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Technik und Wissenschaft

Astronomen weisen erstmals Radiowellen vom Exoplaneten Beta Pictoris b nach

Astronomen haben erstmals Radiowellen direkt von einem Exoplaneten außerhalb unseres Sonnensystems nachgewiesen. Die Signale stammen von Beta Pictoris b, einem massereichen Gasriesen in 63 Lichtjahren Entfernung. Forscher führen das Phänomen auf aurorale Emissionen zurück, die durch ein extrem starkes Magnetfeld des jungen Planeten entstehen.

Die Entdeckung markiert einen Meilenstein in der Erforschung ferner Welten. Während Astronomen seit Jahrzehnten nach Radiosignalen im Weltraum suchen, gelang es dem Team um Kevin N. Ortiz Ceballos vom Harvard & Smithsonian Center for Astrophysics und Kollaborateuren der University of Oregon nun erstmals, eine solche Emission eindeutig einem spezifischen Exoplaneten zuzuordnen. Bisherige Beobachtungen scheiterten oft daran, die schwachen Signale eines Planeten von der intensiven Strahlung seines Muttersterns zu trennen.

Das MeerKAT-Teleskop und die Lokalisierung von Beta Pictoris b

Der Erfolg der Beobachtung ist der Präzision des MeerKAT-Radioteleskop-Arrays in Südafrika zu verdanken. Durch die interferometrische Bauweise und den Einsatz von 64 Antennen konnte das Forschungsteam die Signale räumlich vom Mutterstern Beta Pictoris isolieren. Da der Stern selbst magnetisch ruhig ist, bot das System ideale Voraussetzungen für die Messung. Kevin Ortiz Ceballos erklärte, dass Beta Pictoris b eine Winkeltrennung von bis zu 0,55’’ über seine Umlaufbahn erreicht, was das System zu einem idealen Ziel für Radiobeobachtungen macht.

Astronomen weisen erstmals Radiowellen vom Exoplaneten Beta Pictoris b nach
Foto: tech.yahoo.com

Die Forscher identifizierten sowohl schnell wiederkehrende Bursts als auch eine persistente Radioemission in einem Frequenzbereich von 0,85 bis 3,5 Gigahertz. Diese Signale weisen eine hohe zirkulare Polarisation auf, was auf die sogenannte Elektronen-Zyklotron-Maser-Instabilität (ECMI) hindeutet. Es handelt sich dabei um denselben physikalischen Prozess, der auch auf den Gasriesen unseres Sonnensystems – wie Jupiter oder Saturn – für aurorale Radioaktivität sorgt. Dabei spiralisieren energetische Elektronen entlang von Magnetfeldlinien und erzeugen kohärente Radiowellen.

Magnetfeldstärke und physikalische Eigenschaften des Exoplaneten

Die Analyse der Radiofrequenzen ermöglichte den Wissenschaftlern eine direkte Berechnung der magnetischen Feldstärke von Beta Pictoris b. Die Ergebnisse zeigen ein Magnetfeld von mehr als 1.200 Gauß. Zum Vergleich: Das Erdmagnetfeld liegt bei etwa einem halben Gauß. Es ist ein unglaublich, unglaublich starkes Magnetfeld, viel stärker als alles in unserem Sonnensystem, so die Einschätzung der Forscher.

Beta Pictoris b ist ein junger Gasriese, der im astronomischen Sinne als Neugeborener gilt; das gesamte System ist schätzungsweise nur 23 Millionen Jahre alt und damit weniger als 1 Prozent so alt wie unser Sonnensystem.

Das System Beta Pictoris besteht zudem aus einem Stern, der massereicher als die Sonne ist, einer riesigen Scheibe aus Staub und Trümmern sowie mindestens zwei weiteren Planeten. Einer davon, Beta Pictoris d, wurde durch rekonstruierte Bilder des James-Webb-Weltraumteleskops sichtbar gemacht; seine Umlaufbahn ist vergleichbar mit der Region des Neptun.

Astronomen weisen erstmals Radiowellen vom Exoplaneten Beta Pictoris b nach
Foto: Gadget Review

Kein Anzeichen für außerirdische Intelligenz

Obwohl Radiosignale aus dem All oft Assoziationen mit technologischen Botschaften wecken, stellen die Wissenschaftler klar, dass es sich hierbei um ein rein natürliches Phänomen handelt. Der Physiker Avi Loeb von der Harvard University erklärte gegenüber Jesse Weber Live, dass es sich wahrscheinlich um ein natürliches Phänomen ähnlich den Polarlichtern der Erde handelt, bei dem energetische Teilchen mit der oberen Atmosphäre kollidieren.

Loeb betonte die historische Suche nach extraterrestrischen Signalen: Traditionell haben wir seit 66 Jahren nach Radiosignalen gesucht, die auf eine andere Zivilisation hindeuten könnten. Es war so, als würde man auf einen Telefonanruf warten. Wir haben ihn noch nicht erhalten. Die Forschungsergebnisse wurden am 15. September 2026 auf arXiv veröffentlicht, haben jedoch noch kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.