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Unternehmen

Gilbert Bigio, Haitis erst er Milliardär und Industrieller, starb

Gilbert Bigio, Haitis erster Milliardär und Industrieller, dessen Konglomerat Stahl, Energie und Schifffahrt umfasste, starb am 29. September im Alter von 91 Jahren in Florida. Sein Tod erfolgt nach jahrzehntelangem enormen wirtschaftlichen Einfluss und kanadischen Sanktionen aus dem Jahr 2022, die seinen Status als Wirtschaftselite mit bewaffneten kriminellen Banden in Verbindung brachten.

Vom Baumwollexport zum Mischkonzern in Port-au-Prince

Gilbert Bigio wurde am 10. Juni 1935 in Port-au-Prince geboren. Seine Vorfahren, syrische Sephardim-Juden, waren im späten 19. Jahrhundert nach Haiti eingewandert und hatten ein Vermögen im Export von Baumwolle, Kakao und Holz aufgebaut. Im Jahr 1972 gründete Bigio gemeinsam mit anderen Investoren die Aciérie d’Haïti, die erste Stahlfabrik des Landes, die als Fundament für seine diversifizierte Unternehmensgruppe diente. Aus dieser Keimzelle wuchs die unter dem Namen GB Group bekannte und später in BGO umbenannte Holding heran.

Gilbert Bigio, Haitis reichster Wirtschaftsmagnat, stirbt mit 91 Jahren.

Die Geschäfte des Konglomerats durchdrangen die haitianische Wirtschaft in nahezu allen Bereichen. BGO versorgte die Bevölkerung mit Speiseöl und Seife, produzierte Stahl für das Bauwesen und betrieb mit dem Port Lafito den ersten Tiefwasser-Containerterminal des Landes, der im Jahr 2015 eröffnet wurde. In der Blütezeit seines Einflusses beschäftigte die Gruppe nach Angaben eines Nachrufs mehr als 2.000 Mitarbeiter, während die Unternehmenswebsite die heutige Belegschaft mit über 5.000 Beschäftigten in 13 Unternehmen und sechs Branchen beziffert. Darüber hinaus expandierte das Unternehmen regional und betrieb Tankstellen in Jamaika und in der Dominikanischen Republik.

Kanadische Sanktionen und die Verflechtung von Wirtschaft und Gangs

Trotz seines wirtschaftlichen Gewichts hielt sich Bigio weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus und gab nur selten Interviews. Im Dezember 2022 änderte sich diese Isolation grundlegend, als die Regierung in Ottawa Sanktionen gegen Bigio und zwei weitere haitianische Geschäftsleute verhängte. Das kanadische Außenministerium begründete den Schritt mit dem Verdacht, dass hochrangige Mitglieder der Wirtschaftselite ihren Status nutzen, um die illegalen Aktivitäten bewaffneter krimineller Banden durch Geldwäsche und Korruption zu schützen und zu ermöglichen.

Gilbert Bigio proudly shows off the country
Foto: miamiherald.com

Kanada hat Grund zu der Annahme, dass diese Personen ihren Status als prominente Mitglieder der Wirtschaftselite in Haiti nutzen, um die illegalen Aktivitäten bewaffneter krimineller Banden zu schützen und zu ermöglichen, unter anderem durch Geldwäsche und andere Akte der Korruption.

Die Kontroversen um Bigios Rolle beleuchten ein tiefergehendes strukturelles Problem des Karibikstaates. Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 und angesichts eines weitgehend kollabierten Staatsapparates kontrollieren kriminelle Banden schätzungsweise 70 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince sowie die wichtigsten Fernstraßen.

Haitis einziger Milliardär ist gestorben. Wer war Gilbert Bigio?

Offshore-Finanzstrukturen und die Kritik der Institutionen

Bigios Name geriet im Laufe der Jahrzehnte mehrfach ins Visier internationaler Ermittler und Berichte. Bereits nach dem Militärputsch des Jahres 1991, der den demokratisch gewählten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide stürzte, fror das US-Finanzministerium laut Berichten Vermögenswerte von Bigio und anderen prominenten Unterstützern des Putsches ein, wobei diese Beschränkungen nach Aristides Rückkehr infolge einer US-Intervention im Jahr 1994 wieder aufgehoben wurden. Im Jahr 2021 rückte der Industrielle erneut in den Fokus, als er in den Pandora Papers auftauchte. Der vom International Consortium of Investigative Journalists verbreitete Datenleck zeigte, dass Bigio mit mindestens einem Dutzend Briefkastengesellschaften verbunden war, die vor allem auf den Bahamas registriert worden waren, während Vermögenswerte in Richtung Miami und die Schweiz verschoben wurden.

Letzte Stationen und familiäres Vermächtnis

Neben seinen unternehmerischen Aktivitäten fungierte Gilbert Bigio über einen Zeitraum von 25 Jahren als israelischer Honorarkonsul in Haiti und pflegte das jüdische Gemeindeleben in dem überwiegend katholischen Land. Er bewahrte die einzige Tora des Landes in seinem Arbeitszimmer auf und betonte in einem Interview mit der Zeitung The Herald im Jahr 2004, sich strikt aus der haitianischen Politik herauszuhalten. Im Jahr 2018 übergab er die Leitung des GB-Konzerns an seinen Sohn Reuven.

Gilbert Bigio verstarb am 29. September in Florida. Er hinterlässt seine Ehefrau Monique, seinen Sohn Reuven sowie seine Töchter Yael und Laurence.

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David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

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