Die Welt der Elektromobilität kennt ein Versprechen, das seit Jahren wie eine Fata Morgana wirkt: die Feststoffbatterie. Sie gilt als der „Heilige Gral“, verspricht enorme Reichweiten, lädt in Minuten statt Stunden und brennt nicht. Während Branchenriesen wie Toyota oder Stellantis das Thema seit Jahren befeuern, behauptet nun ein finnisches Startup namens Donut Lab, das Ziel erreicht zu haben. Und sie warten nicht auf die nächste Testreihe – die ersten Motorräder mit dieser Technik sollen bereits im April 2026 an Kunden ausgeliefert werden.
Ein finnisches Startup gegen die Giganten
Donut Lab ist kein klassischer Laborbetrieb, sondern ein Spin-off von Verge Motorcycles, das im August 2024 unter der Leitung von Marko Lehtimäki gegründet wurde. Dass ein vergleichsweise unbekanntes Unternehmen aus Finnland und Estland die globale Batterieindustrie überholt, stieß anfangs auf massive Skepsis. Feststoffbatterien gehören in der Technikwelt zu den Projekten, die gefühlt „immer noch zwei Jahre entfernt“ sind. Experten wie Eric Wachsman vom Maryland Energy Innovation Institute wiesen zurecht darauf hin, dass Donut Lab anfangs kaum veröffentlichte Forschungsergebnisse oder bekannte Namen in der Entwicklung vorweisen konnte.
Das Unternehmen reagierte auf das Misstrauen mit einer fast schon provokanten Strategie. Unter der Domain idonutbelieve.com veröffentlichte Donut Lab unabhängige Tests des staatlichen VTT Technical Research Centre of Finland. Damit wollten sie beweisen, dass ihre Batterien keine getarnten Superkondensatoren sind, sondern echte Feststoffzellen. CEO Marko Lehtimäki sieht den Widerstand sogar als Bestätigung: Je mehr Beweise sie liefern, desto stärker werde die Reaktion der etablierten Marktteilnehmer sein, da die Technologie eine existenzielle Bedrohung für sie darstelle.
400 Wh/kg: Die Zahlen hinter dem Hype
Die technischen Versprechen von Donut Lab klingen fast zu gut, um wahr zu sein. Auf der CES im Januar präsentierte das Unternehmen eine Energiedichte von 400 Wh/kg. Das ist etwa doppelt so viel wie bei herkömmlichen Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP). Damit ließen sich Fahrzeuge bauen, die deutlich leichter sind oder bei gleichem Gewicht eine weitaus höhere Reichweite erzielen.
- Ladezeit: Volle Ladung soll in fünf Minuten möglich sein.
- Lebensdauer: Donut Lab spricht von einer nahezu unbegrenzten Lebensdauer von 100.000 Ladezyklen.
- Resistenz: Die Zellen sollen bei Temperaturen von -30 °C bis 100 °C stabil funktionieren.
- Nachhaltigkeit: Die Batterien verzichten auf Seltene Erden, Edelmetalle und brennbare flüssige Elektrolyte.
Einige dieser Metriken, insbesondere die exakte Chemie und die Zykluslebensdauer, bleiben für externe Prüfer jedoch schwer zu verifizieren. Dennoch gibt es erste reale Daten aus der Praxis.
Vom Labor auf die Straße: Der Verge TS Pro Test
Der Verge TS Pro dient als erste kommerzielle Plattform für diese Technologie. Aktuelle Tests bestätigen die extremen Ladegeschwindigkeiten. Ein 18-kWh-Batteriepack hielt über fünf Minuten eine Ladeleistung von über 100 kW aufrecht, was den Ladestand von 10 % auf 50 % in genau fünf Minuten hob. Ein weiterer Test zeigte, dass eine Ladung von 10 % auf 80 % in etwa 12 Minuten möglich ist.
Das Motorrad selbst wurde für das Modell 2026 überarbeitet. Verge reagierte auf Kundenkritik an der Handhabung und dem Preis des ursprünglichen TS Pro. Die neue Version verfügt über eine angepasste Lenkgeometrie und eine optimierte Federung. Besonders beeindruckend: Der hublose Radnabenmotor ist nur noch halb so schwer wie sein Vorgänger, liefert aber weiterhin ein massives Drehmoment von 737 lb-ft.
Industrielle Skalierung und wirtschaftliche Risiken
Donut Lab behauptet, bereits Batterien in einer Größenordnung von Gigawattstunden pro Jahr zu fertigen. Die Technologie soll nicht nur für Verge, sondern sofort für alle OEMs (Original Equipment Manufacturer) zur Verfügung stehen. Damit würde Donut Lab vom Nischenlieferanten zum globalen Zulieferer aufsteigen.
Die finanzielle Seite bleibt jedoch volatil. Verge Motorcycles meldete für 2024 einen Nettoverlust von 10 Millionen Euro. Trotz dieser Verluste konnten Verge und Donut Lab im Jahr 2024 insgesamt 15 Millionen Euro einsammeln, ergänzt durch eine Seed-Finanzierungsrunde von 25 Millionen Euro für Donut Lab im Juli.
Was genau ist eine Feststoffbatterie?
Im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien, die einen flüssigen Elektrolyten verwenden, nutzt eine Feststoffbatterie ein festes Material. Das macht sie sicherer, da die Brandgefahr sinkt, und ermöglicht eine viel höhere Energiedichte, was direkt zu mehr Reichweite und schnellerem Laden führt.
Wie schnell lädt das Verge TS Pro tatsächlich?
In realen Tests lädt das Motorrad von 10 % auf 50 % in fünf Minuten und von 10 % auf 80 % in etwa 12 Minuten, wobei Ladeleistungen von über 100 kW erreicht werden.
Könnten andere Autohersteller diese Technik übernehmen?
Das ist sehr wahrscheinlich, da Donut Lab explizit erklärt hat, dass die Batterie für OEMs zur Produktion bereitsteht. Sollten die Versprechen bezüglich der Kosten und der Haltbarkeit halten, könnte dies die gesamte Architektur von Elektroautos verändern.