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Gesundheit

BioNTech bringt mRNA gegen Tuberkulose in Stellung

BioNTech weitet seine mRNA-Technologie auf die Bekämpfung von Tuberkulose und Lungenkrebs aus und baut Produktionsstätten in Ruanda auf. Während ein neuer Tuberkulose-Kandidat acht Proteine gleichzeitig anspricht, wird der Lungenkrebs-Impfstoff BNT116 bereits in klinischen Studien getestet. In Kigali sollen sogenannte BioNTainer die lokale Impfstoffproduktion in Afrika ermöglichen.

Der neue mRNA-Ansatz gegen Tuberkulose

Die Bekämpfung der Tuberkulose steht vor einem technologischen Wechsel. Ein mRNA-Impfstoff gegen Tuberkulose unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Ansätzen, da er nicht auf ein einzelnes Antigen setzt. Stattdessen kodieren die Kandidaten für acht verschiedene Proteine von Mycobacterium tuberculosis, die aus unterschiedlichen Stadien der Infektion stammen.

Dieses Vorgehen zielt auf einen breiteren Immunschutz ab. In Mausmodellen lösten die Vakzine starke CD4- und CD8-T-Zellantworten gegen alle acht Zielantigene aus. Besonders die CD8-T-Zellantworten sind ein entscheidender Fortschritt, da diese mit dem traditionellen BCG-Impfstoff bislang nur begrenzt erreicht werden konnten.

Der Bedarf an einer effizienteren Lösung ist hoch. Im Jahr 2024 starben weltweit rund 1,23 Millionen Menschen an Tuberkulose, so die Angaben der Autoren der Studie. Während der BCG-Impfstoff Säuglinge vor schweren Verläufen schützt, bietet er Jugendlichen und Erwachsenen kaum Schutz gegen die pulmonale Tuberkulose, die für die meisten Übertragungen verantwortlich ist.

In Infektionsversuchen mit zwei Tuberkulose-Stämmen konnte die bakterielle Belastung der Lunge signifikant reduziert werden. Toxizitätsstudien an Ratten zeigten zudem ein günstiges Sicherheitsprofil.

BNT116: Therapeutische Impfung bei Lungenkrebs

Parallel zur Infektionsforschung treibt BioNTech die Onkologie voran. Der Impfstoff BNT116 ist für die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses (NSCLC) vorgesehen, der die häufigste Form dieser Erkrankung darstellt.

BNT116: Therapeutische Impfung bei Lungenkrebs
Photo: tagesschau.de

Im Gegensatz zur präventiven Wirkung von Corona-Impfstoffen handelt es sich hier um eine therapeutische Impfung. Das bedeutet, dass sie bereits erkrankten Patienten verabreicht wird, um das Immunsystem zu aktivieren und Krebszellen zu zerstören, die nach Operationen oder Strahlentherapien erneut auftreten könnten.

Die Herausforderung liegt in der Individualisierung: Für jeden Patienten muss ein spezifischer Impfstoff hergestellt werden, der auf den Bauplan der Proteine des jeweiligen Tumors zugeschnitten ist.

Die WHO prognostiziert bis zum Jahr 2050 einen Anstieg der weltweiten Krebserkrankungen um bis zu 77 Prozent. Als Hauptursachen werden Rauchen, Alkoholkonsum, Fettleibigkeit und Luftverschmutzung genannt. Lungenkrebs verursacht dabei mehr Todesfälle als jede andere Krebsart.

Aktuell befinden sich etwa 130 Patienten in der ersten Testphase, um Verträglichkeit und Dosierung zu prüfen.

For more on this story, see Krebs: Durchbruch in der Forschung – Neue Ergebnisse im Kampf gegen Krebs-Rückfälle.

  • Institut für Klinische Krebsforschung (IKF) in Frankfurt
  • Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz
  • Universitätsklinikum Köln

BioNTainer: Lokale Produktion in Kigali

Um den Zugang zu mRNA-Therapien global zu verbessern, baut BioNTech eine Produktionsinfrastruktur in Afrika auf. Das Zentrum bildet die Anlage in Kigali, Ruanda, wo sogenannte BioNTainer zum Einsatz kommen.

Entwicklung von mRNA-Therapie gegen Krebs

Diese Container fungieren als Herzstück der Anlage und ermöglichen die direkte Produktion von Impfstoffen vor Ort. In Kigali ist zunächst die Herstellung von jährlich etwa 50 Millionen Dosen des Covid-19-Impfstoffs geplant, wobei die Kapazität langfristig verdoppelt werden soll. Über Ruanda hinaus sind weitere Standorte in Senegal und potenziell in Südafrika vorgesehen.

Die strategische Bedeutung dieser Anlagen geht über Covid-19 hinaus. BioNTech bereitet klinische Studien für mRNA-Vakzine gegen Tuberkulose und Malaria vor, die künftig ebenfalls in diesen Anlagen produziert werden könnten. Der Start dieser Studien war für das Ende des vierten Quartals 2023 oder das erste Quartal 2024 angesetzt.

Mit dem Produktionsstart im Jahr 2024 sollte in Kigali zudem die Schaffung von rund 100 Arbeitsplätzen einhergehen.

Strategische Erweiterung der mRNA-Plattform

Die aktuellen Entwicklungen markieren einen Wendepunkt in der Nutzung der mRNA-Technologie. Während sich frühe Programme oft auf einzelne Zielantigene konzentrierten, beweist die Arbeit an der Tuberkulose-Vakzine, dass hochkomplexe Multiantigen-Impfstoffe realisierbar sind.

Strategische Erweiterung der mRNA-Plattform
Photo: apotheke-adhoc.de

In seinem Onkologie-Portfolio verfolgt das Unternehmen eine kombinierte Strategie.

Modalität Zielsetzung
mRNA-Krebsimmuntherapien Präzise Aktivierung des Immunsystems gegen Tumorzellen
Immunmodulatoren der nächsten Generation Steuerung der Immunantwort im Tumorumfeld
Gezielte Therapien Direkte Bekämpfung spezifischer Krebszellmechanismen

Die Integration dieser Ansätze soll den Weg von der adjuvanten Behandlung nach einer Operation bis hin zu fortgeschrittenen metastasierenden Krebserkrankungen ebnen.

Die entscheidende Hürde bleibt die Überführung der präklinischen Erfolge in die klinische Praxis. Während die Mausmodelle bei Tuberkulose vielversprechend waren, müssen die laufenden Studien am Menschen bestätigen, ob die Multiantigen-Strategie tatsächlich die Lücke schließt, die der BCG-Impfstoff bei Erwachsenen hinterlässt.

Bitte konsultieren Sie Ihren Arzt oder Gesundheitsdienstleister für medizinische Beratung.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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