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Gesundheit

Cambridge-Studien belegen: Lesen schützt vor kognitivem Abbau

Geistig anregende Aktivitäten stärken die kognitive Reserve und schützen bis ins hohe Alter vor geistigem Abbau.

Das Lesen von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern erweist sich als wirksames Mittel zum Schutz vor kognitivem Abbau. Eine Untersuchung an fast 5.500 Erwachsenen ab 55 Jahren belegt, dass geistig anregende Tätigkeiten über einen fünfjährigen Beobachtungszeitraum das Auftreten von Denk- und Gedächtnisproblemen deutlich verringern laut der im Fachjournal Psychological Medicine veröffentlichten Forschung aus Cambridge. Die Wissenschaftler ermittelten dabei eine direkte Verbindung zwischen regelmäßiger Lektüre und einem um 33 Prozent gesenkten Alzheimer-Risiko.

Cambridge-Forschung zu den lebenslangen Vorteilen des Lesens

Die positiven Effekte beginnen bereits in jungen Jahren und begleiten den Menschen durch alle Lebensphasen. Mithilfe einer Untersuchung über die gesamte Lebensdauer fand ein britisches Wissenschaftsteam der Universität Cambridge heraus, dass das Lesen aus Freude – ob individuell oder gemeinsam – vielfältige positive Effekte mit sich bringt: Diese reichen von einer besseren körperlichen und mentalen Verfassung bis hin zu akademischen Erfolgen und einem verminderten Demenzrisiko. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Psychological Medicineveröffentlicht.

Cambridge-Studien belegen: Lesen schützt vor kognitivem Abbau
Foto: cordis.europa.eu

Die wichtigsten Erkenntnisse stammen aus einer Studie mit mehr als 10.000 jungen Menschen. Dass ein früher Einstieg in das freudvolle Lesen bei Kindern tiefgreifende Vorzüge mit sich bringt, belegten die Auswertungen: So zeigten sich unter anderem eine gesteigerte Konzentrationsfähigkeit und Merkspanne, optimierte Problemlösungskompetenzen, höhere Schulerfolge, rückläufige psychische Beschwerden sowie vorteilhafte Routinen wie ein verbesserter Schlaf und reduzierte Bildschirmzeiten. Dass bereits fünf Minuten fiktionale Lektüre den Stresspegel um bis zu 20 Prozent mindern können, ergab eine Erhebung von The Queen’s Reading Room aus dem Jahr 2024; zudem gaben 38 Prozent der Erwachsenen im Rahmen einer britischen Befragung an, dass Lesen ihre bevorzugte Methode zum Abschalten ist.

Rückgang der Leseleistungen bei Jugendlichen im globalen Vergleich

Dem Nutzen des Buches steht eine besorgniserregende Entwicklung bei der heranwachsenden Generation gegenüber. Wegen sinkender Freizeitkontingente und einer stetig wachsenden Fülle an digitalen Störfaktoren schwindet das Lesen als Freizeitbeschäftigung bei Erwachsenen kontinuierlich. Noch alarmierender ist die Situation bei der jüngeren Generation.

Review: Reading Slashes Risks of Developing Dementia by One-Third | WION

Als hilfreich gilt hierbei, zunächst Medien wie Videospiele oder Fernsehformate heranzuziehen, die den persönlichen Vorlieben der Kinder entsprechen, und diese als Brücke zu nutzen. Auch Comics und Graphic Novels bieten sich als leichter zugängliche Einstiege an, da sie im Vergleich zu klassischen Romanen oft weniger einschüchternd und möglicherweise kurzweiliger wirken.

Lesen ist eine tolle Möglichkeit, um unsere Hirngesundheit zu fördern, wichtige kognitive Fähigkeiten zu entwickeln und unser Wohlbefinden zu steigern.

Barbara Sahakian, Professorin am Fachbereich für Psychiatrie der Universität Cambridge

Soziale Lesegruppen als Schutzfaktor gegen Demenz im Alter

Nicht nur das stille Lesen im Alleingang entfaltet schützende Wirkungen für das Gehirn. Gemeinsame Lesekreise und Literaturgesellschaften können laut Sahakian zusätzliche Vorteile bieten, die über das private Lesen hinausgehen. Durch den sozialen Austausch in gemeinsamen Lesekreisen und Gruppen ergeben sich offenbar zusätzliche Pluspunkte, welche die soziale Verbundenheit stärken, Gefühle der Isolation mindern und erwiesenermaßen dem Demenzrisiko entgegenwirken.

Um die spezifischen Auswirkungen gezielter Übungen zu ermitteln, analysierte eine im September 2026 im Fachblatt Lancet Primary Care erschienene Untersuchung Daten von 11.563 Teilnehmern im Alter zwischen 60 und 85 Jahren aus Wales, England und Schottland. Laut Studienleiter Paul Little von der University of Southampton sind diese Effekte primär auf das Lösen von Rätseln zurückzuführen, da die Studienteilnehmer ohnehin bereits körperlich aktiv waren und auf eine gesunde Ernährung achteten. Richard Oakley von der Alzheimer’s Society betonte diesbezüglich, dass sich die Untersuchung auf beginnende Gedächtnisschwierigkeiten und nicht auf bereits diagnostizierte Demenzerkrankungen bezog.

Gleichzeitig verweisen Fachleute auf Grenzen: Eine Untersuchung an 655.118 Frauen in Großbritannien offenbarte, dass der positive Zusammenhang zwischen Leseverhalten und Demenzprävention nach einem Zeitraum von zehn Jahren nachließ. Um eine feste Lesegewohnheit zu etablieren, empfiehlt es sich, überschaubare Ziele wie zehn abendliche Seiten oder ein 20-minütiges Zeitfenster nach dem Frühstück zu wählen und zu gedruckten Büchern zu greifen, um Ablenkungen zu minimieren.

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Dr. Lena Hartmann

Über den Autor

Dr. Lena Hartmann leitet das Gesundheitsressort von Germanic Nachrichten. Sie berichtet seit ueber zehn Jahren ueber Praevention, Medizinpolitik und digitale Gesundheit und legt besonderen Wert auf verstaendliche, quellenbasierte Einordnung.

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