Die Holding Graz beendet ab der Saison 2027/28 das Sponsoring der Profimannschaften von SK Sturm Graz, GAK und den Graz99ers, um angesichts einer angespannten Haushaltslage Millionenbeträge im städtischen Haushalt einzusparen und den Breitensport zu stärken.
Die Pläne der Holding Graz haben im steirischen Profisport heftige Reaktionen ausgelöst. Das städtische Tochterunternehmen, das nahezu vollständig im Eigentum der Stadt Graz steht, plant ab dem Sommer 2027 die Unterstützung der drei großen Grazer Profivereine einzustellen. Betroffen sind der Fußball-Bundesligist SK Sturm Graz, der Grazer AK sowie der Eishockey-Meister Graz99ers. Laut Medienberichten verliert der SK Sturm durch diesen Schritt rund 500.000 Euro an jährlichen Sponsoringeinnahmen. Beim GAK belaufen sich die wegfallenden Mittel demnach auf etwa 300.000 Euro, während die Graz99ers rund 200.000 Euro einbüßen.
Proteste in Bournemouth und im Eishockey-Alltag
Die betroffenen Vereine reagierten unmittelbar mit sichtbaren Protestaktionen auf die Kürzungspläne. Der SK Sturm Graz sorgte vor seinem Europa-League-Auswärtsspiel gegen den AFC Bournemouth für Aufsehen, indem die Spieler beim Einlaufen den Schriftzug Graz
auf ihren Aufwärmjacken und im Vereinswappen überklebten. Sturm-Präsident Christian Jauk fand nach der Partie deutliche Worte der Enttäuschung über das Vorgehen der Kommunalpolitik. Die Heimatstadt habe den Verein im Stich gelassen, so Jauk, der zudem betonte, dass der Klub weit mehr in die Stadtkassen einzahle, als er an Förderungen zurückerhalte.
Das ist ein rabenschwarzer Tag für die ehemalige Sport-Hauptstadt Graz. Darüber kann auch der plumpe Versuch, öffentlichkeitswirksam und mit Almosen die medien- und PR-relevanten Bereiche Para-Sport, Frauen-Eishockey und die Eishockey-Akademie in den Fokus zu rücken, nicht hinwegtäuschen.
Bernd Vollmann, General Manager der Graz99ers
Ähnlich scharf fiel die Kritik im Eishockeylager aus. Die Moser Medical Graz99ers entfernten den Namen der Landeshauptstadt vorübergehend aus ihren Logos, Trikots und Schriftzügen. General Manager Bernd Vollmann kritisierte den Zeitpunkt der Entscheidung, die den Eishockey-Meister mitten in der Champions Hockey League in Norwegen erreichte.

Das städtische Sparpaket und die Einordnung im Bundesligavergleich
Hintergrund der Einschnitte ist die angespannte Finanzlage der Stadt Graz, die eine umfassende Budgetkonsolidierung erfordert. Die Holding Graz verwies zudem auf eine konkrete Empfehlung des Rechnungshofs, die Ausgaben im Sponsoringbereich deutlich zu reduzieren. Vor die Wahl gestellt, mehr als 20 Breiten- und Jugendsportvereine aufzugeben oder das Sponsoring der drei Profiteams zu beenden, habe sich das Unternehmen für den Breitensport, den Jugendsport, den Frauensport und die Inklusion entschieden. Bis zum Sommer 2027 werden alle bestehenden Verträge ordnungsgemäß erfüllt.
Daten aus der RTR-Datenbank für öffentliche Zahlungen, die vom KURIER und von Ligaportal zusammengetragen wurden, beleuchten das finanzielle Umfeld der österreichischen Bundesligaklubs. Demnach erhielt der SK Sturm Graz in der Saison 2025/26 fast 475.000 Euro von der Holding Graz, während der GAK rund 290.000 Euro lukrierte; von der Energie Steiermark flossen jeweils etwa doppelte Summen. Mit insgesamt 1.67 Millionen Euro belegte Sturm in der steirischen und bundesweiten Betrachtung den fünften Platz in der öffentlichen Geld-Tabelle, während der GAK auf 880.000 Euro kam. Im Vergleich dazu führen andere Bundesländer ihre Klubs ungleich stärker: Der LASK verzeichnete Zuwendungen von 5,23 Millionen Euro aus Stadt- und Landesgesellschaften.
𝗞𝗹𝘂𝗯-𝗦𝘁𝗮𝘁𝗲𝗺𝗲𝗻𝘁: Kein Sport-Sponsoring, kein Respekt, keine Wertschätzung.Der SK Puntigamer Sturm Graz repräsentiert #Graz in Europa. Die angekündigten Kürzungen der Holding Graz sind daher ein verheerendes Signal für den gesamten Sportstandort. Hier in Bournemouth… pic.twitter.com/0UKnJdnI2l
— https://x.com/SKSturm/status/2110795085612720247
Reaktionen des GAK und offene Fragen für den Standort
Der Grazer AK zeigte sich vor allem über die Art und Weise der Kommunikation tief getroffen. Der Verein erklärte in einer offiziellen Stellungnahme, dass man von den Schritten nicht in einem persönlichen Gespräch, sondern aus den Medien erfahren habe. Durch diese Art der Übermittlung sei das Vertrauen massiv erschüttert worden. Zudem widersprach der GAK den Darstellungen, wonach der Nachwuchs- und Frauenbereich von den Kürzungen verschont bleiben solle: Auch dort seien Einschnitte geplant.
Partnerschaft sieht anders aus.
Grazer AK, Offizielle Stellungnahme
In der kommenden Woche ist ein Gipfel zwischen den Klub-Präsidenten Christian Jauk, Rene Ziesler, Herbert Jerich und Vertretern der Stadt Graz geplant, bei dem über die künftige Ausrichtung des Sportstandortes beraten werden soll.
