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Futuro Nazionale»: Ex-General will Meloni rechts überholen

Der ehemalige Generalmajor Roberto Vannacci gründete am Wochenende in Rom die rechtsextreme Partei Futuro Nazionale, um Premierministerin Giorgia Meloni von rechts zu überholen. Der 67-Jährige positioniert sich als radikale Alternative zur aktuellen Regierungskoalition und fordert unter anderem die Remigration von Migranten sowie ein sofortiges Ende der Unterstützung für die Ukraine.

Die Ideologie der Futuro Nazionale

Mit dem ersten Parteitag am Sonntag hat Vannacci ein politisches Projekt gestartet, das die bestehende Rechte in Italien gezielt unter Druck setzen will. In seinem Manifest beschreibt er das Land als ein Pulverfass, das jederzeit explodieren kann. Die Lösung sieht die neue Partei in einer konsequenten Remigration, also der systematischen Abschiebung von Migranten in ihre Herkunftsländer.

Die Ideologie der Futuro Nazionale

Vannacci nutzt gezielt Provokationen, um Aufmerksamkeit zu generieren. Während in Italien allein im laufenden Jahr über 90 Frauen aufgrund ihres Geschlechts ermordet wurden, behauptete er bei der Parteigründung, es gäbe keine Femizide. Diese Strategie der radikalen Ablehnung erstreckt sich auch auf gesellschaftliche Normen: In einer Talkshow bezeichnete der Parteichef Homosexuelle als nicht normal, wie SRF berichtet.

Neben der Migrationspolitik richtet sich die Kritik gegen Brüssel und den Green Deal, den Vannacci als Gräuel bezeichnet. Der Green Deal der Europäischen Union zielt darauf ab, Europa bis 2050 klimaneutral zu machen, was in konservativen und rechtspopulistischen Kreisen oft als zu bürokratisch oder wirtschaftsschädigend kritisiert wird.

Geopolitisch fordert er einen sofortigen Frieden mit Russland, selbst wenn dieser zulasten der Ukraine gehen würde. Damit bricht er radikal mit dem Kurs der aktuellen Regierung unter Giorgia Meloni, die eine starke transatlantische Ausrichtung verfolgt und die Ukraine militärisch sowie politisch unterstützt. Diese Positionierung rückt Vannacci in die Nähe einer pro-russischen Linie, die innerhalb der italienischen Mitte-Rechts-Koalition zunehmend für Spannungen sorgt.

Vom Generalmajor zum Parteichef

Der Aufstieg Vannaccis verlief ungewöhnlich schnell und war eng mit seiner militärischen Karriere verknüpft. Bekannt wurde er 2023 durch sein Buch Il mondo al contrario (Die Welt auf dem Kopf), in dem er sich gegen politische Korrektheit und Gender-Ideologie aussprach. Die darin enthaltenen rassistischen und homophoben Äußerungen lösten einen massiven öffentlichen Aufschrei aus.

Vom Generalmajor zum Parteichef
Photo: Agenzia Nova

Diese Kontroversen führten Ende 2023 zu einem Disziplinarverfahren durch den Chef des Generalstabes und schließlich zu seiner Suspendierung. In Italien ist die politische Betätigung aktiver Militärs streng reglementiert, was die rechtliche Grundlage für die Maßnahmen gegen ihn bildete.

Vom Generalmajor zum Parteichef
Photo: Spiegel

Diese mediale Präsenz machte ihn für Matteo Salvini, den Chef der Lega, attraktiv. Salvini katapultierte ihn bei den Europawahlen 2024 auf den ersten Listenplatz. Durch diesen Erfolg zog Vannacci als Abgeordneter in das Europäische Parlament ein, wo er eine Plattform für seine Ansichten fand. Im Mai 2025 beförderte Salvini ihn zudem zum Vizeparteisekretär der Lega.

Doch die Allianz hielt nicht lange. Im Februar 2026 kam es zum Bruch. Vannacci erklärte, er wolle für das Vaterland frei von Hindernissen und bequemen Kompromissen kämpfen. Salvini reagierte verärgert, insbesondere da Vannacci mehrere Mitglieder der Lega in seine neue Partei mitnahm.

Melonis Dilemma vor den Parlamentswahlen

Für Premierministerin Giorgia Meloni stellt die Futuro Nazionale ein strategisches Problem dar. Sie führt derzeit eine Koalition aus ihrer eigenen Partei Fratelli d’Italia, der Lega und Forza Italia an, welche die stabilste Regierung der letzten Jahre bildet. Nun wird sie jedoch von rechts angegriffen.

Vannacci wirft ihr vor, eine ängstliche Rechte zu sein, die gegenüber der EU zu schwach auftrete und Versprechen bei der Abschiebung von Migranten gebrochen habe, wie der Spiegel berichtet. Meloni muss damit den Spagat zwischen der Wahrung ihrer internationalen Glaubwürdigkeit als Staatsfrau und der Zufriedenheit ihrer rechtspopulistischen Basis bewältigen.

Die Parlamentswahlen stehen in etwa 18 Monaten an. Die Dynamik innerhalb des rechten Lagers könnte das Wahlergebnis maßgeblich beeinflussen:

  • Kooperation: Eine Annäherung an Vannacci könnte die radikale rechte Basis sichern, riskiert jedoch, gemäßigte Wähler zu verschrecken.
  • Distanzierung: Eine klare Abgrenzung könnte dazu führen, dass wichtige Stimmen an die Futuro Nazionale abwandern.

Vannacci sieht sich selbst als Sextant oder Kompass, der die italienische Rechte wieder auf Kurs bringen will, da die bisherigen Parteien die Orientierung verloren hätten.

Die Warnung vor der Vergiftung der Koalition

Innerhalb des Mitte-Rechts-Lagers stößt Vannacci auf heftigen Widerstand, insbesondere bei den gemäßigteren Flügeln. Roberto Occhiuto, Präsident der Region Kalabrien und stellvertretender Generalsekretär von Forza Italia, warnt davor, den General in die Koalition aufzunehmen.

Die Warnung vor der Vergiftung der Koalition
Photo: Watson

Ein Bündnis mit ihm wäre gefährlich, da es die DNA der Mitte-Rechts-Partei verändern und vergiften würde. Roberto Occhiuto, via Agenzia Nova.

Occhiuto argumentiert, dass Vannacci die Lega lediglich als Vehikel benutzt habe, um Stimmen zu stehlen, und nun auch die Unterstützung für Fratelli d’Italia untergraben würde. Er bezeichnete die Positionen des Ex-Generals als ahistorisch und warnt, dass eine Koalition mit ihm Italien nicht regieren könne, da Vannacci Populismus schüre, anstatt wirtschaftliche Lösungen anzubieten.

Die strategische Einschätzung von Occhiuto ist deutlich: Außerhalb einer Koalition könnten die nützlichen Stimmen Vannacci begrenzen, da Wähler dazu neigen, Parteien zu unterstützen, die tatsächlich regierungsfähig sind. Dennoch bleibt die Gefahr, dass Vannacci durch seine Provokationen die politische Mitte weiter nach rechts verschiebt.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Meloni und Salvini eine Brandmauer gegen die Futuro Nazionale errichten oder ob die Angst vor dem Stimmenverlust sie zu einem riskanten Bündnis mit dem Ex-General zwingt.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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