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Technik und Wissenschaft

Flock Safety nutzt KI-Kameras zur Überwachung von US-Fahrzeugen

Das US-Unternehmen Flock Safety hat landesweit etwa 120.000 KI-gestützte Kennzeichenleser installiert, die Fahrzeugdaten in einer durchsuchbaren Datenbank speichern. Während Behörden die Technologie zur Verbrechensbekämpfung loben, wächst der Widerstand von Bürgerrechtlern und Anwohnern aufgrund von Massenüberwachung und Fehlidentifikationen, was in einigen Städten bereits zu Vertragsstornierungen und Vandalismus führte.

Die Kameras von Flock Safety sind in tausenden US-Gemeinden an Strommasten, Kreuzungen und Hauseinfahrten platziert. Sie erfassen nicht nur das Kennzeichen, sondern nutzen maschinelles Lernen, um Farbe, Marke, Modell und besondere Merkmale wie Aufkleber oder Dellen zu speichern. Diese sogenannten „Fahrzeug-Fingerabdrückeermöglichen es Ermittlern, Autos zu finden, selbst wenn keine vollständige Kennzeichennummer vorliegt.

Die Strategie von Garrett Langley und die 8,4 Milliarden Dollar Bewertung

Gründer Garrett Langley startete das Unternehmen im Jahr 2017 in Atlanta. Die Motivation war eine Beobachtung aus seinem eigenen Wohnviertel, in dem Autoeinbrüche zunahmen. Langley stützte seine Entwicklung auf die Aussage eines Polizeimajors, wonach mehr als 70 Prozent der Kriminalität ein Fahrzeug involviert und die meisten dieser Fälle ungelöst bleiben, weil die Polizei selten das Kennzeichen hat.

Aus dieser Idee entwickelte sich ein Abonnement-Modell, bei dem jährliche Servicegebühren pro Kamera erhoben werden. Die Kundenbasis reicht von Polizeibehörden und Kommunalverwaltungen bis hin zu Schulen und Eigentümergemeinschaften.

Die Effektivität des Netzwerks unterstreicht Langley mit Daten aus einem einzigen Tag: Die Kameras alertierten Behörden zu über 4.000 Sexualstraftätern, etwa 2.100 gestohlenen Autos, mehr als 1.600 gesuchten Personen, rund 160 vermissten Personen und einem Amber Alert.

Überwachungsnetzwerke und das Risiko der Bewegungsprofile

Während eine einzelne Kamera nur einen Momentaufnahme liefert, warnen Experten vor der Kombination tausender Geräte.

The Controversial Flock Cameras Tracking Every Car — Full Breakdown

Zusammen können die Bewegungen einer Person viel über sie aussagen – wo sie arbeiten, leben, beten, was sie in ihrer Freizeit tun und mit wem sie sich treffen. Catherine Crump, klinische Professorin für Technologierecht an der UC Berkeley

Kritiker wie die Electronic Frontier Foundation (EFF) bezeichnen dies als Massenüberwachung, da jedes Fahrzeug fotografiert wird und nicht nur solche, die mit Verbrechen in Verbindung stehen. Die EFF warnt, dass die Technik von der Polizei missbraucht wurde, um Ex-Partner zu spionieren, und gegen Personen eingesetzt werden könnte, die medizinische Hilfe suchen oder an Aktivitäten im Rahmen des ersten Verfassungszusatzes teilnehmen.

Fehlidentifikationen und polizeiliche Gewalt

Die Technologie ist nicht fehlerfrei.

Widerstand in Winona und Saranac Lake

Die gesellschaftliche Ablehnung äußert sich zunehmend in politischem Druck und direkten Aktionen. In Saranac Lake führte der Protest der Bewohner dazu, dass das Dorf den Vertrag mit Flock Safety kündigte und die Kameras entfernt wurden. In Winona, Minnesota, kam es zwischen dem 29. Juli und dem 1. August 2026 zu einem radikaleren Vorfall: Unbekannte sägten alle acht Kameras der Stadt ab und entwendeten die Technik.

Flock Safety nutzt KI-Kameras zur Überwachung von US-Fahrzeugen
Photo: ajc.com

Der finanzielle Schaden in Winona beläuft sich auf rund 24.000 Dollar. Die Reaktion der Bürger auf die polizeilichen Aufrufe zur Mithilfe bei der Täterfahndung war laut lokalen Berichten sarkastisch; viele antworteten, dass die Person, die es getan habe, mit ihnen angeln gewesen sei oder dass die verantwortliche Person mit ihnen beim Bibelkreis gewesen sei.

Datenspeicherung und Zugriffskontrolle

Flock Safety betont, dass die Kameras keine Gesichtserkennung nutzen und die Kunden – also die Behörden oder privaten Betreiber – den Zugriff auf die Daten steuern können. Standardmäßig werden Fahrzeugdaten nach 30 Tagen gelöscht, sofern lokale Gesetze und Verträge keine anderen Aufbewahrungsfristen vorsehen.

Flock Safety nutzt KI-Kameras zur Überwachung von US-Fahrzeugen
Photo: Bloomberg.com

Die technische Infrastruktur ist dabei dezentral organisiert. Die Bilder werden über Mobilfunknetze in ein Cloud-System übertragen, wo sie über ein Dashboard durchsuchbar sind. Die Software kann zudem mit Systemen anderer Hersteller wie Motorola integriert werden, was den Behörden einen noch breiteren Überblick über verschiedene Kameranetze verschafft.

Ob die Stadt Winona ihre zerstörte Ausrüstung ersetzen wird, bleibt derzeit ungeklärt, während die ACLU landesweit Kampagnen startet, um Bürger dazu zu bewegen, sich gegen die Installation dieser Systeme auf lokaler Ebene zu wehren.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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