Zum Inhalt springen
Unternehmen

Firmus stoppelt Börsengang aufgrund Marktbedingungen

Firmus hat seinen für fünf Milliarden US-Dollar geplanten Börsengang in Australien überraschend gestoppt.

Der geplante Börsengang des australischen Rechenzentrumsbetreibers Firmus sollte einer der größten in der Geschichte des Landes werden. Das Unternehmen betreibt zudem Niederlassungen in Singapur sowie weiteren Teilen des asiatisch-pazifischen Raums. Doch das Vorhaben scheiterte am Widerstand institutioneller Investoren, die angesichts massiver Schulden und ambitionierter Expansionspläne kalte Füße bekamen. Das im Jahr 2019 gegründete Unternehmen hatte den Ausgabepreis der Aktien zunächst auf A$11 taxiert, was einer Eigenkapitalbewertung von 30,6 Milliarden US-Dollar entsprochen hätte.

Das Platzen der Emission und der Kurswechsel zu privaten Märkten

Die Nachfrage brach in der entscheidenden Phase des Bookbuildings ein. Am Mittwoch und Dienstag zogen Investoren ihre unverbindlichen Angebote in großer Zahl zurück, nachdem Details über die Absicherungsvereinbarungen und den Rückzug eines wichtigen Partners bekannt geworden waren. Daraufhin schwenkte die Unternehmensführung um und erklärte, dass der Schritt an die Börse nicht im besten Interesse des Unternehmens und seiner Aktionäre liege. Grund für die Entscheidung seien jüngste Marktvolatilitäten und die vorherrschenden Marktbedingungen gewesen.

Eine Person aus dem Umfeld der Transaktion bestätigte zudem, dass Firmus nun eine Notierung an der Nasdaq anstrebe, sobald die anstehende private Kapitalbeschaffung abgeschlossen sei.

Firmus stoppelt Börsengang aufgrund Marktbedingungen
Foto: bbc.co.uk

Die Rolle von Partnern, Schulden und skeptischen Großinvestoren

Zwei kritische Faktoren brachten das IPO-Vorhaben zu Fall. Erstens äußerte sich der CEO von CDC Data Centres, Greg Boorer, in einem Podcast öffentlich dazu, dass ein gemeinsames Projekt zum Bau von 1.6 gigawattstarken KI-Fabriken mit Firmus nicht mehr weiterverfolgt werde. Zweitens erfuhren Investoren, dass bestehende Geldgeber mehr als die Hälfte ihrer Anteile direkt am ersten Tag hätten verkaufen dürfen, was den Eröffnungskurs massiv gefährdet hätte.

Große institutionelle Anleger winkten daraufhin ab. Einer der prominentesten Kritiker war der australische Pensionsfonds UniSuper. Dessen Chief Investment Officer, John Pearce, begründete die Absage in einem Update an die Investoren und gegenüber den Medien.

We think that Firmus indeed has a compelling story.

John Pearce, Chief Investment Officer bei UniSuper, via BBC

Pearce fügte hinzu, dass UniSuper vor allem Bedenken hegte, Firmus müsse sich für die ehrgeizigen Wachstumspläne noch weiter verschulden. Ähnlich äußerte sich Joseph Koh, Portfoliomanager bei Blackwattle Investment Partners. Die Verantwortlichen hätten einen zu hohen Preis für ein Szenario verlangt, das eine nahezu fehlerfreie Ausführung der Zukunftspläne voraussetzt.

Bedeutung für den globalen KI-Boom und den Markt

Beobachter werten das Scheitern des Firmus-Börsengangs als wichtigen Realitätscheck für den weltweiten Investitionsboom rund um die künstliche Intelligenz. Die Absage erfolgt vor dem Hintergrund allgemeiner Marktsorgen hinsichtlich der enormen Kapitalmengen, die in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz fließen.

Openai-Chef Sam Altman bezeichnete Australien in diesem Jahr bereits als potenziellen Vorreiter in dieser Branche, auch wenn Anwohner immer wieder Bedenken wegen des Lärms und der Umweltauswirkungen anmelden.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
David Falk

Über den Autor

David Falk verantwortet das Wirtschafts- und Unternehmensressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Maerkte, Mittelstand, Innovation und strategische Entwicklungen in deutschen und internationalen Unternehmen.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.