Ein US-Einwanderungsbeamter, der beschuldigt wird, bei einem Einsatz in Minneapolis im Januar einen Venezolaner angeschossen und anschließend gelogen zu haben, ist am Donnerstag gegen eine Kaution von 400.000 US-Dollar freigelassen worden. Dies teilten Behörden und beteiligte Stellen nach einer Anhörung vor einem Gericht in Minnesota mit.
Der Fall des ICE-Beamten Christian Castro hat nach monatelangen juristischen und politischen Auseinandersetzungen zwischen bundesstaatlichen Behörden und der US-Regierung eine neue Wendung genommen. Der 52-Jährige erschien am Donnerstag erstmals vor einem Gericht in Minnesota, nachdem er sich zuvor in Texas befunden hatte. Castro stand mit Handschuhen und in einem orangen Gefängnisanzug in einer Glaseinfassung im Gerichtssaal, wie aus Berichten hervorgeht.
<Bedingungen der Kautionsentscheidung in Minneapolis
Der zuständige Richter Paul Scoggin setzte die Kaution auf 400.000 US-Dollar fest. Der Betrag reduziert sich auf 200.000 US-Dollar, wenn Castro einer Reihe von Auflagen zustimmt. Zu diesen Bedingungen gehört insbesondere die Unterzeichnung einer Erklärung, wonach er sich im Falle einer Ausreise während der Freilassung nicht gegen eine erneute Auslieferung nach Minnesota wehren wird.
Die Festnahme erfolgte am Mittwoch in der Innenstadt von Minneapolis durch Beamte des Minnesota Bureau of Criminal Apprehension. Castro sieht sich dort staatlichen Anklagen wegen Körperverletzung und falscher Verdächtigung gegenüber. Die Vorwürfe stehen im Zusammenhang mit den Ereignissen um den 24-jährigen Julio Cesar Sosa-Celis im Januar dieses Jahres.
<Hintergrund der Schüsse und falsche Anschuldigungen
Sowohl in den Bundes- als auch in den Landesverfahren werfen Staatsanwälte dem Beamten vor, Sosa-Celis bei einer groß angelegten Razzia in das Bein geschossen zu haben. Die Schüsse fielen demnach durch die Haustür eines Wohnhauses in Minneapolis. Staatsanwälten zufolge hat Castro anschließend wahrheitswidrig behauptet, er sei vor dem Schusswaffeneinsatz mit einem Besenstiel und einer Schneeschaufel angegriffen worden.
Castro erfand eine Geschichte, um zu rechtfertigen, dass er durch eine Haustür in ein Haus mit mehreren Menschen darin geschossenen hat. Hennepin County Attorney Mary Moriarty
Dies erklärte die Leiterin der Staatsanwaltschaft im Hennepin County, Mary Moriarty, nach der Anhörung vor Reportern. Sie bezeichnete den Gerichtstermin als einen kritischen Schritt, um den Beamten für die Schüsse zur Rechenschaft zu ziehen. Castros Verteidiger Daniel Gerdts lehnte nach der Anhörung jeden Kommentar ab.
Konflikt zwischen Minnesota und der Bundesregierung
Die juristischen Auseinandersetzungen um den Fall spiegeln einen breiteren Machtkampf zwischen den lokalen Behörden in Minnesota und der Regierung von US-Präsident Donald Trump wider. Während die Landesjustiz im Mai Anklage gegen Castro erhoben hatte, versuchten texanische Behörden zunächst, die Auslieferung zu blockieren. Beamte hatten Castro am 29. Mai in Cameron County in Texas festgenommen. Der texanische Gouverneur Greg Abbott weigerte sich jedoch im vergangenen Monat, einen Auslieferungshaftbefehl zu unterzeichnen, wonach Castro zunächst in Texas freigelassen wurde.
Das Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security) kritisierte die Strafverfolgung durch Minnesota als unrechtmäßig und als politische Aktion. Nach Ansicht der Bundesbehörden liegt die Zuständigkeit allein auf Bundesebene. Das Ministerium argumentierte, dass nur Bundesorgane über die entsprechende Jurisdiktion verfügen.
<Ausblick auf das Bundesverfahren in St. Paul
Nach seiner Entlassung in Texas wurde Castro wegen falscher Aussagen gegenüber Ermittlern in einer Bundesanklage beschuldigt, die Anfang dieses Monats bekannt gegeben wurde. Er reiste schließlich auf eigene Faust nach Minnesota, um sich dort den Bundesbehörden zu stellen. Dies geschah im Rahmen der ersten Justizministeriumsklage gegen einen Bundesbeamten im Zuge der groß angelegten Operation Metro Surge, die Tausende Agenten in die Zwillingsstädte gebracht und landesweites Aufsehen erregt hatte.
Für den heutigen Freitag ist eine weitere Anhörung vor dem Bundesgericht in St. Paul angesetzt. Dort muss sich Castro den Vorwürfen stellen, Ermittler bezüglich des Schusswaffeneinsatzes belogen zu haben. Seine Pflichtverteidiger in diesem Verfahren haben angekündigt, dass Castro auf nicht schuldig plädieren will.