Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beließ am Donnerstag ihren Leitzins bei 0 Prozent, um die Preisstabilität zu wahren und die Wirtschaft zu stützen. Die Entscheidung schwächte den Schweizer Franken gegenüber dem Dollar und dem Euro, da die Währung als Anlage weniger attraktiv wird. Die Inflation in der Schweiz liegt derzeit bei lediglich 0,6 Prozent.
Währungsdruck: Der Franken verliert an Boden
Die Entscheidung der SNB, die Zinsen unverändert zu lassen, schlug unmittelbar auf den Devisenmarkt über. Da der Franken als Anlagewährung an Attraktivität verliert, sank sein Kurs am Dienstagmorgen gegenüber dem US-Dollar um rund 0,8 Prozent auf 0,8004 Einheiten, wie Blick berichtet. Ein Niveau, das zuletzt Anfang April erreicht worden war.

Auch gegenüber dem Euro gab die Schweizer Valuta nach. Der Kurs sank um 0,2 Prozent, womit ein Euro nun 0,9215 Franken wert ist. Trotz der Volatilität an den Energiemärkten, die durch Spannungen im Nahen Osten befeuert wurde, sah sich die Nationalbank nicht zum Handeln gezwungen. Ein stabiler Arbeitsmarkt und die niedrige Teuerungsrate bildeten das Fundament für diesen Schritt.
Zinsdivergenz: SNB gegen den globalen Trend
Während die SNB die Füße stillhält, haben andere führende Notenbanken bereits die Zinswende vollzogen. Die SNB widersetzt sich damit einem Trend, den insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) und die japanische Notenbank eingeleitet haben, berichtet SRF.

Die Datenlage zur EZB zeigt dabei unterschiedliche Berichte: Während SRF von einem Anstieg der Leitzinsen auf 1 Prozent spricht, nennt die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) einen Zinsschritt auf 2,25 Prozent im Juni. In den USA hielt die Notenbank ihre Zinsen zwar ebenfalls stabil, allerdings auf einem deutlich höheren Niveau zwischen 3,5 und 3,75 Prozent.
Diese Divergenz ist kein Zufall, sondern das Ergebnis massiver Unterschiede bei der Inflation.
| Region | Inflationsrate | Zinsstrategie |
|---|---|---|
| Schweiz | 0,6 % | Stabil bei 0 % |
| Euro-Zone | 3,2 % | Steigend |
| USA | 4,2 % | Hoch (3,5 – 3,75 %) |
Inflationsschutz und die Rolle des starken Frankens
Die SNB-Präsident Martin Schlegel und seine Kollegen agieren aus einer komfortablen Position. Die Inflationsrate stieg von Januar bis Mai lediglich von 0,1 Prozent auf 0,6 Prozent und liegt damit sicher im Zielband zwischen 0 und 2 Prozent. Im Gegensatz dazu kämpfen die USA und die Euro-Zone mit Raten, die weit über ihren Zielen liegen, was die Gefahr einer dauerhaften Teuerungsmentalität in der Bevölkerung erhöht.
Ein entscheidender Faktor für die niedrige Inflation in der Schweiz ist paradoxerweise die Stärke des Frankens. Eine starke Währung verbilligt Importe und reduziert so den Import von Inflation aus dem Ausland. Gleichzeitig verteuert ein zu starker Franken jedoch die Schweizer Exporte, was die Wirtschaft belasten kann.
Die SNB signalisierte daher, dass sie weiterhin bereit ist, am Devisenmarkt zu intervenieren, sollte der Franken rasch und übermäßig
erstarken. Interessant ist hierbei eine leichte Nuancierung in der Kommunikation: Die Bank teilte mit, dass ihre Bereitschaft zur Intervention bei Bedarf
erhöht sei. Marktbeobachter werten diesen neuen Passus als leichte Abschwächung der Entschlossenheit aufgrund der aktuellen Ruhe am Devisenmarkt.
Ausblick: Prognosen für 2026 bis 2028
Die Nationalbank geht davon aus, dass ihre aktuelle Geldpolitik angemessen ist, um die Wirtschaft zu stützen und die Preise stabil zu halten. Laut 20 Minuten prognostiziert die SNB, dass die Inflation im Gesamtjahr 2026 sowie 2027 bei 0,6 Prozent bleiben wird.

Für das Jahr 2028 wird eine leichte Steigerung der Inflation auf 0,8 Prozent erwartet. Damit bleibt die Schweiz weit unter dem Niveau ihrer wichtigsten Handelspartner. Die SNB behält sich vor, die Geldpolitik bei Bedarf anzupassen, verschwendet aber derzeit kein Pulver in einem schwierigen globalen Umfeld.
Markteuphorie trotz Zinsstagnation
Während die Zinsentscheidung den Franken belastete, sorgten geopolitische Entwicklungen für Aufwind an den Börsen. Ein Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Beendigung des Krieges im Nahen Osten löste eine Welle der Euphorie aus. Der Schweizer Leitindex SMI startete mit einem Plus von knapp 1 Prozent in den Handel und nähert sich wieder der Schwelle von 14.000 Punkten.
- Bitcoin: Stieg um 4 Prozent auf knapp 66.500 US-Dollar, da ein Friedensdeal den globalen Inflationsdruck mittelfristig senken könnte.
- SpaceX: Die Aktie kletterte an der Nasdaq um 5,9 Prozent auf rund 170 Dollar.
- Elon Musk: Der SpaceX-Gründer prognostizierte für 2030 einen Umsatz von 1 Billion Dollar, was einer 66-fachen Steigerung gegenüber 2025 entspräche.
Für die SNB bleibt die Lage komplex. Einerseits schützt der starke Franken vor Inflation, andererseits gefährdet er die Exportwirtschaft. Indem die Bank die Zinsen bei null belässt, vermeidet sie eine weitere Aufwertung des Frankens und hält sich gleichzeitig Optionen offen, sollte die Energiekrise die Schweizer Wirtschaft stärker abbremsen als bisher angenommen.
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