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Welt

EU importierte Rekordmenge LNG-Gas aus russischem Jamal-Projekt

Europa hat in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 eine Rekordmenge von 12,18 Millionen Tonnen verflüssigtes Erdgas aus dem russischen Arktis-Projekt Jamal importiert.

Rekordimporte aus der Yamal-Anlage belasten die EU-Sanktionspolitik

Die Europäische Union bleibt trotz politischer Erklärungen zum Ausstieg stark von russischen Energieimporten abhängig. Zwischen Januar und September 2026 liefen nach Angaben der deutschen Umwelt- und Menschenrechtsorganisation Urgewald, die Schiffsdaten des Analysehauses Kpler auswertete, 167 Ladungen Flüssigerdgas in europäischen Häfen ein. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 12,18 Millionen Tonnen und bedeutet einen Zuwachs von 9,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, während die weltweiten Lieferungen des Yamal-Projekts um 1,3 Prozent zurückgingen.

Die geschätzten Gesamtausgaben der EU summierten sich in den ersten neun Monaten auf 7,88 Milliarden Euro, aufgeteilt auf 2,88 Milliarden Euro im ersten Quartal, 3,08 Milliarden Euro im zweiten Quartal und 1,92 Milliarden Euro im dritten Quartal. Damit zeigt sich, dass frühere politische Beschränkungen den Handel kaum bremsen konnten.

Iuliia Mendel, die frühere Mediensprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, kritisierte die Beschaffungspolitik der Staatengemeinschaft scharf und sprach öffentlich von einem doppelten Standard. Während Brüssel, Berlin und Paris ihre Entrüstung über einen von US-Präsident Donald Trump auf Truth Social kommunizierten Diesel-Deal mit Russland äußerten, bleibe die Europäische Union der wichtigste Abnehmer von russischem LNG-Gas. Die EU gebe ein Vielfaches für russische Energie aus, weshalb diese Käufe die russische Kriegsführung in der Ukraine direkt finanzieren.

EU importierte Rekordmenge LNG-Gas aus russischem Jamal-Projekt
Foto: Tichyseinblick

Frankreich übernimmt den Großteil der September-Lieferungen

Innerhalb der Europäischen Union gibt es bei der Verteilung des Arktis-Gases klare Schwerpunkte. Im September ging ein Großteil der Lieferungen nach Frankreich, das fast drei Viertel der importierten Mengen abnahm. Weitere Teilmengen entfielen auf die Niederlande mit 146,461 Millionen Tonnen sowie Portugal mit 74,263 Millionen Tonnen, während in Spanien und am belgischen Terminal in Zeebrugge im selben Monat keine Frachten registriert wurden.

Europa nahm im Berichtszeitraum 85 Prozent der dokumentierten Lieferungen des Projekts auf. Im September waren laut Kpler-Daten zudem 706,473 Millionen Tonnen LNG für China, Südkorea und Taiwan bestimmt.

EU SANCTIONS FAIL? Europe Pays Russia €7.9 Billion for LNG as Imports Surge 9.5% to Record Highs

Das US-Gesetz von Donald Trump und die drohende Frist für den Tankerverkehr

Zusätzliche Unsicherheit bringt die US-Gesetzgebung in das laufende Geschäft. Die von der Regierung um Donald Trump vorangetriebene Gesetzgebung, darunter das am 18. September unterzeichnete Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act, ermächtigt die Vereinigten Staaten dazu, Schiffe, Betreiber und Beteiligte an den Transporten von russischem LNG, einschließlich ausländischer Hafenbetreiber, mit Sanktionen zu belegen. Bis zum 18.

Sebastian Rötters, der Sanktionskampagnenleiter bei Urgewald, betonte gegenüber Medien, dass die Importe ab diesem Stichtag bis zum endgültigen Embargo vom Wohlwollen des US-Präsidenten abhängen werden. Ob dies zu einem wirklichen Stopp der Lieferungen führt, bleibt offen, da Ausnahmeregelungen durch Donald Trump möglich sind und angesichts seines bisherigen Umgangs mit Russland nicht unwahrscheinlich erscheinen.

EU importierte Rekordmenge LNG-Gas aus russischem Jamal-Projekt
Foto: Stuttgarter Zeitung

Während ein Verbot von Importen unter bestehenden kurzfristigen Verträgen bereits am 25. April 2026 in Kraft trat, zeigt sich laut Urgewald kaum eine Wirkung auf die Handelsströme. Die EU plant den vollständigen Importstopp für bestehende langfristige Verträge erst zum 1. Januar 2027. Umweltorganisationen fordern daher, dass das nächste Sanktionspaket vor allem die Schlupflöcher für die unverzichtbare Arc7-Tankerflotte schließt, um den Druck auf Moskow weiter zu erhöhen.

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Anna Richter

Über den Autor

Anna Richter leitet das Weltressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet ueber internationale Politik, Diplomatie und geopolitische Entwicklungen mit Fokus auf Kontext, Verlaesslichkeit und Relevanz fuer deutschsprachige Leser.

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