Bundeskanzler Friedrich Merz hat am 17. Oktober 2026 beim Deutschlandtag der Jungen Union in Bonn scharf vor einer Koalition von SPD und Grünen mit der Linkspartei gewarnt. Während die Parteijugend ihren Vorsitzenden Johannes Winkel bestätigte, geriet die Parteiführung angesichts schwacher Umfragewerte und offener Rücktrittsforderungen aus den eigenen Reihen unter massiven Druck.
Friedrich Merz attackiert Koalitionssondierungen in Berlin
Beim Treffen der Jungen Union in Bonn hat CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz die Sondierungsgespräche von SPD, Grünen und der Linkspartei in Berlin scharf kritisiert. Angesichts eines zuvor geschlossenen Papiers zum Umgang mit antisemitischen Vorfällen innerhalb der Linken forderte der Kanzler die politischen Konkurrenten zu einem Kurswechsel auf.
Hört auf damit, was ihr da in Berlin auf dem Wege seid, anzuzetteln,
rief Merz den Delegierten zu, wie die Junge Freiheit berichtete. Wer die politische Mitte stärken und die Demokratie schützen wolle, dürfe keine Gespräche mit Linksradikalen führen und erst recht keine Koalition eingehen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst schloss sich der Kritik an und nannte die Verhandlungen eine Schande für die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, weil das Gift des Antisemitismus tief in die Berliner Linkspartei eingesickert sei.
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) warnte ebenfalls vor politischen Extremisten von links und rechts. Mit Blick auf die Sondierungen in Berlin erklärte Wüst, dass es jetzt an SPD und Grünen liege, diese Schande zu beenden. Auch der CDU-Vorsitzende mahnte, dass ein solches Vorgehen zum Schutze der Demokratie unzulässig sei und die Existenz der CDU gefährde.
Wer die politische Mitte stärken will und wer will, dass die Demokratie in unserem Land geschützt bleibt, der darf mit solchen Linksradikalen keine Gespräche führen und schon einmal gar nicht in eine Koalition eintreten.
Friedrich Merz, CDU-Vorsitzender und Bundeskanzler, via WELT
Wählerverluste und INSA-Umfragetrends setzen Union und SPD unter Druck
Die harte Abgrenzung der Parteiführung erfolgt vor dem Hintergrund dramatischer Umfragewerte. Aktuelle Zahlen des Meinungsforschungsinstituts INSA zeigen, dass CDU/CSU und SPD seit der Bundestagswahl 2025 fast ein Drittel an Wählerstimmen eingebüßt haben. Im bundesweiten Sonntagstrend führt die AfD mit 29 Prozent vor der Union mit 18 Prozent, während die Grünen bei 14 Prozent und die SPD bei 13 Prozent liegen.
Zulegen konnten im Sonntagstrend dagegen die Linke mit elf Prozent sowie das Bündnis Sahra Wagenknecht mit vier Prozent, während die FDP ebenfalls bei vier Prozent verortet wird. Eine rechnerische Mehrheit hätte demgegenüber ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen.
Noch düsterer sieht es für die CDU in Nordrhein-Westfalen aus, wo im kommenden Jahr ein neuer Landtag gewählt wird. Einer INSA-Erhebung für die Bild-Zeitung zufolge kommt die Partei dort nur noch auf 26 Prozent — ein Minus von acht Prozentpunkten binnen eines halben Jahres. INSA-Chef Hermann Binkert machte dafür direkt die Bundesebene verantwortlich und erklärte, der unbeliebte Kanzler Friedrich Merz ziehe den Ministerpräsidenten nach unten.
Jan Pfadenhauer fordert Kanzler Merz zum Rücktritt auf
Trotz des langen Beifalls für seine Attacken auf die politische Konkurrenz stieß Merz beim Parteinachwuchs auch auf heftigen Widerstand. In der anschließenden Fragerunde kritisierte der bayerische JU-Delegierte Jan Pfadenhauer das Gefälle zwischen großen Ankündigungen und greifbaren Ergebnissen der Bundesregierung.
Wenn Ihnen Ihr Land und Ihre Partei so am Herzen liegt, nehmen Sie Ihren Dienstwagen, fahren Sie zum Bundespräsidenten — und bitten um Ihre Entlassung,
forderte Pfadenhauer laut Berichten zufolge unter schallendem Gelächter und spärlichem Applaus.
CDU-Mittelstandschefin Gitta Connemann verteidigte den Kanzler hingegen nach dessen Auftritt im Gespräch mit Medien und betonte, dass Friedrich Merz Klartext geredet, Mut gegeben und den Zusammenhalt zwischen CDU und der Jungen Union bekräftigt habe.
Johannes Winkel im Amt bestätigt und harte Kante gegen die AfD
Ungeachtet der innerparteilichen Reibungen setzte die Junge Union ein geschlossenes Signal nach innen und außen. Die Delegierten bestätigten ihren Vorsitzenden Johannes Winkel mit 94,3 Prozent der gültigen Stimmen im Amt. Winkel hatte bei seiner Wiederwahl im Jahr 2024 noch 90,5 Prozent erhalten.
Sowohl Winkel als auch Merz zogen eine unmissverständliche Trennlinie zur AfD. Merz bekräftigte, dass Mitglieder, die im Landtag von Sachsen-Anhalt für den AfD-Politiker Tobias Rausch in ein Staatsamt stimmen, in der CDU nichts zu suchen haben und mit einem Parteiausschluss rechnen müssen. Winkel betonte, solange die AfD völkische Positionen vertrete und Extremisten einbinde, werde es keine Zusammenarbeit geben.
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