Am 18. Mai 2025 griff ein 36-jähriger Syrer mit Messer und selbstgebasteltem Stockdegen vor einer Bielefelder Bar fünf junge Menschen an, davon vier Fußballfans. Vier der Opfer erlitten schwere Verletzungen, darunter lebensbedrohliche Stichwunden.
Ein gestandener Anschlag mit islamistischem Hintergrund
Der mutmaßliche Attentäter Mahmoud Mhemed hat vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gestanden, am 18. Mai 2025 in der Bielefelder Innenstadt gezielt auf junge Menschen eingestochen zu haben. Laut Gerichtsunterlagen und Ermittlerberichten handelte es sich um einen geplanten Angriff mit islamistischem Hintergrund. Mhemed, der über subsidiären Schutz verfügte, soll bereits 2014 dem „Islamischen Staat“ (IS) beigetreten sein und bis 2016 in Syrien als Wach- und Grenzposten gearbeitet haben. Die Bundesanwaltschaft führt die Ermittlungen, da Hinweise auf eine radikale Radikalisierung und Kontakte zu islamistischen Kreisen vorliegen.
Mhemeds Verbindung zum IS und seine Radikalisierung seit 2014
Die Ermittlungen ergaben, dass Mhemed sich gezielt auf den Anschlag vorbereitet hatte. Bereits am 9. und 15. Mai 2025 kaufte er in einer Woolworth-Filiale zwei Messer, jeweils 18 Zentimeter lang. Am 11. Mai wählte er sein Anschlagsziel aus und wurde dabei von einer Überwachungskamera aufgezeichnet. In seiner Wohnung fanden Ermittler handschriftliche Notizen in arabischer Sprache, die auf eine intensive Auseinandersetzung mit einer salafistischen Auslegung des Islam hinweisen. Zudem entdeckten sie einen handgezeichneten Zettel mit dem schwarzen Banner des IS.
Taktik des Angreifers und die Rolle der Zivilcourage
Gegen 4:20 Uhr mischte sich Mhemed unter eine Gruppe feiernder Gäste vor der Szene-Bar „Cutie“ in der Bielefelder Große-Kurfürsten-Straße. Er tarnte sich als hilfsbedürftiger Mann, gestützt auf einen präparierten Gehstock, der mit einem Messer als „Stockdegen“ umfunktioniert worden war. Während des Angriffs rief er „Allahu Akbar“ und verletzte mindestens fünf Menschen: vier Männer zwischen 22 und 27 Jahren sowie eine 26-jährige Frau. Vier der Opfer erlitten schwere Verletzungen, zwei von ihnen schwebten zeitweise in Lebensgefahr.
Besonders tragisch verlief der Angriff für einen 26-jährigen Arminia-Bielefeld-Fan, der bereits am Bein verletzt war und sich auf den Angreifer stürzte. Er erlitt mehrere lebensgefährliche Messerstiche in die Brust. Die Polizei lobte die Zivilcourage der Fußballfans, die ohne ihr Eingreifen möglicherweise tödlich ausgegangen wäre.
Fluchtroute und Beweismaterial in Essener Wohnung
Nach dem Angriff flüchtete Mhemed mit dem Zug über Hamm nach Essen. Die Polizei fand in Tatortnähe eine Tasche mit Aufenthaltspapieren, mehreren Messern und einer Flasche mit brennbarer Flüssigkeit, was auf eine geplante Tat hindeutete. Am Essener Hauptbahnhof bat er einen Passanten, über dessen Handy eine Zugverbindung nach Velbert zu suchen. Die Fahnder identifizierten drei mögliche Aufenthaltsorte, und am Abend des 19. Mai wurde Mhemed in einer leer stehenden Wohnung in Heiligenhaus festgenommen. Dabei leistete er Widerstand und zog sich leichte Verletzungen zu.
Psychiatrisches Gutachten und Motivation
Ein psychiatrisches Gutachten im Prozess bestätigte, dass Mhemed tiefgreifend islamistisch radikalisiert war. Laut dem Gutachter sei eine radikale Gesinnung seit Jahren fester Bestandteil seiner Persönlichkeit und seines Wertesystems. Die islamistisch-dschihadistische Ideologie habe ihn sogar dazu bewegt, den Kontakt zu seinen Kindern abzubrechen. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Angriff gezielt gegen „Ungläubige“ gerichtet war.

Folgen und Ermittlungsstand
Die Ermittlungen wurden nach dem Angriff intensiviert. Ein über 30-köpfiges Team unter Leitung des Bundeskriminalamts (BKA) wurde zusammengestellt, um die Hintergründe des Anschlags aufzuklären. Der Generalbundesanwalt führt die Ermittlungen aufgrund des Verdachts auf einen islamistisch motivierten Anschlag. Die Tat bleibt ein schwerwiegender Vorfall mit weitreichenden Konsequenzen für die Sicherheit in Deutschland.
Der Prozess gegen Mhemed läuft noch, doch sein Geständnis und die vorliegenden Beweise unterstreichen die Brisanz des Falls. Die Frage, wie solche Angriffe verhindert werden können, bleibt weiterhin aktuell.