Die an der Medizinischen Hochschule Hannover geleitete DIGIT-HF-Studie weist einen Zusatznutzen von Digitoxin bei schwerer Herzschwäche nach.
Im Zentrum der aktuellen medizinischen Diskussion stehen zwei wegweisende Entwicklungen im Bereich der Kardiologie und der Langzeitbetreuung von Patienten. Die im New England Journal of Medicine veröffentlichte DIGIT-HF-Studie belegt, dass eine Zusatztherapie mit dem Herzglykosid Digitoxin bei fortgeschrittener Herzschwäche messbare Vorteile bringt. Parallel dazu zeigen langfristige Ergebnisse bei pädiatrischen Krebsüberlebenden, dass der Schutz des Herzens während einer Chemotherapie jahrzehntelang nachwirken kann.
DIGIT-HF-Studie: Digitoxin verringert Risiko bei schwerer Herzschwäche
Die von der Medizinischen Hochschule Hannover geleitete Untersuchung zeigt, dass eine zusätzliche Gabe des Herzglykosids Digitoxin bei Patienten mit fortgeschrittenem Herzschwäche und reduzierter Auswurffraktion sowohl die Sterblichkeit als auch die Anzahl von Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz senkt. Winterstein-Preis ausgezeichnet.
„In der Versorgung von Patienten mit Herzschwäche sind die Ergebnisse der DIGIT-HF-Studie von großen Bedeutung, weil Digitoxin jetzt eine gesicherte weitere Therapieoption für Patienten mit der fortgeschrittenen Herzschwäche HFrEF darstellt.“
An der Untersuchung nahmen mehr als 1.200 Patienten in rund 50 Zentren in Deutschland, Österreich und Serbien teil. Nach einer mittleren Beobachtungszeit von rund drei Jahren lag das kombinierte Risiko für erneute Klinikaufenthalte oder vorzeitiges Versterben in der Digitoxin-Gruppe um 18 Prozent niedriger als in der Vergleichsgruppe.
Sicherheit und neue Therapieoptionen bei Vorhofflimmern
Die Untersuchung der Medizinischen Hochschule Hannover bestätigt erstmals, dass Herzglykoside auch bei Patienten mit Herzschwäche und gleichzeitigem Vorhofflimmern sicher eingesetzt werden können. Etwa 70 Prozent der Teilnehmenden befanden sich im fortgeschrittenen NYHA-Stadium III oder IV.
Die Auswertung ergab zudem, dass Digitoxin im Gegensatz zu anderen Substanzen wie Digoxin bei gestörter Nierenfunktion ohne ständige Spiegelkontrollen angewendet werden kann. Rund vier Millionen Menschen sind in Deutschland von Herzschwäche betroffen.
Dexrazoxan schützt das Herz junger Krebspatienten über Jahrzehnte
Einen anderen Schwerpunkt setzt die im Journal of Clinical Oncology publizierte Studie zu den Langzeitfolgen von Krebsbehandlungen bei Kindern und Jugendlichen. Die Untersuchung widmet sich den kardioprotektiven Eigenschaften des Wirkstoffs Dexrazoxan bei Patienten, die Anthrazykline wie Doxorubicin erhalten haben.
Die Forscher kooperierten unter anderem mit Eric Chow vom Fred Hutchinson Cancer Center und Steven Lipshultz von der University of Buffalo. Die Ergebnisse stützen sich auf die Begleitung von fast 900 Überlebenden von Krebs im Kindesalter, wobei knapp 200 Teilnehmer für mehr als 15 Jahre nach Ende der Behandlung beobachtet wurden.
Ausblick auf angepasste Nachsorge und Screening-Empfehlungen
Patienten, die den Schutzstoff erhielten, zeigten in späteren Echokardiogramm-Untersuchungen deutlich gesündere Herzstrukturen.

„Now that we’ve established there’s this benefit, and the majority of cancer patients do receive this drug, we will hopefully be able to decrease the frequency of their echocardiograms as they age, although we need to keep studying these survivors to better understand how their cardiovascular health changes as they enter their 50s and 60s.“
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