Das aus dem Haus von Wirtschafts– und Energieministerin Katherina Reiche (CDU) stammende Gesetz sieht vor, dass Netzbetreiber Anträge auf Anschluss künftig ablehnen dürfen.
Neue Befugnisse für Netzbetreiber
Ab 2027 sollen erneuerbare Energien einen Teil ihrer bisherigen Privilegien verlieren. Kernpunkt der Neuregelung ist die Möglichkeit für Netzbetreiber, bestimmte Gebiete als kapazitätslimitiert einzustufen. Diese Einstufung wird bei der Bundesnetzagentur öffentlich einsehbar sein und kann laut Entwurf für bis zu sechs Jahre gelten, mit der Option auf eine einmalige Verlängerung um weitere eineinhalb Jahre.
Die Einstufung erfolgt technologiespezifisch. Das bedeutet, dass eine Region beispielsweise für die Windkraft als kapazitätslimitiert gelten kann, während Solaranlagen dort weiterhin problemlos angeschlossen werden dürfen, oder umgekehrt.
Hintergrund und wirtschaftliche Folgen
Grund für die Neuregelung ist, dass der Ausbau von Wind- und Solaranlagen schneller voranschreitet als der Ausbau der Stromnetze. Dies führt dazu, dass Netzbetreiber Anlagen immer häufiger drosseln oder abschalten müssen, um eine Überlastung der Leitungen zu vermeiden.
Für Investoren erschwert dies die Erstellung verlässlicher Ertragsprognosen, da Wetter, Stromverbrauch und der Netzausbau schwer vorhersehbar sind. In der Branche besteht die Sorge, dass Banken Kredite für solche Projekte künftig zu höheren Zinsen vergeben könnten.
Betroffene Regionen
Welche Regionen konkret als kapazitätslimitiert eingestuft werden, ist derzeit nicht genau absehbar. Eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Enervis im Auftrag von Green Planet Energy analysierte das Abregelungsvorkommen von 2025. Obwohl diese Analyse eine Schwelle von drei Prozent nutzte – im beschlossenen Entwurf sind es fünf Prozent –, wären damals 90 Landkreise betroffen gewesen. Dies betraf vor allem Bayern sowie die Nord- und Ostseeküste.

Nach Technologien aufgeschlüsselt hätten 73 Landkreise die Kriterien für Solarenergie und 50 für Windenergie erfüllt. Solarstrom stünde demnach vor allem in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern vor Herausforderungen, während bei der Windenergie Brandenburg, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt sowie die gesamte Küstenregion im Fokus stünden.
Auch interessant