Zum Inhalt springen
Nachrichten

Bob Dylan im Zürcher Hallenstadion mit reduziertem Blues-Set

Bob Dylan betrat im Zürcher Hallenstadion die Bühne. Das Konzert der Never Ending Tour bot kaum vertraute Hits, dafür eine in dunkle Kapuzen gehüllte Performance, strenge Smartphone-Verbote und ein auf das Wesentliche reduziertes Blues-Set.

Das Zürcher Konzert im Hallenstadion und die verweigerten Hits

Wer im Zürcher Hallenstadion auf Radio-Klassiker hoffte, wurde enttäuscht. Große Stücke wie Like a Rolling Stone, Blowin’ in the Wind oder All Along the Watchtower blieben aus, oder sie waren in den Arrangements kaum wiederzuerkennen. Stattdessen stand ein in eine schwarze Kapuze gehüllter Musiker hinter dem Klavier, der sich vor einem schlichten schwarzen Vorhang und wenigen Glühbirnen präsentierte. Die Berichterstattung zeigt einen Künstler, der Bekanntes konsequent umschreibt: Tangled Up in Blue blieb eine schlichte Silhouette, während It Ain’t Me, Babe zu einer Soft-Pop-Nummer geriet. Einen ersten musikalischen Lichtblick lieferte ausgerechnet ein Cover von Bo Diddleys I Can Tell.

Da das Konzert auf den Día de los Muertos fiel, ließ sich dieser Auftakt auch als Totengedenken interpretieren. Mit diesem Song sowie den Stücken High Water (For Charley Patton) und Goodbye Jimmy Reed verneigte sich der Musiker vor musikalischen Ahnen. Die Band agierte routiniert, wobei der langjährige Bassist Tony Garnier und der Gitarrist Mike Seal versuchten, das unvorhersehbare Spiel zu tragen. Dylan selbst nuschelte eher, als dass er sang, und suchte die Magie des Unfertigen.

Bob Dylan im Zürcher Hallenstadion mit reduziertem Blues-Set

Strenge Smartphone-Verbote und logistischer Aufwand im Hallenstadion

Ein zentraler Aspekt des Abends war das strikte Handyverbot. Bereits beim Einlass mussten Zuschauer ihre Mobiltelefone in verriegelte Beuteln abgeben. Laut Berichten setzte der Künstler bereits 2023 beim Montreux Jazz Festival auf solche Yondr-Beutel. Der logistische Aufwand vor Ort war enorm. Allein für die Umsetzung dieses Verbots waren im Hallenstadion 80 bis 100 Leute für die Umsetzung im Einsatz, wie Hallenstadion-CEO Philipp Musshafen erklärte.

Zwar brachte das Warten ohne digitale Geräte die Menschen nach Angaben der Beobachter vermehrt ins Gespräch und vereinzelt wurden sogar Bücher gezückt, doch intensiver fiel das eigentliche Konzerterlebnis dadurch nicht aus. Der Künstler selbst blieb für das Publikum weitgehend unzugänglich.

Bob dylan konzert plakat hallenstadion zurich

Anonymität hinter der Kapuze und das musikalische Finale

Mit seiner schwarzen Kapuze und der totalen Abschottung trieb der 85-Jährige seine oft zitierte Haltung auf die Spitze. Ich versuche eine anonyme Person zu sein, hatte er einst formuliert. Im Hallenstadion schaukelte er in sich versunken hinter dem Instrument, vermied jeglichen Blickkontakt und verzichtete komplett auf Ansagen zwischen den Liedern.

Erst gegen Ende des Abends zog das Tempo an. Beim vorletzten Stück, dem R&B-Stomper Goodbye Jimmy Reed, drehte die Band auf und riss die Halle mit. Es folgte Every Grain of Sand, ehe der Abend mit stehendem Applaus des Publikums endete – einem Applaus, der wohl vor allem der lebenden Legende galt. Ob diese Station das endgültige Ende der Never Ending Tour markiert, bleibt ungewiss.

Teilen Facebook X WhatsApp E-Mail
Jonas Becker

Über den Autor

Jonas Becker verantwortet das Nachrichtenressort von Germanic Nachrichten. Sein Fokus liegt auf schneller, praeziser und sauber verifizierter Berichterstattung zu Politik, Gesellschaft und aktuellen Entwicklungen in Deutschland.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.