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Herbert Kickl weist Bezeichnung der AfD als Schwesterpartei zurück

Im September 2026 wies FPÖ-Chef Herbert Kickl in einem ORF-Sommergespräch die Bezeichnung der AfD als Schwesterpartei scharf zurück.

Die engen Bande schienen bisher selbstverständlich. Wenn die FPÖ im Sommer am Wiener Stephansplatz ihr 70-jähriges Bestehen feiert, stehen Vertreter Seite an Seite; man gratuliert einander zu Wahlerfolgen wie jüngst in Sachsen-Anhalt. Im Rahmen eines ORF-Sommergespräch reagierte Parteichef Herbert Kickl auf die Einordnung als Schwesterpartei fast ungehalten und forderte Aufklärung darüber, wer in diesem Fall die gemeinsamen Eltern sein sollten.

Inhaltliche Gräben und unterschiedliche Wahlprogramme in Deutschland

Hinter der demonstrativen Distanzierung stecken tiefgreifende inhaltliche Differenzen. Zwar betonte Kickl im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass es durchaus programmatische Berührungspunkte bei der restriktiven Asyl- und Zuwanderungspolitik sowie bei der Kritik an einer drohenden Deindustrialisierung durch die EU-Klima- und Energiepolitik gebe. In anderen zentralen Fragen herrscht jedoch offene Uneinigkeit.

Als wesentliches Trennungsmerkmal nennt das Parteiumfeld die AfD in Sachsen-Anhalt selbst. Deren dortiges Wahlprogramm sehe Vorhaben vor, die den Freiheitlichen schlicht zu extrem seien und nicht in das Konzept der von Kickl geprägten Volkskanzlerschaft passen. Auch in der Frage der Kernkraft oder bezüglich eines von radikalen Kräften geforderten österreichischen EU- und Währungsunionsaustritts gehen die Ansichten auseinander. Bezüglich eines EU-Austritts winkte der ehemalige EU-Abgeordnete Andreas Mölzer ab: Ein solcher Schritt kommt für die FPÖ keineswegs infrage; wenn überhaupt, handle es sich um Stiefschwestern.

Historisches Fundament und die isolationistische ESN-Fraktion im EU-Parlament

Ein weiterer schwerwiegender Grund für die aufkommende Distanz liegt auf europäischer Ebene. Während die FPÖ auf eine jahrzehntelange Geschichte mit Wurzeln bis in die Ära von Jörg Haider zurückblickt und bereits dreimal an Bundesregierungen beteiligt war (1983–1987, 2000–2005 sowie 2017–2019), wurde die AfD erst 2013 gegründet und blickt auf eine völlig andere Entwicklung zurück. Im EU-Parlament ist die AfD nach den Wahlen 2024 in das Europäische Souveränitätsnetzwerk (ESN) gewechselt – ein loses Bündnis von Kleinstparteien, das nach Berichten über europafeindliche Tendenzen, Antisemitismus und nationalsozialistisches Gedankengut ins Visier von EU-Aufsichtsbehörden geraten ist.

Schwere Skandale belasten die deutsche Partei weiterhin. Der frühere EU-Fraktionschef Maximilian Krah musste die Fraktion verlassen, nachdem er die SS verteidigt hatte und im Zuge von Ermittlungen der Verdacht auf Millionenflüsse aus China aufkam, während ein enger Mitarbeiter wegen Spionage festgenommen wurde. Auch Berichte über unklare Russland-Verbindungen anderer Abgeordneter erschwerten die Lage. Angesichts dieser Altlasten wollten die etablierteren Patrioten für Europa, in denen die FPÖ eine treibende Kraft darstellt, das Risiko einer Zusammenarbeit mit den deutschen Kollegen im EU-Parlament nicht eingehen.

Vorsicht bei Europas Rechtspopulisten und das Ringen um bürgerliche Anschlussfähigkeit

Die FPÖ agiert mit ihrer Abgrenzung nicht isoliert in der europäischen Parteienlandschaft. Nach dem jüngsten Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt hielten sich andere prominente Figuren am rechten Rand bemerkenswert zurück. In Frankreich schwiegen sowohl Marine Le Pen als auch Jordan Bardella vom Rassemblement National, und in Italien überließ Regierungschefin Giorgia Meloni das Feld lieber ihrem Vize Matteo Salvini, während sie selbst auf Abstand bedacht blieb. Laut übereinstimmenden Medienberichten bemühen sich verschiedene rechtspopulistische Akteure in Europa darum, Berührungsängste abzubauen und erste informelle Kontakte zur konservativen EVP-Fraktion zu knüpfen, um bei Gesetzgebungsverfahren zu Migration oder Umweltauflagen parlamentarische Mehrheiten zu schmieden.

ORF-SOMMERGESPRÄCH: FPÖ-BUNDESPARTEIOBMANN KICKL
Photo: Kurier

In Österreich selbst betont man daher den Eigenwert der Partei. Der FPÖ-nahe Politikberater Christoph Pöchinger unterstrich auf Anfrage, dass man keinen Vergleich mit der deutschen Partei benötige. Die Freiheitlichen verweisen auf ihre jahrzehntelange institutionelle Präsenz in Bundesspitzenämtern, darunter das Parlament oder der Rechnungshof. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass die strategischen Interessen der nationalen Vaterländer in Europa schwer zu vereinbaren sind, wenn innenpolitischer Erfolg im Nachbarland mit außenpolitischen Risiken auf EU-Ebene erkauft wird.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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