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Heikle Gemeindeversammlung: Crans-Montanas Präsident Féraud übersteht Rücktrittsforderungen

Gemeindepräsident Nicolas Féraud überstand am Dienstag in Crans-Montana die erste Gemeindeversammlung seit der Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation. Trotz Forderungen nach seinem Rücktritt und einem laufenden Strafverfahren gegen ihn sowie 13 weitere Beschuldigte blieb Féraud im Amt, entschuldigte sich jedoch öffentlich bei den Familien der 41 Todesopfer.

Die Stimmung in der Mehrzweckhalle Les Martelles war am Dienstagabend zwischen unterdrückter Wut und resignierter Ruhe gespalten. Fast 400 Bürger — laut SRF waren es exakt 378 — versammelten sich, um Antworten auf die Ereignisse der Silvesternacht zu erhalten. Es war das erste Mal seit dem Unglück, dass die Gemeindeführung dem Zorn und den Fragen der Bevölkerung direkt gegenüberstand. Féraud eröffnete die Sitzung mit einer Schweigeminute für die 41 Toten und 115 Verletzten. Er kämpfte sichtlich mit den Tränen und bat die Anwesenden um Verzeihung für den unermesslichen Schmerz der Betroffenen. Dennoch blieb die Versammlung ein politisches Minenfeld.

Rücktrittsforderungen und Vorwürfe des Interessenkonflikts

Der Kern der Kritik entzündete sich an der aktuellen personellen Besetzung der Gemeindeverwaltung. Ein Bürger thematisierte vor der Versammlung einen massiven potenziellen Interessenkonflikt: Dieselben Personen, die derzeit im Strafverfahren der Staatsanwaltschaft ihre persönliche Unschuld verteidigen müssen, seien gleichzeitig für das Gemeinwohl verantwortlich. Wie die NZZ berichtet, wurde argumentiert, dass diese Konstellation der umfassenden Suche nach der Wahrheit widerspreche. Die Forderung nach dem Rücktritt von Nicolas Féraud wurde im Saal mehrfach laut geäußert und mit Applaus unterstützt. Féraud lehnte diese Forderungen jedoch umgehend ab. Die politische Zerreißprobe wurde durch die lokale Mitte-Partei verschärft. Die Präsidentin der Sektion, Céline Duc, hinterfragte öffentlich, ob das Kollegium überhaupt noch über die notwendigen psychischen, emotionalen und physischen Ressourcen verfüge, um die Pflichten des Amtes vollumfänglich zu erfüllen.

Die strafrechtliche Lage der Gemeindeführung

Die strafrechtliche Lage der Gemeindeführung
Photo: Watson
Die juristische Belastung der Führungsebene ist beispiellos. Insgesamt 14 Personen sind in das Strafverfahren verwickelt. Neben Gemeindepräsident Féraud ist auch der für die Sicherheit zuständige Gemeinderat Patrick Clivaz beschuldigt. Die Vorwürfe gegen die Beschuldigten wiegen schwer:
  • Fahrlässige Tötung
  • Fahrlässige Körperverletzung
  • Fahrlässiges Verursachen einer Feuersbrunst
  • Zusätzlich gegen die Barbetreiberin Jessica Moretti: Urkundenfälschung
Während die Verteidigung der Beschuldigten läuft, fordern Kritiker wie der Unternehmer Patrick Saegesser mehr Transparenz. Er kritisierte gegenüber 20 Minuten, dass man nach über 160 Tagen immer noch nicht wisse, wie die Sicherheitslücken entstehen konnten und welche konkreten Maßnahmen eine Wiederholung verhindern sollen.

Sicherheitskontrollen und finanzielle Garantien

Sicherheitskontrollen und finanzielle Garantien
Photo: 20 Minuten
Um die Handlungsfähigkeit der Gemeinde zu demonstrieren, präsentierte der Krisenstab unter Sébastien Rey einen Plan zur Sicherheitssteigerung. Patrick Clivaz versprach, dass bis Ende des Jahres sämtliche öffentlichen Einrichtungen der Gemeinde kontrolliert werden. Der aktuelle Stand der Maßnahmen:
Maßnahme Status / Detail
Öffentliche Betriebe 56 Kontrollen bereits durchgeführt
Gesamtprüfung Abschluss bis Ende 2026 geplant
Gedenken Offizielle Gedenkfeier am 1. Januar 2027
Bundeszusammenarbeit Teilnahme an einem vom Bund eingerichteten Runden Tisch
Ein zentraler Punkt der Versammlung war die Sorge der Bürger vor finanziellen Konsequenzen. Viele befürchteten steigende Steuern aufgrund der Tragödie oder eine verschärfte Kontrolle durch den Kanton. Laut Watson stellte Féraud klar, dass die finanzielle Zukunft der Gemeinde für die nächsten 10 bis 15 Jahre gesichert sei und keine Steuererhöhungen geplant seien.

Der Protest der Hinterbliebenen vor der Versammlung

Während in der Halle über Finanzen und Paragrafen diskutiert wurde, fand vor dem Gebäude ein emotionaler Protest statt. Laetitia Brodard-Sitra und Vinciane Stucky, Mütter von zwei verstorbenen Söhnen, hängten Fotos der Opfer an die Tür der Bar Le Constellation und an die Gitter der Mehrzweckhalle. Ihr Ziel war es, der Tragödie ein Gesicht zu geben und die Entmenschlichung der Geschichte zu stoppen. Als die Bürger die Versammlung verließen, riefen sie den Anwesenden entgegen: Schaut unsere Kinder an. Sie beissen nicht, sie sind tot. Laetitia Brodard-Sitra, Mutter eines Opfers Die Reaktion der Bürger fiel verhalten aus; viele senkten den Blick oder beschleunigten ihren Schritt. In der Versammlung selbst verließ Brodard-Sitra den Saal, als Féraud über das Ziel sprach, Crans-Montana zu einer leistungsfähigeren und widerstandsfähigeren Gemeinde zu machen. Die Versammlung hinterlässt ein zutiefst gespaltenes Bild. Während ein Teil der Bevölkerung die Unterstützung für den Gemeinderat bekundet, bleibt für die Opferfamilien und die strafrechtlich Verfolgten eine Atmosphäre des Misstrauens. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die versprochenen Sicherheitskontrollen und die Teilnahme am Runden Tisch ausreichen, um das Vertrauen in die lokale Führung wiederherzustellen, oder ob der Druck auf Nicolas Féraud weiter wächst.

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Der Protest der Hinterbliebenen vor der Versammlung
Photo: SRF
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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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