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell bezeichnet 24-Stunden-Konzepte als unnötig. Der Verband argumentiert, dass solche Modelle kleinere Detailhändler benachteiligen, die solche Öffnungszeiten weder finanzieren können noch wollen. Zudem warnte der Verband vor negativen Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen.

Strategische Positionierung im Wettbewerb

Die Migros positioniert sich mit diesem Modell aggressiv gegenüber der Konkurrenz. Während die Migros Ostschweiz bereits weitere 24-Stunden-Filialen plant, lehnt der Hauptkonkurrent Coop diesen Weg ab. Ein Sprecher von Coop erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AWP, dass 24-Stunden-Läden für das Unternehmen kein Thema seien, da man den persönlichen Kontakt zu den Kunden priorisiere.Andere Anbieter wie Valora (mit Avec) oder Spar haben bereits Erfahrungen mit autonomen Läden gesammelt. Diese verliefen jedoch nicht immer reibungslos. In Zürich und im Bündnerland mussten unbediente Automaten-Läden von Spar aus Sicherheitsgründen wieder geschlossen werden. Auch Valora musste Filialen in der Nacht vorübergehend schließen, nachdem es zu sicherheitsrelevanten Vorfällen gekommen war, wie nau.ch berichtet.Für die Migros bietet das Modell in Herisau eine Chance, die Lücke zwischen den kleinen Teo-Automaten und den großen, personalintensiven Supermärkten zu schließen. Die Filiale an der Alpsteinstrasse dient nun als Referenzprojekt, um zu prüfen, ob die Kombination aus erweitertem Sortiment und vollständiger Autonomie in der Nacht langfristig rentabel und gesellschaftlich akzeptiert ist.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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