Zum Inhalt springen
Technik und Wissenschaft

Harmattan AI expandiert in die Schweiz und lockt Ingenieure mit Top-Löhnen

Das französische Rüstungs-Start-up Harmattan AI expandiert mit Standorten in Zürich und Lausanne in die Schweiz und sucht dort zahlreiche Fachkräfte für autonome Drohnentechnik. Für leitende Positionen wie im Bereich Guidance & Control werden Jahreslöhne von bis zu 240.000 Franken geboten, während das Unternehmen weltweit mit 1,4 Milliarden Dollar bewertet wird.

Das im Januar 2024 gegründete Unternehmen entwickelt autonome Systeme für militärische Zwecke, darunter Aufklärungs- und Angriffsdrohnen, Drohnenabwehr sowie elektronische Kampfführung. Gesucht werden Fachkräfte für Hard- und Softwareentwicklung, Künstliche Intelligenz, Flugsteuerung und Bildauswertung.

Millionenfinanzierung für französische Rüstungsfirma

Harmattan AI gehört zu den am schnellsten wachsenden europäischen Rüstungsunternehmen. Im Januar nahm die Firma 200 Millionen Dollar von Investoren ein, angeführt von Dassault Aviation, dem Hersteller des Rafale-Kampfjets. Durch die Finanzierungsrunde stieg die Bewertung des Start-ups auf 1,4 Milliarden Dollar. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zeigte sich auf LinkedIn erfreut über den Erfolg der Finanzierung. Zu konkreten Personalplänen oder der genauen Anzahl der Beschäftigten in Zürich und Lausanne äußerte sich das Unternehmen jedoch nicht.

Hohe Gehälter für Zürcher Ingenieure

Allein das Stellenportal Jobsswitzerland.ch listet rund 40 offene Stellen des Unternehmens in Zürich und Lausanne. Während Harmattan für eine leitende Stelle im Bereich «Guidance & Control» keine eigene Gehaltsangabe veröffentlicht, nennt ein Jobportal eine Lohnspanne von 180.000 bis 240.000 Franken jährlich. Stellenbeschreibungen verdeutlichen, dass es dabei unter anderem um die Planung von Flugbewegungen und die Kontrolle des Fluggeräts geht.

Sprecher Lucas Person betonte, dass die Schweizer Standorte hauptsächlich Hardware entwickeln. Gleichzeitig zeigen Inserate auch einen Bedarf an Software, KI und autonomen Flugfunktionen wie Computer Vision. Ein Beispiel dafür ist die Barkhan-Drohne, die für autonome Präzisionsangriffe konzipiert ist. Laut Angaben des Start-ups gibt es trotz der Präsenz in der Schweiz keine institutionelle Zusammenarbeit mit Schweizer Hochschulen oder Partnerschaften mit einheimischen Unternehmen.

Sicherheitsexperte warnt vor autonomer Kriegführung

Die starke Forschung und die hervorragend ausgebildeten Ingenieure an Institutionen wie der ETH Zürich und der EPFL gaben laut dem Unternehmen den Ausschlag für den Standort Schweiz. Jean-Marc Rickli, Leiter des Bereichs Globale und neu auftretende Risiken am Zentrum für Sicherheitspolitik (GCSP) in Genf, weist im Zusammenhang mit solchen Technologien auf grundlegende Kontrollfragen hin.

Algorithmen können große Mengen an Sensordaten auswerten, Gegenstände erkennen oder mögliche Ziele vorschlagen, während der Mensch eine Empfehlung erhält und über den Angriff entscheidet. Harmattan setzt bei seinen Systemen auf einen Ansatz namens «Coordinated saturation at the edge», bei dem gegnerische Abwehren durch eine überzählige Anzahl an Drohnen überfordert werden sollen.

Entscheidend ist nicht nur, ob am Ende noch ein Mensch eine Freigabe erteilt. Die Frage ist, wie viel tatsächliche Kontrolle dieser Mensch noch hat.

Jean-Marc Rickli, Zentrum für Sicherheitspolitik in Genf

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.