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Sport

Fifpro: Frauenfußball-Boom lässt viele Spielerinnen zurück

Während Eliteclubs und Top-Akteurinnen von Rekordinvestitionen und neuen Stadien profitieren, kämpft ein großer Teil des globalen Arbeitsmarktes mit kurzen Verträgen, ausbleibenden Gehältern und prekären Bedingungen.

Die globale Entwicklung des Frauenfußballs verzeichnet eine rasante wirtschaftliche Beschleunigung. Angetrieben von Infrastrukturprojekten in England und den Vereinigten Staaten fließen erhebliche Summen in eigene Stadien, spezialisierte Trainingskomplexe und medizinische Budgets.

Millioneninvestitionen und neue Stadien in England und den USA

Führende Vereine treiben den Wandel zu einem kommerziellen Wachstumsmarkt voran. Paul Barber hob hervor, dass Brighton zwar nicht der größte Club mit dem größten Budget sei, man Frauen und Männer jedoch als eine gemeinsame Einheit betrachte. Der amerikanische Club Angel City FC verzeichnet nach seiner Gründung im Jahr 2020 eine Bewertung von 340 Millionen Dollar und gehört zu den wertvollsten Sportteams weltweit. In England treiben traditionsreiche Marken wie Arsenal, Chelsea und Manchester United diese Entwicklung gemeinsam mit Sponsoren voran.

Die Barclays-Vertreterin Nina Bibby betont, dass langfristiges Kapital nur dann zu gewinnen ist, wenn der Sport als generationenübergreifender Wachstumsmarkt verstanden wird. Parallel dazu entstehen neue Spielstätten, die speziell auf die Bedürfnisse von Zuschauerinnen und Zuschauern ausgerichtet sind. Paul Barber von Brighton & Hove Albion initiierte den Bau eines neuen Zweckbaus für den Frauenfußball mit einer Kapazität von 10.000 Plätzen. Das Projekt hat ein Investitionsvolumen von 85 Millionen Pfund, was rund 100 Millionen Euro entspricht, und ist auf eine jahrzehntelange Nutzung ausgelegt.

Fifpro: Frauenfußball-Boom lässt viele Spielerinnen zurück
Foto: archyde.com

Fifpro warnt vor wachsender Kluft zwischen Elite und Basis

Trotz der wirtschaftlichen Rekorde schlägt die Spielergewerkschaft Fifpro Alarm. Sarah Culvin verweist auf eine zunehmende Entkopplung von kommerzieller Erwartung und sportlicher Realität. Die Gewerkschaft fordert dringend ein Umdenken in der gesamten Branche.

Die Kluft im professionellen Frauenfußball zeigt sich vor allem in der Verteilung der Mittel. Während die absolute Spitze von Investitionen profitiert, arbeitet ein Großteil der Aktiven unter schwierigen Bedingungen.

„Sie haben eine Branche, die sehr stark auf die top 5% der Spieler ausgerichtet ist, […] Aber was Sie stattdessen haben, ist der Rest, also 95% der Branche, die nicht pünktlich bezahlt werden, die kurze Verträge haben. Sie werden zwölf Monate lang nicht bezahlt – sie befinden sich in unglaublich angreifbaren und prekären Verhältnissen.“

Sarah Culvin, via Bbc

Spezialisierte Infrastruktur und medizinische Betreuung im Profibereich

Abseits der Spieltage investieren Investoren gezielt in die täglichen Trainingsbedingungen. Michele Kang, Eigentümerin der London City Lionesses, gab bei Architekten die Planung eines neuen Trainingszentrums in Auftrag, das im Sommer 2027 fertiggestellt sein soll. Die Anlage berücksichtigt spezifische physiologische Bedürfnisse von Sportlerinnen, darunter angepasste Fitnessgeräte und verbesserte Rückzugsmöglichkeiten.

Auch im medizinischen Bereich setzen Spitzenclubs neue Standards. Chelsea Women führte als erster englischer Verein ein eigenes Budget für Fruchtbarkeitsbehandlungen ein. Spielerinnen können finanzielle Mittel für Untersuchungen wie Endometriose-Tests oder das Einfrieren von Eizellen nutzen, unterstützt durch eine fest angestellte Gynäkologin und Spezialisten für den Beckenboden.

Regulatorische Eingriffe zeigen erste Erfolge bei Mutterschutz

Trotz der weitverbreiteten Prekarität gibt es positive Entwicklungen. Im Jahr 2017 gaben noch fast die Hälfte aller befragten Spielerinnen an, dass der Wunsch nach einer Familie sie möglicherweise frühzeitig zum Karriereende zwingen könnte. Mittlerweile ist diesen Wert auf 19 Prozent gesunken. Die Fifpro führt diese Entwicklung auf gezielte Maßnahmen zurück.

„Was wir geschlussfolgert haben, was meiner Meinung nach unglaublich wichtig ist, ist, dass gezielte regulatorische Eingriffe funktionieren – Mutterschutzbestimmungen wurden 2021 eingeführt –, „

Sarah Culvin, via Bbc

Die FIFA hatte diese Vorschriften im Jahr 2021 erlassen und zwei Jahre später aktualisiert. Die Gewerkschaft betont, dass kommerzielles Wachstum und Spielerschutz Hand in Hand gehen müssen, anstatt gegeneinander ausgespielt zu werden.

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Felix Neumann

Über den Autor

Felix Neumann leitet das Sportressort von Germanic Nachrichten. Er berichtet ueber Fussball, internationale Turniere und Leistungssport und verbindet Ergebnisberichterstattung mit analytischem Hintergrund.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.