Die historische Astoria-Garage im Wiener Bezirk Josefstadt dient seit dem 10. September 2026 als ungewöhnlicher Schauplatz für die Astoria Artshow. Nach der Auflösung der Viennacontemporary und der Absage der Spark Art Fair bündeln mehr als 80 Galerien aus ganz Europa ihre Kräfte, um den Kunststandort Wien nachhaltig zu stärken.
Eine Garage wird zum Kunst-Hotspot in der Josefstadt
Wo früher Autos parkten, tankten und gewartet wurden, zieht nun zeitgenössische Kunst ein. Die Astoria Garage wurde im Jahr 1923 im Stil der Neuen Sachlichkeit gebaut und 1935 erweitert. Bis vor einem Jahr wurde sie ausschließlich als Parkhaus genutzt. Das Gebäude befindet sich in nahezu unverändertem Zustand. Die Blechbuchstaben der Aufschrift „Astoria-Garage“ stammen aus der Zwischenkriegszeit. Im Parkhaus stehen zwei uralte Zapfsäulen, die das Herz jedes Vintage-Liebhabers höherschlagen lassen. Früher konnte man hier vor der Ausfahrt noch tanken; die Garage verfügte auch über Werkstätten und Waschanlagen. Am meisten beeindruckt jedoch der Blick nach oben zu den spiralförmigen Auffahrtsrampen und der Glaskuppel. Was heute normal erscheint, war in den 1920ern hochmodern: dynamische Architektur, entwickelt aus dem Bewegungsablauf des Automobils. Diese Architektur bietet eine Kulisse, die an das berühmte New Yorker Guggenheim-Museum von Frank Frank Wright erinnert. Wo bis 1914 die Pferde des benachbarten Palais Auersperg standen, findet nun die Messe statt. Vor Ort sorgen Benzingeruch und Ölflecken schnell wieder für Bodenhaftung.”
Die Veranstaltung entstand direkt aus dem Schock über die plötzliche Absage der etablierten Wiener Kunstmessen. Zu Jahresbeginn machten die Medien publik, dass 2026 beide Wiener Kunstmessen mit internationaler Orientierung ausfallen. Die altgediente Viennacontemporary war insolvent, und auch die Konkurrenz knickte ein: Die Spark Art Fair gab nur zwei Monate vor ihrem Termin bekannt, dass sie heuer pausiert. Die Absagen lösten beim Galeristen Maximilian Thoman erst Frust, aber dann Initiative aus. „Jetzt müssen wir selber schauen“, beschloss der 36-jährige Tiroler, der 2019 die beiden elterlichen Galerien in Innsbruck und Wien übernommen hat. Im Verbund mit Kolleginnen und Kollegen gelang Thoman, was viele für unmöglich gehalten haben. Im Frühjahr schlossen sich 35 Wiener Galerien kurzfristig zum Verein „VAU – Vienna Art United“ zusammen. „Und plötzlich war da etwas da, was der Szene immer abgesprochen wurde: Geschlossenheit, freute sich Markus Peichl, Geschäftsführer der Galerie Crone und Obmann des Vereins VAU.
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Internationale Beteiligung und kuratierte Positionen auf den Stellplätzen
In Windeseile kümmerte man sich um die Finanzierung und fand mit der Astoria Garage eine außergewöhnliche Herberge. Ursprünglich sollten bloß lokale Player auf zwei Etagen der Astoria-Garage ausstellen, doch dann kamen Anrufe von Galerien aus Italien, Deutschland und anderswoher, die dabei sein wollten. Auf den Auto-Stellplätzen der Garage zeigen über 80 Galerien aus ganz Europa rund 400 Werke von 120 Künstlerinnen und Künstlern. Neben dem ursprünglichen Kreis von 35 Wiener Galerien wird der Kreis durch Wiens Kunstunis und internationale Zugänge erweitert. Die Londoner Des Bains Gallery oder die mit subtiler Fotografie aufwartende Galerie Ron Mandos aus den Niederlanden hat man in Wien bisher noch nicht gesehen; die Berliner Galerie KOW, eine angesehene Branchengröße, ist mit der Malerin Anna Boghiguian dabei.


Die weiteste Anreise hatte wohl Yeajin Scarlett Lee, Direktorin der südkoreanischen The Third Gallery, die kürzlich nach Leipzig expandiert hat und dort, wo früher Autos parkten, Werke von Jungwon Phee präsentiert, der seine Arbeiten als „Tagebuch der Erinnerungen“ bezeichnet, wie sie im APA-Gespräch erzählte. Für seine klein- wie großformatigen Werke verwendet er eine Mischung aus feinem Zement und Öl und imaginiert Eindrücke, die er als junger Migrant in Vancouver in der Natur gewonnen hat. Zudem zeigt die slowenische P74 Gallery den Künstler Tadej Pogačar mit einer Videoarbeit sowie seinem „Human Trade Game“ namens „Monapoly“.”””
Ein solidarisches Beitragsmodell und Zukunftspläne für den Kunststandort
Um insbesondere kleineren und jüngeren Häusern eine faire Teilnahme zu ermöglichen, setzt die Astoria Artshow auf ein ungewöhnliches Messemodell: Die Teilnahmegebühren richten sich nicht nach der Größe der Ausstellungsfläche, sondern nach Umsatz und Größe der jeweiligen Galerie, sodass auch kleinere Häuser eine faire Chance bekommen. Zudem gibt es sowohl Zuschüsse von der Stadt Wien als auch vom Bund, über deren Höhe man sich jedoch beharrlich in Schweigen hüllt.

Die bis Sonntag zu besuchende „Astoria Artshow“, die täglich von 12 bis 19 Uhr geöffnet hat, läuft vom 10. bis 13. September in der Astoria Garage in der Trautsongasse 4 in Wien-Josefstadt. Das diesjährige Ausstellungsformat soll den Auftakt für eine neue Wiener Kunstmesse bilden, die ab 2027 dauerhaft etabliert werden soll.”
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