Die jemenitische Huthi-Miliz hat ihre Angriffe auf Saudi-Arabien ausgeweitet und den Flughafen King Chalid in Riad mit einer ballistischen Rakete attackiert. Infolgedessen setzte die Lufthansa-Gruppe ihre Flüge in die saudi-arabische Hauptstadt bis zum 16. Oktober aus. Saudi-Arabien reagierte mit einer umfassenden Militäroperation gegen 82 Ziele der Miliz im Jemen.
Raketenangriff auf Riad und Konsequenzen für den Flugverkehr
Die Sicherheitslage in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad hat sich durch gezielte Angriffe der Huthi-Miliz verschärft. Wie deren Militärsprecher Jahja Saree mitteilte, habe die Miliz den wichtigsten internationalen Flughafen der Stadt, den Flughafen King Chalid, mit einer ballistischen Rakete ins Visier genommen.
Sicherheitskreise in Saudi-Arabien bestätigten, dass Trümmer abgefangener Raketen auf ein Terminalgebäude des Flughafens gefallen seien. Aufgrund der instabilen Lage teilte die Lufthansa-Gruppe mit, ihre Flüge nach Riad bis einschließlich 16. Oktober auszusetzen. Die Huthi drohten zudem mit Angriffen auf alle Ölanlagen in Saudi-Arabien und riefen Fluggesellschaften erneut dazu auf, Flüge in das Königreich einzustellen, mit Ausnahme der Gebiete über den heiligen Städten Mekka und Medina.
Militärische Vergeltungsmaßnahmen der Koalition im Jemen
Unterdessen berichtete der Huthi-nahe Sender Al-Masirah von saudi-arabischen Luftangriffen auf Sanaa sowie auf die Provinzen Saada, Tais und Amran. Bewohner der Hafenstadt Hudaida schilderten gegenüber der Nachrichtenagentur dpa heftige Explosionen und Rauchwolken nahe des Hafens.
Strategische Offensive um die Meerenge Bab al-Mandab
Die Luftangriffe finden vor dem Hintergrund einer großangelegten Bodenoffensive statt. Raschad al-Alimi, Mitglied des Präsidialen Führungsrats der international anerkannten Regierung, hatte angekündigt, alle von den Huthis kontrollierten Gebiete zurückerobern zu wollen. Die Regierungstruppen starteten eine Offensive, um die Küste um die Meerenge Bab al-Mandab bis zur Stadt Mocha zurückzugewinnen. Das saudische Verteidigungsministerium erklärte die Stadt Mocha später für gefallen, nachdem Regierungstruppen die Außenbezirke erreicht hatten und sich Huthi-Kämpfer ins Hochland zurückzogen.
Die Huthi-Miliz kontrolliert seit Jahren weite Teile des Jemen, darunter die Hauptstadt Sanaa. Die Wiederaufnahme der Kämpfe zwischen der Miliz und den Regierungstruppen im Juli hat zu einer humanitären Krise geführt. Nach Angaben der Vereinten Nationen und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind mehr als 200.000 Menschen auf der Flucht; 197.755 von ihnen wurden seit Anfang September vertrieben. Die IOM bezeichnet die Lage als alarmierend.
Diplomatische Verflechtungen und regionale Allianzen
Der Konflikt ist in ein komplexes diplomatisches Geflecht eingebettet. Pakistan, Saudi-Arabien und die Türkei unterzeichneten im August das Mekka-Verteidigungsabkommen, das festlegt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein Mitgliedsland als Angriff auf alle gewertet wird. Ankara soll Einheiten zur Luftverteidigung und zum Einsatz von Drohnen entsandt haben. Der iranische Außenminister bestätigte, dass die Gespräche weitergehen und eine Antwort der USA über katarische Vermittler erwartet werde.
„Die brutalen Angriffe der terroristischen Huthi-Miliz auf Zivilisten und zivile Einrichtungen im Königreich werden nicht ungestraft bleiben.
Militärkoalition unter Führung Saudi-Arabiens
Der Bürgerkrieg im Jemen, der 2014 mit der Eroberung zahlreicher Städte durch die Huthis begann, ist im Zuge des Iran-Krieges im Sommer erneut eskaliert. Saudi-Arabien griff ein Jahr nach Beginn des Bürgerkriegs an der Spitze einer Militärkoalition zugunsten der Regierung ein. Trotz einer informellen Waffenruhe seit 2022 halten die gegenseitigen Angriffe an, wobei die Huthi-Miliz weiterhin versucht, die Durchfahrt saudischer Öltanker durch die Meerenge Bab al-Mandab zu verhindern, um die Exporte des Königreichs nach Asien zu erschweren.