Die Gürtelrose-Impfung schützt nicht nur vor schmerzhaften Hautausschlägen, sondern steht auch im Fokus einer aktuellen Debatte: Könnte sie möglicherweise das Risiko für Demenz senken? Während die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Herpes Zoster seit Jahren für alle ab 60 Jahren empfiehlt, bleibt die Frage nach einem Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen umstritten. Aktuelle Daten zeigen zwar keine direkte wissenschaftliche Evidenz für einen solchen Schutz, doch Experten warnen vor den langfristigen Folgen einer unterschätzten Gürtelrose – und betonen die dringende Notwendigkeit, die Impfquote zu erhöhen.
Warum die Gürtelrose-Impfung heute dringender ist als je zuvor
Die Gürtelrose, ausgelöst durch die Reaktivierung des Windpocken-Virus, ist eine schmerzhafte Nervenerkrankung, die vor allem Menschen ab 50 Jahren betrifft. Doch während die Symptome – schmerzhafte Hautausschläge, Bläschen und oft anhaltende Nervenschmerzen – bekannt sind, wird das Risiko einer Gürtelrose-Erkrankung nach wie vor unterschätzt. Laut Dr. Jürgen Bludau, Facharzt für Innere Medizin und Leiter einer Klinik für Geriatrie in Heilbronn, erkrankt etwa jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an Gürtelrose. Die Folgen können dramatisch sein: Eine Post-Zoster-Neuralgie, bei der die Schmerzen monate- bis jahrelang anhalten, beeinträchtigt die Lebensqualität massiv. Studien zeigen, dass besonders ältere Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Rheuma ein erhöhtes Risiko tragen.


Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung gegen Herpes Zoster für alle Personen ab 60 Jahren – und für Menschen mit schweren Grunderkrankungen bereits ab 18 Jahren. Dennoch liegt die Impfquote bei nur etwa 6 Prozent der Versicherten ab 60 Jahren, wie die AOK PLUS in ihrem jüngsten Bericht bestätigt. „Viele unterschätzen die möglichen Folgen einer Gürtelrose. Gerade die anhaltenden Nervenschmerzen nach der Erkrankung können den Alltag dauerhaft beeinträchtigen“, betont Arzneimittelexperte Robert Otto von der AOK PLUS. Die Impfung kann das Risiko für Gürtelrose und schwere Verläufe deutlich senken – doch die Nachfrage bleibt weit hinter den Empfehlungen zurück.
Gibt es einen Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Demenz?
Die Frage, ob eine Gürtelrose-Impfung möglicherweise auch vor Demenz schützen könnte, wird in der medizinischen Fachwelt diskutiert – allerdings basiert diese Annahme bisher nicht auf ausreichenden wissenschaftlichen Belegen. Bisher gibt es keine Studien oder offiziellen Stellungnahmen, die einen direkten kausalen Zusammenhang zwischen Gürtelrose und Demenz belegen. Allerdings gibt es Hinweise darauf, dass entzündliche Prozesse im Körper, wie sie bei Gürtelrose auftreten, langfristig das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen könnten. Professor Dr.
Während die Gürtelrose-Impfung primär vor den akuten Symptomen und den langfristigen Schmerzen schützen soll, bleibt die Frage nach einem möglichen Schutz vor Demenz spekulativ. Es gibt keine aktuellen Daten oder Studien, die einen direkten Nutzen der Impfung in diesem Zusammenhang belegen. Dennoch betonen Experten, dass eine starke Immunabwehr – und damit auch eine Vermeidung von Gürtelrose – generell positive Effekte auf die Gesundheit haben kann. „Die Impfung ist ein wichtiger Baustein, um das Risiko für schwere Erkrankungen zu minimieren“, sagt Schelling.
Die Impfquote bleibt ein zentrales Problem
Trotz der klaren Empfehlungen der STIKO und der kostenlosen Verfügbarkeit der Impfung für alle ab 60 Jahren in Österreich bleibt die Impfbereitschaft niedrig. Laut Angelika Reitböck, Fachärztin und Präsidentin des Österreichischen Hausärzteverbandes, gibt es zwar eine wachsende Nachfrage, aber noch immer viele Versorgungslücken. „Die Impfung ist seit wenigen Monaten kostenlos verfügbar, und die Nachfrage steigt – doch viele Menschen wissen einfach nicht, dass sie schützen können“, erklärt Reitböck. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Personen mit geschwächtem Immunsystem, etwa nach Chemotherapie oder in belastenden Lebensphasen.
Die AOK PLUS hat in ihrem Jahresbericht 2024 gezeigt, dass nur etwa 6 Prozent der Versicherten ab 60 Jahren gegen Herpes Zoster geimpft waren. „Die Impfung kann helfen, das Risiko für Gürtelrose und schwere Verläufe deutlich zu senken“, sagt Otto.
„Viele unterschätzen die möglichen Folgen einer Gürtelrose.
Was kommt als Nächstes?
Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Aufklärungskampagnen der Krankenkassen und Ärzteverbände Wirkung zeigen. Besonders wichtig ist es, ältere Menschen und Risikogruppen gezielt anzusprechen und über die Vorteile der Impfung zu informieren. Die Gürtelrose-Impfung ist ein wichtiger Schritt, um schwere Verläufe und langfristige Schmerzen zu vermeiden – auch wenn ein direkter Zusammenhang mit Demenz bisher nicht belegt ist.
Experten wie Schelling und Bludau betonen, dass die Impfung nicht nur vor akuten Schmerzen schützt, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden verbessern kann. „Die Impfung ist ein einfaches und wirksames Mittel, um das Risiko für schwere Erkrankungen zu reduzieren“, sagt Schelling.
Für Menschen ab 60 Jahren und Personen mit Grunderkrankungen ist die Impfung gegen Gürtelrose eine klare Empfehlung – nicht nur, um akute Schmerzen zu vermeiden, sondern auch, um langfristige Folgen zu minimieren. Die Frage nach einem möglichen Schutz vor Demenz bleibt zwar offen, doch die Vorteile der Impfung für die allgemeine Gesundheit sind klar.
Wer unsicher ist, sollte sich von seinem Hausarzt beraten lassen. Die Impfung ist sicher, effektiv und kann lebensverändernde Folgen verhindern.