Das Bundesamt für Rüstung Armasuisse und die ETH Zürich verstärken ihre strategische Zusammenarbeit, um die militärische Waffenfähigkeit und Sicherheitsforschung der Schweiz auszubauen. Ziel ist es, technologische Abhängigkeiten vom Ausland zu reduzieren und kritisches Know-how im Bereich autonomer Systeme, Cybersicherheit und Überwachungstechnologien langfristig im Land zu sichern.
Die geopolitische Lage hat ein Umdenken in Bern erzwungen. Die Schweizer Regierung plant eine massive offensive in der Forschung, wobei das Bundesamt für Rüstung seine jährlichen Investitionen an Hochschulen verzehnfachen will. In diesem Rahmen hat der ETH-Rat der engeren Kooperation zugestimmt, was die Hochschule in eine neue Rolle als strategischer Partner der nationalen Verteidigung rückt.
Strategische Neuausrichtung: Armasuisse und ETH bündeln Kräfte
Die Kooperation ist kein völlig neues Phänomen, aber sie findet nun in einem deutlich größeren und systematischeren Rahmen statt. Laut einem Bericht von SRF soll die ETH ihre führenden Köpfe verstärkt in die Entwicklung von Drohnen, Überwachungstechnologien und Cybersicherheit einbringen. Die Finanzierung dieser Projekte erfolgt über zusätzliche Mittel, die außerhalb des bestehenden Globalbudgets der ETH liegen.
Dies ist ein klarer Teil der rüstungspolitischen Strategie des Bundesrats. Die Abhängigkeit von ausländischen Technologieanbietern wird als strategisches Risiko eingestuft. Indem die Synergien zwischen ziviler und militärischer Forschung besser genutzt werden, will die Schweiz ihre technologische Souveränität zurückgewinnen.
Die Dynamik dieser Partnerschaft ist jedoch asymmetrisch. Da die ETH vom Bund finanziert wird, hat der ETH-Rat kaum Spielraum, eine solche strategische Vorgabe des Bundesrats grundsätzlich abzulehnen.
Fokusbereiche: Von Quantentechnologie bis zur Drohnenabwehr
Das Forschungsprogramm konzentriert sich auf Hochtechnologien, die sowohl im zivilen als auch im militärischen Sektor disruptiv wirken. Wie Nau berichtet, stehen insbesondere künstliche Intelligenz, maschinelles Lernen, Quantentechnologien und autonome Systeme im Zentrum.
Bereits im Mai starten acht konkrete Projekte.
- Satellitennavigation: Die Sicherstellung der Stabilität globaler GPS-Systeme.
- Drohnenabwehr: Die Entwicklung von Technologien zur schnelleren Erkennung, Verfolgung und Neutralisierung von Mini-Drohnen.
Für diese erste Phase hat Armasuisse ein Budget von insgesamt zwei Millionen Franken bereitgestellt. Diese Summe markiert den Beginn einer weitaus größeren Investitionswelle in die nationale Sicherheitsforschung.
Die ethische rote Linie der ETH
Die Transformation der ETH in eine Art Forschungsstützpunkt für das Militär stößt intern auf Vorbehalte. Um die akademische Integrität zu wahren, hat der ETH-Rat spezifische Rahmenbedingungen festgelegt. Die Hochschule betont, dass sie keine Waffenfabrik wird. Ein zentraler Punkt ist die räumliche Trennung: Forschung für explizit militärische Zwecke soll extern, etwa an Standorten von Armasuisse, stattfinden.
Zudem bleibt die Mitarbeit an Rüstungsprojekten für die Forschenden freiwillig. Niemand wird gezwungen, an militärischen Entwicklungen mitzuwirken.
Die ETH behält sich zudem das Recht vor, bestimmte Technologien oder Anwendungsgebiete aus ethischen Gründen komplett auszuschließen. Sollte eine Anfrage von Armasuisse nicht mit den Grundsätzen der Hochschule vereinbar sein, kann die ETH die Zusammenarbeit in diesem spezifischen Fall ablehnen.
Trotz dieser Leitplanken bleibt die Trennung zwischen ziviler und militärischer Forschung oft diffus. Viele technologische Durchbrüche in der Robotik oder KI sind sogenannte Dual-Use-Güter, die ohne große Anpassungen für beide Zwecke eingesetzt werden können.
Sicherheitsrisiken und Spionageschutz
Mit der Zunahme militärisch relevanter Forschung steigt zwangsläufig das Risiko von Spionage und unerlaubtem Technologietransfer. Die ETH reagiert darauf mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen. Wer sich künftig an Rüstungsprojekten beteiligt, muss mit intensiveren Sicherheitsprüfungen rechnen.

Ein solches Screening ist an der ETH bereits gängige Praxis. Studierende und Forschende aus bestimmten Ländern werden bereits heute überprüft, wenn sie in sensiblen Bereichen tätig sind. Diese Kontrollen werden nun auf die neuen Kooperationen mit Armasuisse ausgeweitet, um sicherzustellen, dass kritisches Know-how nicht in falsche Hände gerät.
Die Herausforderung für die ETH besteht darin, die Balance zwischen der für die Wissenschaft essenziellen Offenheit und den harten Anforderungen der nationalen Sicherheit zu finden. Während ein Professor für Robotik und Drohnen an der Hochschule ein Umdenken aufgrund der veränderten Weltlage konstatiert, bleibt die Spannung zwischen akademischer Freiheit und militärischer Zweckbindung bestehen.
Die kommenden Monate werden zeigen, wie effektiv die zwei Millionen Franken Startkapital genutzt werden und ob die ethischen Vorbehalte der Hochschule in der Praxis standhalten, wenn der Druck zur Steigerung der Verteidigungsfähigkeit weiter wächst.