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Gesundheit

Forscher weisen Krebs-Marker bereits in gesunden Bauchspeicheldrüsen nach

Brüsseler Forscher wiesen Krebs-Marker auf der Oberfläche bestimmter Zellen in gesunden Bauchspeicheldrüsen nach, wie ein im Fachjournal „Gut“ veröffentlichter Bericht belegt. Die Studie identifiziert grundlegende Unterschiede zwischen verschiedenen Tumorarten, was die Diagnostik und Behandlung insbesondere der aggressiven Variante, dem adenosquamösen Karzinom des Pankreas (ASCP), verbessern könnte.

Unterscheidung zwischen PDAC und ASCP

Bauchspeicheldrüsenkrebs wird oft als eine homogene Tumorart wahrgenommen, besteht jedoch aus verschiedenen Typen, berichtet DIE WELT. Die häufigste Form ist das duktale Adenokarzinom des Pankreas (PDAC), ein Begriff, der häufig synonym für Bauchspeicheldrüsenkrebs verwendet wird. Das PDAC entwickelt sich primär aus den Zellen der Ausführungsgänge (Ductus) der Bauchspeicheldrüse.

Neben dem PDAC existiert eine seltenere Variante, das adenosquamöse Karzinom des Pankreas (ASCP). Laut dem Bericht von DIE WELT macht diese Form nur bis zu zehn Prozent der Fälle aus, ist jedoch aggressiver als das PDAC. Während ein Adenokarzinom aus drüsigen Zellen entsteht, zeichnet sich das adenosquamöse Karzinom durch eine Mischung aus drüsigen und Plattenepithel-Komponenten aus. Diese biologische Heterogenität führt oft zu einem schnelleren Fortschreiten der Erkrankung.

Trotz dieser biologischen Unterschiede werden Patienten mit ASCP derzeit identisch zu Patienten mit PDAC behandelt. In der klinischen Praxis bedeutet dies meist die Anwendung derselben Chemotherapie-Regime, obwohl die unterschiedliche Zellzusammensetzung des ASCP die Reaktion auf diese Standardtherapien beeinflussen kann.

Analyse des gesunden Pankreas-Gewebes

Um die Entstehung von Tumoren besser zu verstehen, untersuchten die Brüsseler Forscher gesundes Gewebe. Die Bauchspeicheldrüse ist ein komplexes Organ mit einer exokrinen Funktion (Produktion von Verdauungsenzymen) und einer endokrinen Funktion (Produktion von Hormonen wie Insulin). Bisher ging die Forschung davon aus, dass das Gangsystem der Bauchspeicheldrüse ein einfaches Epithel aus einem einzigen Zelltyp sei, so DIE WELT unter Berufung auf die Autoren der Studie.

Die Forscher stellten diese Annahme mithilfe von Technologien infrage, die erst seit wenigen Jahren verfügbar sind. Traditionelle Analysemethoden betrachteten Gewebeproben oft als Gesamtheit (Bulk-Analyse), wodurch die spezifischen Eigenschaften einzelner seltener Zellen im Durchschnitt untergingen. Die in dieser Studie eingesetzten Methoden der Einzelzell-Analyse (Single-Cell Sequencing) erlaubten es den Wissenschaftlern, zu analysieren, welche Gene in einzelnen Zellen aktiviert sind.

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Zusätzlich zur genetischen Analyse nutzten die Forscher die räumliche Transkriptomik. Diese Technologie ermöglicht es, die Genexpression direkt im Gewebeverband zu kartieren. So konnten sie die genaue Position der Zellen im Gewebe sowie deren Nachbarschaft bestimmen und feststellen, dass bereits in gesund erscheinenden Zellen Marker vorhanden sind, die typischerweise mit Krebs assoziiert werden.

Konsequenzen für die Diagnostik und Therapie

Die Identifizierung von Krebs-Markern bereits in gesunden Zellen sowie die Feststellung grundlegender Unterschiede zwischen den Tumortypen könnten die medizinische Versorgung verändern. Laut DIE WELT liefern die Erkenntnisse der Brüsseler Studie eine Basis für eine neue Diagnostik.

In der Onkologie ist die Identifikation spezifischer Oberflächenmarker entscheidend für die Entwicklung von zielgerichteten Therapien (Targeted Therapies). Wenn bestimmte Proteine oder Marker spezifisch für eine aggressive Variante wie das ASCP sind, könnten Medikamente entwickelt werden, die gezielt diese Zellen angreifen, ohne gesundes Gewebe zu schädigen.

Ziel ist es, die Behandlung der aggressivsten Krebsarten der Bauchspeicheldrüse zu verbessern. Da die Überlebenschancen bei dieser Krebsart besonders schlecht sind – primär aufgrund einer späten Entdeckung und oft unzureichend anschlagender Behandlungen –, könnten die präziseren biologischen Erkenntnisse zu effektiveren Therapien führen. Die Früherkennung von Vorstufen oder die präzise Differenzierung zwischen PDAC und ASCP direkt bei der Diagnose könnte die Wahl des Therapieansatzes optimieren.

Aus den vorliegenden Ergebnissen lässt sich ableiten, dass die biologische Zusammensetzung des Pankreas komplexer ist als bisher angenommen. Es kann jedoch nicht geschlussfolgert werden, dass diese Marker automatisch zu einer Krebserkrankung führen oder dass bereits fertige Medikamente auf Basis dieser Marker verfügbar sind. Die Studie bildet die wissenschaftliche Grundlage, auf der nun weitere klinische Validierungen und potenziell neue Behandlungsstrategien aufbauen können.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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