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Handel-KV: Gewerkschaft GPA fordert 3,8 Prozent mehr Gehalt

Am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026, haben in Wien die Kollektivvertragsverhandlungen für rund 420.000 Angestellte und 19.000 Lehrlinge im Handel begonnen. Die Gewerkschaft GPA fordert ein Gehaltsplus von 3,8 Prozent, um die rollierende Inflation von 3,3 Prozent abzudecken und drei Jahre Reallohnverlust auszugleichen.

Die diesjährigen Verhandlungen im Handel starten unter besonderen wirtschaftlichen Vorzeichen. Die Arbeitnehmervertreter der Gewerkschaft GPA übergaben in der Wirtschaftskammer in Wien ihre Forderungen an die Arbeitgeberseite der Wirtschaftskammer. Die Kernforderung beläuft sich auf ein Gehaltsplus von 3,8 Prozent.

Im Vorfeld hatte die GPA die konkrete Zahl nicht publik gemacht. Es hieß lediglich, dass die rollierende Teuerung der vergangenen zwölf Monate zwingend abgedeckt werden müsse. Dieser Wert liegt aktuell bei 3,3 Prozent. Die vergangenen drei KV-Abschlüsse blieben jeweils unter dieser Teuerungsrate, was im Handel zu spürbaren Reallohnverlusten führte.

Einkommen, Teilzeitquote und die Argumente der Gewerkschaft

Der aktuelle Mindestlohn im Verkauf liegt bei 2.251 Euro brutto pro Monat. Das durchschnittliche Vollzeitgehalt im Handel beträgt 2.586 Euro brutto, was einer Nettosumme von 1.949 Euro bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 38,5 Stunden entspricht. Bei einer Teilzeitbeschäftigung von 25 Stunden sinkt das Nettoeinstiegsgehalt auf 1.237 Euro.

Die Struktur des Sektors ist stark von Teilzeitarbeit und Frauenbeschäftigung geprägt. Mehr als jede und jeder zweite Beschäftigte arbeitet nicht in Vollzeit. Zwei von drei Beschäftigten im Handel sind Frauen, im Einzelhandel beläuft sich ihr Anteil auf fast drei Viertel.

Die GPA begründet ihre Forderung auch mit der wirtschaftlichen Lage der Unternehmen. Die Branche verzeichnete laut der neuen GPA-Chefverhandlerin Linda Keizer im Jahr 2025 einen Anstieg des ordentlichen Betriebserfolges um durchschnittlich 7,8 Prozent. Die Gewinnausschüttungen liegen demnach bei rund einer Milliarde Euro, während gleichzeitig der Anteil der an die Eigentümer fließenden Gewinne steigt und die Kaufkraft der Beschäftigten sinkt.

Ausgangslage im Vergleich zur Metallindustrie

Im Vorjahr hatten sich die Sozialpartner überraschend schnell in der dritten Verhandlungsrunde auf einen neuen Kollektivvertrag geeinigt. Die Mindestgehälter stiegen damals per 1. Jänner um 2,55 Prozent, basierend auf einer Jahresinflation von drei Prozent.

Üblicherweise eröffnet die Metallindustrie die herbstliche Lohnrunde. Nach einem im Vorjahr vereinbarten Zweijahresabschluss entfällt dieses Feilschen heuer jedoch. Ab dem 1. November steigen in der Metallindustrie die Ist-Löhne und Gehälter um 1,9 Prozent sowie die Mindestentgelte um 2,1 Prozent, was ebenfalls deutlich unter der aktuellen Teuerungsrate liegt.

Neben dem Handel befinden sich weitere große Branchen bereits in der Herbstlohnrunde, darunter die Bahnen, der IT-Sektor und die A1 Telekom Austria. Eine Bezahlung unter dem jeweiligen Kollektivvertrag ist unzulässig; der KV erstreckt sich bindend auch auf den Leiharbeitssektor.

Wirtschaftsprognosen von WIFO und IHS

Die Verhandlungen finden vor dem Hintergrund einer durchwachsenen konjunkturellen Herbstprognose statt, die die beiden großen Wirtschaftsforschungsinstitute WIFO und IHS kürzlich präsentierten. Für 2026 wird ein Wirtschaftswachstum zwischen 0,8 und 0,9 Prozent erwartet, für das kommende Jahr 2027 prognostizieren die Institute einen Wert zwischen 1,0 und 1,3 Prozent. Die Teuerung wird für das laufende Jahr vom WIFO mit 3,3 Prozent und vom IHS mit 3,1 Prozent veranschlagt, ehe sie 2027 auf 2,6 beziehungsweise 2,8 Prozent sinken soll.

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Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

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