Die Grippesaison 2026 hat in den Vereinigten Staaten deutlich früher als gewohnt begonnen. Vor allem an der Westküste steigen die Infektionszahlen seit September, während Fachleute und Gesundheitsbehörden nun dringend zur raschen Impfung aufrufen, um schwere Krankheitsverläufe und eine drohende Belastung der Kliniken zu verhindern.
Früherer Start und ungewöhnliches Muster
Normalerweise nimmt die Grippewelle erst im Spätherbst Fahrt auf, doch in diesem Herbst zeigt das Virus einen ungewohnten Zeitplan. Bereits im September 2026 verzeichneten Gesundheitsbehörden in den westlichen Bundesstaaten wie Kalifornien und Washington einen spürbaren Anstieg der Infektionszahlen. Die Grippewelle beginnt üblicherweise im Oktober oder November.
Zudem überrascht das geografische Muster. Influenza breitet sich in den USA historisch gesehen meist aus den südlichen und südöstlichen Regionen nach Norden und Westen aus, was bedeutet, dass die Pazifische Nordwest-Region und die Westküste die Grippe gewöhnlich als Letzte erreichen. In diesem Jahr verhält es sich genau umgekehrt. Bundesstaaten an der Westküste, darunter Hawaii und Alaska, melden die ersten signifikanten Zunahmen, während die Menge der Grippeaktivität in den meisten Teilen des Landes nach Angaben von Caitlin Rivers noch sehr niedrig ist.

Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) erklärten in einem Statement, dass eine Kommunikationsstrategie entwickelt wird, um klare und zugängliche Informationen über die Grippeschutzimpfung und andere kritische Schritte bereitzustellen. Dazu gehören Informationen über Nutzen und Risiken, um eine informierte Entscheidungsfindung zu unterstützen.
Mutationen und Virenstämme untersucht
Hinter der frühen Welle vermuten Fachleute genetische Veränderungen des Erregers. Dr. Alex Greninger, Virologe und Leiter der Infektionskrankheiten-Diagnostik an der University of Washington, verweist darauf, dass eine neue Variante eine Mutation entwickelt hat, die offenbar besser daran angepasst ist, bestehende Immunitäten zu umgehen — insbesondere bei Teenagern. Ärztinnen und Ärzte an der Universität sehen derzeit so viel Influenza wie sonst üblich um Weihnachten herum, und die mutierte Variante scheint häufig zu sein. Dominiert wird das Infektionsgeschehen laut Dr. Andrew Pekosz, Professor an der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore, von einer Aufmerksamkeit aufgrund des H1N1-Stammes, wobei er betont, dass es besonders wichtig ist, das lokale Gesundheitsamt zu beachten.

Parallel dazu analysieren Behörden wie die CDC den Verlauf des neuen Influenza-A-(H3N2)-Virus Subklade J.2.4.1 oder Subklade K, der erstmals im August 2025 nach der Analyse von Daten durch die CDC bemerkt wurde und in diesem Jahr in den aktualisierten Impfstoffen enthalten ist. Dr. Peter Chin-Hong, Experte für Infektionskrankheiten an der UCSF, erklärte, dass die aktuelle Variante H3N2 Subklade K der des Vorjahres ähnelt und in der Impfung enthalten ist, was die Sorge vor einem großen Mismatch verringert. Dr. Sharon Wang, Gesundheitsbeauftragte von San Bernardino County, betonte, dass einfache Schritte wie Impfungen und Tests bei Symptomen die Gemeinschaft gesund halten und besonders Menschen mit höherem Risiko für schwere Infektionen schützen.
Helen Chu, Spezialistin für Atemwegsinfektionen an der University of Washington School of Medicine, riet ebenfalls dazu, sich in diesem Jahr etwas früher impfen zu lassen. Dr. Kaylan Christianer, Hausärztin und Assistenzprofessorin für Medizin am Columbia University Vagelos College of Physicians and Surgeons in New York, stimmte zu und betonte, dass die Zirkulation der Grippe ein ausgezeichnetes Zeichen dafür ist, sich jetzt impfen zu lassen, da die Impfung etwa zwei Wochen benötigt, um vollständig wirksam zu werden. Dr. Andrew Pekosz fügte hinzu, dass die Impfung für jeden ab sechs Monaten empfohlen wird, und merkte an, dass selbst dann, wenn der Impfstoff nicht perfekt zu den zirkulierenden Stämmen passt, ein wichtiger Schutz vor schweren Erkrankungen besteht. Man sollte nicht auf den perfekten Impfstoff warten, da das Wichtigste schlicht die Durchführung der Impfung ist.

Testdaten und Gesundheitsreaktionen
Die regionalen Unterschiede spiegeln sich in den Testpositivraten wider. In der San Francisco Bay Area liegt die Positivrate für Influenza bei rund 9,88 Prozent, verglichen mit 1,80 Prozent und 1,67 Prozent in vergleichbaren Perioden der Jahre 2024 beziehungsweise 2025. Für COVID-19 liegt die Testpositivrate in der Bay Area bei 8,49 Prozent (gegenüber 4,89 Prozent im Jahr 2024 und 7,87 Prozent im Jahr 2025). In Südkalifornien und dem Sacramento Valley fällt die Grippeaktivität moderat aus, während die landesweiten Hospitalisierungsraten niedrig bleiben. Nach Daten des kalifornischen Gesundheitsministeriums (CDPH) gab es im Bundesstaat im laufenden Jahr 34 grippebedingte Todesfälle. San Francisco verzeichnete in der Vorwoche den ersten Grippetodesfall der Saison, während Los Angeles County noch keine Todesfälle gemeldet hat. Dr. Dawn Terashita, stellvertretende Direktorin des Programms zur Kontrolle akuter übertragbarer Krankheiten der Gesundheitsbehörde von Los Angeles County, teilte mit, dass die hiesige Saison offiziell am 28. September begann. In der Saison 2025–2026 verzeichnete das County 126 Grippetodesfälle, was eine relativ geringe Zahl darstellte. Terashita erklärte, dass die Grippe während der COVID-19-Pandemie fast verschwand und nach Lockerung von Masken und Abstandhalten in den Jahren 2024 und 2025 wieder anstieg, wobei man nun abwartet, wie schwer die aktuelle Saison wird.
In Utah berichten Kliniken wie das Intermountain Medical Center ebenfalls von einem verfrühten Aufkommen. Dr. Tamara Sheffield erklärte, dass die Fallzahlen bereits denen vom November des Vorjahres entsprechen. Sie warnte davor, die Infektion auf die leichte Schulter zu nehmen, da die Grippe tödlich sein kann, die Betroffenen für drei bis fünf Tage mit hohem Fieber und starkem Husten ans Bett fesselt und eine oder zwei Wochen später lebensgefährliche Sekundärinfektionen wie eine bakterielle Lungenentzündung auslösen kann. Zudem hob sie hervor, dass in den vergangenen zwei Saisons die höchsten Todeszahlen bei Kindern verzeichnet wurden, von denen viele zuvor gesund waren.

Dringender Impfaufruf
Angesichts der Dynamik raten Mediziner dazu, nicht auf die traditionellen Impfmonate zu warten. Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen die jährliche Grippeimpfung für alle Personen ab einem Alter von 6 Monaten. Die Empfehlungen des kalifornischen Gesundheitsministeriums (CDPH) für die Saison 2026–27 sehen vor, dass alle Kinder ab 6 Monaten den Grippefaktor erhalten sollen, während Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten zudem für die COVID-19-Impfung berechtigt sind. Kinder im Alter von 2 bis 18 Jahren mit Risikofaktoren oder solche, die noch nie geimpft wurden, sollen ebenfalls geimpft werden. Erwachsene ab 65 Jahren sowie jüngere Erwachsene mit zugrundeliegenden Gesundheitsproblemen oder Risikofaktoren werden ermutigt, ihre COVID-19-Impfungen aktuell zu halten. Eine RSV-Impfung wird für Erwachsene ab 75 Jahren, für Personen im Alter von 50 bis 74 Jahren mit bestimmten Gesundheitssituationen sowie für Personen empfohlen, die mit Risikopersonen zusammenleben oder diese pflegen oder sich zusätzlichen Schutz wünschen. Gemäß kalifornischem Recht sind Krankenversicherungen im Bundesstaat, einschließlich Medi-Cal-Managed-Care-Plänen und privaten Versicherungen, dazu verpflichtet, vom CDPH empfohlene Immunisierungen zu decken.
Auch die American Academy of Pediatrics, das American College of Obstetricians and Gynecologists, die American Academy of Family Physicians sowie die Infectious Diseases Society of America empfehlen die Grippeimpfung für Kinder und Erwachsene in diesem Jahr. In Berkeley bietet das lokale Gesundheitsamt über die West Berkeley Immunization Clinic kostenlose Grippeimpfungen an, für die weder ein Ausweis noch eine Versicherung erforderlich sind, ergänzt durch Pop-up-Impfzentren wie im Seniorenzentrum am 9. November 2026. Für den Schutz stehen neben Standarddosen auch hochdosierte Grippeschutzimpfungen mit der vierfachen Antigenmenge für Personen ab 65 Jahren, Nasensprays wie FluMist für Personen im Alter von 2 bis 49 Jahren (wobei diese für Schwangere oder Personen mit bestimmten Vorerkrankungen nicht empfohlen werden), rekombinante Grippeimpfstoffe ab 18 Jahren sowie der im August von der FDA zugelassene mRNA-Impfstoff mFLUSIVA von Moderna für Erwachsene ab 50 Jahren zur Verfügung. Da mFLUSIVA neu ist, sollten Interessierte die Verfügbarkeit über Apotheken, Ärzte oder Modarnas Online-Locator prüfen. Die Schutzwirkung setzt etwa zwei Wochen nach der Verabreichung ein.
Die Immunisierung gegen Atemwegsviren verringert Ihr Risiko, zu erkranken — und falls Sie erkranken, senkt sie das Risiko einer Krankenhauseinweisung. Die Impfung schützt nicht nur Sie selbst, sondern hilft auch, andere in Ihrem Leben zu schützen. Atemwegsviren können für Kinder, ältere Erwachsene und andere lebensgefährlich sein.
Dr. Sharon Wang, San Bernardino County Health Officer
Praktische Schutzmaßnahmen wie das Waschen der Hände, das Meiden kranker Personen, das Tragen von Masken in risikoreicheren Umgebungen sowie das zu Hause Bleiben bei Krankheit unterstützen die Prävention. Bei Fragen zu Kosten und Abdeckung sollten sich Versicherte an ihren jeweiligen Krankenversicherer wenden, während Termine landesweit über Plattformen wie MyTurn.cdph.ca.gov gebucht werden können. Personen, die Fragen zu ihrer Gesundheit haben, sollten sich stets an qualifizierte medizinische Fachkräfte wenden, um eine individuelle Beratung zu erhalten.