Zum Inhalt springen
Welt

Friedrich Merz erhält in Singapur eine nach ihm benannte Orchidee

Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Dienstag in Singapur zum Auftakt seiner Asien-Pazifik-Reise eine nach ihm benannte Orchidee erhalten und mit Premierminister Lawrence Wong einen Arbeitsplan zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft in vier Bereichen vereinbart.

Die Taufe der neuen Sorte «Vanda Friedrich Merz» im Parlamentsgebäude des Stadtstaates verbindet feierliche Tradition mit konkreter Wirtschaftspolitik. Bei seiner Ankunft nach einem 13-Stunden-Flug mit der Luftwaffe wurde der Kanzler von Premierminister Lawrence Wong mit militärischen Ehren empfangen. Die Pflanze zeigt zartlila, weiße und hellbraune Blüten auf sattgrünen Blättern. «Es ist eine große Ehre», erklärte Merz während der kurzen Zeremonie.

Orchideen-Diplomatie und historische Parallelen

Die Benennung von Züchtungen nach ausländischen Staatsgästen gehört zu den bekanntesten Instrumenten der singapurischen Soft Power. Da die Nationalblume des Stadtstaates ebenfalls eine Orchidee ist, perfektioniert das Land diese Praxis seit Jahren im Rahmen eines VIP-Programms. Vor Merz erhielten bereits frühere deutsche Regierungschefs diese Auszeichnung, darunter Angela Merkel im Jahr 2011 und Olaf Scholz im Jahr 2022.

Die Blüten haben einen süßlichen, Jasmin-artigen Duft, mit einem Hauch einer Zitrusnote.

Mark Choo, stellvertretender Leiter des singapurischen Orchideengartens

Für männliche Gäste fallen die Töne kräftiger aus, während für weibliche Gäste sanftere Nuancen ausgesucht werden. Rund 300 Exemplare der Merz-Orchidee wachsen derzeit in der Gärtnerei. Wegen der kurzen Blütezeit von zehn Tagen bis maximal zwei Wochen bleibt nach der Übergabe ein enges Zeitfenster von etwa fünf bis sechs Tagen, in denen die Pflanzen ihre volle Pracht zeigen.

Die Leiterin der Orchideenzucht im botanischen Garten, Whang Lay Keng, schuf die Hybriden-Zucht, die von Mark Choo als Handwerk und Kunstform beschrieben wird. Der Züchtungsprozess erfordert das Entnehmen von Hunderten Samen, aus denen ebenfalls Hunderte Pflanzen entstehen können, da es sich um keine übermäßig präzise Angelegenheit mit vielen Gelegenheiten zum Scheitern handelt. Die Tradition der Orchideen-Diplomatie im Stadtstaat reicht bis in das Jahr 1956 zurück, als Singapur noch Teil des britischen Kolonialreichs war.

«Vanda Friedrich Merz» – Singapur benennt Orchidee nach Kanzler

Arbeitsplan für Handel, Sicherheit und Künstliche Intelligenz

Hinter den diplomatischen Gesten steht eine engere wirtschafts- und sicherheitspolitische Zusammenarbeit. Mit Ministerpräsident Lawrence Wong verständigte sich Merz auf einen konkreten Arbeitsplan, der vier zentrale Handlungsfelder umfasst. Die beiden Länder wollen ihre Kooperation demnach in den Bereichen Handel und Investitionen, Sicherheit und Verteidigung, grüne Energie sowie Künstliche Intelligenz ausbauen.

Die Partnerschaft stützt sich auf ein starkes wirtschaftliches Fundament, das über Jahrzehnte gewachsen ist. Nach Regierungsangaben sind fast 2400 deutsche Unternehmen mit rund 45.000 Arbeitsplätzen in dem südostasiatischen Stadtstaat tätig, während sich das jährliche Handelsvolumen auf 11,8 Milliarden Euro beläuft. Den historischen Grundstein dafür legte einst der frühere Kanzler Helmut Schmidt durch seine Verbindung zum Staatsgründer Lee Kuan Yew.

Friedrich Merz erhält in Singapur eine nach ihm benannte Orchidee
Foto: NZZ

Freihandel als Kontrapunkt zur neuen Großmachtpolitik

In seiner Grundsatzrede im Rahmen der traditionellen Singapore Lectures schlug the Kanzler einen Bogen zur globalen Handelspolitik. Vor dem Hintergrund des Handelskonflikts mit China und einer zunehmend fragmentierten internationalen Ordnung warb er für den Aufbau eines breiteren Partnernetzwerks.

Merz strebt ein umfassendes Freihandelsabkommen der Europäischen Union mit der Transpazifischen Partnerschaft (CPTPP) an, deren zwölf Mitgliedstaaten fast 600 Millionen Menschen umfassen. Ein solches Abkommen würde mehr als ein Drittel des Welthandels vereinen und den verflochtenen Lieferketten Rechnung tragen. Langfristig peilt die Bundesregierung zudem ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südostasiatischen Staatenbund Asean an, der fast 700 Millionen Einwohner zählt.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.