Der britische Premierminister Andy Burnham hat im Oktober 2026 erklärt, dass Russland in das Brexit-Referendum von 2016 eingegriffen habe. Die Äußerung auf einem Podcast stößt auf heftige politische Reaktionen und markiert einen historischen Kurswechsel in London.
Andy Burnham bricht mit dem Tabu frühere Regierungen
Der britische Premierminister Andy Burnham hat als erster Regierungschef des Landes offen eingeräumt, dass es Beweise für eine russische Einflussnahme auf das Brexit-Referendum im Juni 2016 gibt. In einer am Sonntag veröffentlichten Ausgabe des Podcasts The Rest Is Politics schilderte der Premierminister, er habe unmittelbar nach seinem Amtsantritt im Juli die zuständigen Stellen befragt, ob Moskau damals interveniert habe.
Andy Burnham erklärte laut Reuters: „Als ich in die Downing Street kam, stellte ich die Frage: Gab es eine Einmischung Russlands in das Referendum von 2016?

Diese Darstellung bricht radikal mit der offiziellen Linie früherer konservativer Regierungen. Noch im Jahr 2020 hatte der damalige Premierminister Boris Johnson steif und fest behauptet, den Sicherheitsdiensten zufolge habe es keinerlei erfolgreiche Einmischung Moskaus bei der Abstimmung gegeben, bei der sich 52 Prozent der Briten für den EU-Austritt ausgesprochen hatten. Ein im Jahr 2020 veröffentlichter Bericht des parlamentarischen Ausschusses für Nachrichtendienste und Sicherheit kam seinerzeit zu dem Ergebnis, dass die Regierung es versäumt hatte, die potenziellen Auswirkungen staatlich gesteuerter Medien und sogenannter Troll-Konten angemessen zu untersuchen. Burnham äußerte die Auffassung, der damalige EU-Austritt habe dem Land mehr geschadet als genützt, und brachte seither wiederholt eine mögliche Rückkehr in die europäische Staatengemeinschaft ins Gespräch. Professor Iain Begg von der London School of Economics gibt zu bedenken, dass ein Wiedereintritt des Vereinigten Königreichs alte politische Gräben aufreißen, auf beiden Seiten erhebliche regulatorische und politische Komplexitäten mit sich bringen und vermutlich viele Jahre in Anspruch nehmen würde.
Reaktionen und heftiger Streit über die Legitimität des Brexit
Die Downing Street versuchte in den Folgetagen, die innenpolitischen Wogen zu glätten. Ein Regierungssprecher betonte, dass der Premierminister das Referendumsergebnis für völlig legitim halte. Zwar sei es inconceivable
(unvorstellbar), dass Russland die Abstimmung nicht zu seinen Gunsten nutzen wollte, doch glaube der Premier nicht, dass die Intervention den Ausgang entscheidend beeinflussen konnte. Der Regierungsbeamte bekräftigte ausdrücklich, dass Burnham das Resultat der Volksabstimmung voll und ganz akzeptiere. Vor dem Hintergrund des anstehenden und voraussichtlich kontrovers geführten Streits über die Pläne des Premierministers für eine engere Anbindung an die Europäische Union versuchte zuvor auch der Regierungsminister Stephen Doughty während einer Reihe von Fernseh- und Radioauftritten am Montag, Burnhams Behauptungen über eine russische Einreise abzumildern. Doughty erklärte hierbei, Moskau habe zwar entsprechende Versuche unternommen, sei jedoch bei dem Versuch gescheitert, das Resultat des Referendumsergebnisses von vor zehn Jahren zu steuern. Auf scharfe Kritik stießen die Aussagen unter anderem beim Liberalen-Demokraten-Chef Sir Ed Davey, der sich demonstrativ hinter den Regierungschef stellte und betonte, eine solche Klarstellung sei überfällig gewesen, nachdem die Konservativen die Wahrheit jahrelang vertuscht hätten. Der frühere EU-Gegner und Reform-UK-Chef Nigel Farage nannte den Premierminister einen Lügner und bezeichnete die Vorwürfe als ein von Anfang an durchgehendes russisches Täuschungsmanöver. Die pro-brexit-orientierte Kampagnengruppe Britain Unbound sprach von einem plumpen Versuch, den Willen der Wählerschaft im Jahr 2016 nachträglich zu delegitimieren, und fügte hinzu, es sei zudem beleidigend anzunehmen, dass sich die Wählerinnen und Wähler derart leicht hätten hinters Licht führen lassen.
Warnung vor Desinformation in Deutschland und Frankreich
Neben der britischen Vergangenheit richtete Burnham den Blick auf die aktuelle europäische Sicherheitslage. In dem Podcast warnte er davor, dass westliche Demokratien zu zögerlich agierten und die Bürger nicht ausreichend über ausländische Destabilisierungsversuche aufgeklärt würden. Er verwies dabei auf Gespräche mit dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz während seiner Berlin-Reise. Der amtierende Regierungschef betonte, er habe mit dem deutschen Kanzler über die Bedrohungslage und die politischen Herausforderungen gesprochen, denen man gemeinsam begegnen müsse.

Ein Regierungssprecher in London untermauerte den Kurs mit dem Hinweis, dass Großbritannien seine Abwehrmaßnahmen gegen hybride Bedrohungen durch den National Security Act und engere Kooperationen mit Partnern wie Deutschland kontinuierlich verstärke.
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