Gemeindepräsident Nicolas Féraud überstand am Dienstag in Crans-Montana die erste Gemeindeversammlung seit der Brandkatastrophe in der Bar Le Constellation. Trotz Forderungen nach seinem Rücktritt und einem laufenden Strafverfahren gegen ihn sowie 13 weitere Beschuldigte blieb Féraud im Amt, entschuldigte sich jedoch öffentlich bei den Familien der 41 Todesopfer.
Rücktrittsforderungen und Vorwürfe des Interessenkonflikts
Der Kern der Kritik entzündete sich an der aktuellen personellen Besetzung der Gemeindeverwaltung. Ein Bürger thematisierte vor der Versammlung einen massiven potenziellen Interessenkonflikt: Dieselben Personen, die derzeit im Strafverfahren der Staatsanwaltschaft ihre persönliche Unschuld verteidigen müssen, seien gleichzeitig für das Gemeinwohl verantwortlich. Wie die NZZ berichtet, wurde argumentiert, dass diese Konstellation der umfassenden Suche nach der Wahrheit widerspreche. Die Forderung nach dem Rücktritt von Nicolas Féraud wurde im Saal mehrfach laut geäußert und mit Applaus unterstützt. Féraud lehnte diese Forderungen jedoch umgehend ab. Die politische Zerreißprobe wurde durch die lokale Mitte-Partei verschärft. Die Präsidentin der Sektion, Céline Duc, hinterfragte öffentlich, ob das Kollegium überhaupt noch über die notwendigen psychischen, emotionalen und physischen Ressourcen verfüge, um die Pflichten des Amtes vollumfänglich zu erfüllen.Die strafrechtliche Lage der Gemeindeführung
- Fahrlässige Tötung
- Fahrlässige Körperverletzung
- Fahrlässiges Verursachen einer Feuersbrunst
- Zusätzlich gegen die Barbetreiberin Jessica Moretti: Urkundenfälschung
Sicherheitskontrollen und finanzielle Garantien

| Maßnahme | Status / Detail |
|---|---|
| Öffentliche Betriebe | 56 Kontrollen bereits durchgeführt |
| Gesamtprüfung | Abschluss bis Ende 2026 geplant |
| Gedenken | Offizielle Gedenkfeier am 1. Januar 2027 |
| Bundeszusammenarbeit | Teilnahme an einem vom Bund eingerichteten Runden Tisch |
Der Protest der Hinterbliebenen vor der Versammlung
Während in der Halle über Finanzen und Paragrafen diskutiert wurde, fand vor dem Gebäude ein emotionaler Protest statt. Laetitia Brodard-Sitra und Vinciane Stucky, Mütter von zwei verstorbenen Söhnen, hängten Fotos der Opfer an die Tür der Bar Le Constellation und an die Gitter der Mehrzweckhalle. Ihr Ziel war es, der Tragödie ein Gesicht zu geben und die Entmenschlichung der Geschichte zu stoppen. Als die Bürger die Versammlung verließen, riefen sie den Anwesenden entgegen: Schaut unsere Kinder an. Sie beissen nicht, sie sind tot. Laetitia Brodard-Sitra, Mutter eines Opfers Die Reaktion der Bürger fiel verhalten aus; viele senkten den Blick oder beschleunigten ihren Schritt. In der Versammlung selbst verließ Brodard-Sitra den Saal, als Féraud über das Ziel sprach, Crans-Montana zu einer leistungsfähigeren und widerstandsfähigeren Gemeinde zu machen. Die Versammlung hinterlässt ein zutiefst gespaltenes Bild. Während ein Teil der Bevölkerung die Unterstützung für den Gemeinderat bekundet, bleibt für die Opferfamilien und die strafrechtlich Verfolgten eine Atmosphäre des Misstrauens. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die versprochenen Sicherheitskontrollen und die Teilnahme am Runden Tisch ausreichen, um das Vertrauen in die lokale Führung wiederherzustellen, oder ob der Druck auf Nicolas Féraud weiter wächst.Find more reporting in our Nachrichten section.
