Wissenschaftler haben ein theoretisches Quantenmodell entwickelt, wonach sich die Entwicklung eines Quantenuniversums nach einem Urknall und einem anschließenden Big Crunch exakt wiederholen könnte. Ob unser realer Kosmos nach diesem Prinzip funktioniert, bleibt laut den Forschern der Johns Hopkins University jedoch vorerst reine Spekulation.
Haben wir diesen Artikel schon einmal gelesen – nicht gestern oder im vergangenen Jahr, sondern vor unvorstellbar langer Zeit? Und werden wir ihn irgendwann an genau demselben Ort im Leben noch einmal lesen? Um derartige Fragen zu beantworten, haben Physiker nun ein neues mathematisches Modell vorgestellt.
Das mathematische Modell der Johns Hopkins University
Entwickelt wurde das Konzept von dem US-Physiker Sean M. Carroll und seinen Kolleginnen Nadiia Diachenko und Saakshi Dulani von der Johns Hopkins University. Ihre Berechnungen zeigen, unter welchen Voraussetzungen sich die Entwicklung eines Quantenuniversums exakt wiederholen kann. Laut der Forschungsarbeit läuft das Universum in diesem Modell nicht einfach endlos weiter. Stattdessen folgt auf eine Phase ähnlich unserem Urknall irgendwann ein Big Crunch
, bei dem sich das All wieder zusammenzieht, bevor ein neuer Zyklus startet.
Anders als bei losen Wiederholungstheorien kehrt der Quantenzustand des Universums in diesem mathematischen Modell exakt an seinen Ausgangspunkt zurück. Die kosmische Geschichte erreicht dadurch immer wieder denselben Zustand, statt sich nur grob anzunähern.
Unendliche Zyklen und die Frage nach unserem Leben
Die Forscher weisen selbst auf die schwindelerregende Konsequenz hin: Befinden wir uns in einem solchen Zyklus, hat dieser bereits unendlich oft stattgefunden und wird sich auch in Zukunft unendlich oft wiederholen. Das wirft die Frage auf, ob mit dem Kosmos auch all das zurückkehrt, was darin geschieht – von der Erde über unser Leben bis hin zu unseren Gesprächen und Entscheidungen.
Sean M. Carroll ist Professor an der Johns Hopkins University und erforscht grundlegende Fragen der Kosmologie und Quantenphysik, darunter Raum, Zeit und die Entwicklung des Universums. Bekannt ist er auch durch populärwissenschaftliche Bücher wie Something Deeply Hidden
und The Biggest Ideas in the Universe
.
Warum das Szenario vorerst Spekulation bleibt
Trotz der faszinierenden Berechnungen betonen die Wissenschaftler, dass keineswegs bewiesen ist, dass unser tatsächlicher Kosmos nach diesem Muster arbeitet. Sie präsentieren zunächst ein reines theoretisches Quantenmodell. Noch können die Forscher nicht vollständig erklären, wie daraus ein reales Universum mit Raum, Zeit und Materie entsteht. Auch die genaue Verbindung zwischen ihrem Modell und der realen Welt ist bislang spekulativ.
Wer beim nächsten Déjà-vu also denkt, das alles schon einmal erlebt zu haben, darf dank der neuen Berechnungen zumindest kurz ins Grübeln kommen – auch wenn der wissenschaftliche Beweis für eine kosmische Endlosschleife noch aussteht.
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