Bundeskanzler Friedrich Merz steht unter starkem Druck bei der Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Während die CSU die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner favorisiert und auch die SPD diesen Kurs unterstützt, bringt die CDU nun die hessische Landtagsfraktionschefin Ines Claus als mögliche Kandidatin ins Spiel.
Die Personalie Ines Claus bringt neue Dynamik in die unionsinterne Debatte
Die Diskussion um die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue hat eine überraschende Wendung genommen. Bis vor Kurzem schien die CSU-Politikerin Ilse Aigner als Favoritin für das höchste Staatsamt gesetzt, nachdem Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sie im Frühling und auf dem CSU-Parteitag nachdrücklich ins Spiel gebracht hatte. Nun wird jedoch in der CDU der Name Ines Claus genannt.
Claus ist am 28. Juli 1977 in Bochum geboren, römisch-katholisch, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie ist seit 1998 Mitglied der CDU und führt seit April 2020 als Vorsitzende die CDU-Landtagsfraktion in Hessen. Darüber hinaus gehört sie seit 2022 dem Präsidium der CDU Deutschland an und wurde im Jahr 2026 zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Partei gewählt. Bereits vor sechs Jahren bewies sie Überraschungspotenzial, als sie damals vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier als Nachfolgerin für den Fraktionsvorsitz im Hessischen Landtag präsentiert wurde, obwohl sie zu jener Zeit erst seit einem Jahr dem Parlament angehörte. Kritiker führten damals und führen heute an, dass ihr jegliche Regierungserfahrung auf Bundesebene fehlt. Dennoch gilt sie in der persönlichen Begegnung als gewinnend und pflegt das Image einer Politikerin mit starker Basisverbundenheit, die Probleme nicht aus der Zeitung, sondern am eigenen Küchentisch erfährt. Als große Stärke wird unter anderem hervorgehoben, dass die gebürtige Bochumerin Volljuristin ist. Dies könne sich in einer möglichen politischen Krise nach der kommenden Bundestagswahl als entscheidender Vorteil erweisen. In ihrer Partei gilt sie als klassische Vertreterin der Volkspartei, die wenig mit Kulturkampf anfangen kann.

Allerdings wird von anderer Seite in der Deutschen Presse-Agentur auch kritisiert, dass maßgebliche Parteipolitiker die Personalie skeptisch betrachten oder sogar als absurd zurückweisen, da ihr jedes bundespolitische Profil fehle und eine Kandidatur scheitern könne. Die Bundespräsidentenwahl durch die Bundesversammlung ist für den 30. Januar 2027 angesetzt. Zu den Spekulationen um ihre Person erklärte Claus gegenüber der ARD:
Wir führen gerade eine Profildebatte und haben viele wichtige Aspekte identifiziert.
Ines Claus, Fraktionsvorsitzende der CDU im hessischen Landtag, via Tagesschau
Zudem betonte sie, es gelte, ein geordnetes Verfahren innerhalb der Partei mit den Ministerpräsidenten, den Führungsgremien von CDU und CSU sowie dem Koalitionspartner SPD einzuhalten. Zu ihrer Nennung sagte sie: Es ist für mich eine große Ehre, in diesem Zusammenhang genannt zu werden. Aus dem Umfeld von Bundeskanzler Friedrich Merz wurde ein Bericht der Rheinischen Post, wonach Merz Claus favorisiere, allerdings klar dementiert. Die CDU-Zentrale selbst hielt sich in der Causa zunächst bedeckt.
SPD und CSU erhöhen den Druck auf den Bundeskanzler
Die offene Personalfrage wird zunehmend zu einer Belastungsprobe für den Bundeskanzler und wirft für Friedrich Merz ein Autoritätsproblem auf. Miersch stellte die Frage, worauf man eigentlich noch warte und ob Aigner nicht längst über Parteigrenzen hinweg eine Mehrheit hinter sich habe, bevor er erklärte: Ich wäre dabei! Miersch leitet die Gruppe der 120 SPD-Bundestagsabgeordneten, die bei der Bundesversammlung über die Nachfolge mitentscheiden. Zuvor hatte der Kanzler auf dem CSU-Parteitag Ilse Aigner mit Wangenküsschen begrüßt. Dennoch entsteht durch die Einlassungen aus der SPD de facto eine Konstellation aus CSU und SPD, die Aigner unterstützt, während die CDU in einer Zwickmühle steckt.
"CDU-Frau Ines Claus aus Hessen hat offenbar die Unterstützung von Parteichef Friedrich Merz…Die 49-Jährige ist nach Informationen der Zeitung die Favoritin von Kanzler Merz."Sage, dass der Bundespräsident letztlich ein Frühstücksdirektor ist, ohne dieses Wort zu verwenden https://t.co/Y8FAIDNBWY
— https://x.com/jochen_berlin/status/2115109050660655252
Aus Sicht der CDU steht viel auf dem Spiel. Dennoch ist die Partei uneins, denn während die CSU Ilse Aigner wählt, verfolgt die CDU andere Pläne. Aus der CDU verlautete ferner, dass eine Entscheidung am 9. November in den Gremien fallen soll und auch ein männlicher Kandidat durchaus denkbar wäre. Stephan Toscani, der saarländische CDU-Chef, äußerte gegenüber der Rheinischen Post die Erwartung, dass die Parteiführungen in den kommenden Tagen eine Entscheidung herbeiführen und die öffentliche Debatte beenden. Kritik kam auch von außen: Die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Katharina Dröge, bemängelte, dass die Spekulationen so lange öffentlich geführt werden und ausgerechnet von der Kanzlerpartei befeuert wurden, was sie als unprofessionell und schädigend bezeichnete. Die Grünen fordern ihrerseits, dass erstmals nach 75 Jahren eine Frau das höchste Staatsamt bekleidet.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei nannte bei Welt TV Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bildungsministerin Karin Prien sowie die ehemalige CDU-Vorsitzende und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die heute der Konrad-Adenauer-Stiftung vorsteht, als geeignete Kandidatinnen aus den eigenen Reihen. Während Kramp-Karrenbauer und Prien in der Partei jedoch wenig Rückhalt genießen sollen, könnte Julia Klöckner beim Koalitionspartner SPD auf Widerstand stoßen. Auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth, wurde in den vergangenen Monaten genannt. Die endgültige Entscheidung der CDU-Parteigremien wird für den Monat November erwartet, bevor die Bundesversammlung das neue Staatsoberhaupt am 30. Januar 2027 wählen wird.

Der saarländische CDU-Chef Stephan Toscani äußerte gegenüber der Rheinischen Post die Erwartung, dass die Parteiführungen in den nächsten Tagen eine Entscheidung herbeiführen, um die öffentliche Personaldebatte zu beenden.
Auch CDU-Präsidiumsmitglied Wiebke Winter äußerte sich im Deutschlandfunk zu der Personalie und erklärte, sie halte Ilse Aigner für eine wirklich tolle Frau.

Aus der Unionsfraktion im Bundestag wurde zudem mit Blick auf Julia Klöckner daran erinnert, dass die Partei mit ihr über eine souveräne Bundestagspräsidentin verfügt, die weit über die Parteigrenzen hinweg große Anerkennung genießt.
Die Deutsche Presse-Agentur berichtete darüber hinaus, dass maßgebliche CDU-Politiker die Nennung von Ines Claus kritisch sehen oder sogar als absurd zurückweisen, da ihr jedes bundespolitische Profil fehle und eine solche Kandidatur schiefgehen werde.
Der CDU Move mit (*googelt) Ines Claus ist genial. Ältere SPD-Leute in der Bundesversammlung werden sie für Anke Rehlinger halten. 💡@K_Moessbauer #TarnenUndTäuschen #Bundespräsidentin pic.twitter.com/dkbRzXYcXF
— https://x.com/jacktbernhard/status/2115134708514484374
Aus dem Umfeld von Friedrich Merz wurde zudem betont, dass sich der Kanzler bis dato weder auf eine bestimmte Person festgelegt noch einen offiziellen Vorschlag unterbreitet hat.
Der CSU-Vorsitzende Markus Söder hatte Ilse Aigner bereits im Frühling ins Spiel gebracht und auf dem jüngsten CSU-Parteitag erneut betont, dass die Oberbayerin die Wunschlösung seiner Partei für das höchste Staatsamt ist.
Mit der Wahl am 30. Januar 2027 steht der Union und dem Kanzler ein entscheidender Termin bevor, bei dem die Mehrheitsverhältnisse in der Bundesversammlung aus den Bundestagsabgeordneten sowie einer gleichen Anzahl von Delegierten der Landesparlamente über die Nachfolge entscheiden werden.

Die Debatte verdeutlicht aus Sicht von Beobachtern, dass Friedrich Merz nach verlorenen Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie angesichts schleppender Regierungsarbeit unter starkem Zugzwang steht, um innerparteiliche Autorität zu demonstrieren.
Unionsfraktionschef Thorsten Frei betonte in diesem Zusammenhang, dass man aus Respekt vor dem Amt keine monatelangen Debatten über geeignete Kandidatinnen führen wolle, auch wenn man zeitlich nicht unter absolutem Druck stehe.
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