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Technik und Wissenschaft

Amazon plant riesiges Gaskraftwerk für KI-Rechenzentrum in Texas

Der anhaltende Boom der künstlichen Intelligenz treibt die Tech-Giganten zu enormen Infrastrukturinvestitionen, die den hiesigen Energiebedarf drastisch ansteigen lassen. Amazon treibt im US-Bundesstaat Texas ein Vorhaben voran, das selbst für die Dimensionen der Branche neue Maßstäbe setzt. Auf einem Areal im Pecos County entsteht der Campus mit der Projektbezeichnung „GW Ranch, der laut den vorliegenden Plänen über ein eigenes, netzunabhängiges Erdgaskraftwerk mit einer Gesamtleistung von bis zu 7,65 Gigawatt versorgt werden soll.

Gigantisches Gaskraftwerk für den Rechenzentrum-Campus in Texas

Satellitenaufnahmen bestätigen bereits erste Rodungsarbeiten auf dem Gelände. Wie die Auswertung von Baugenehmigungen und Satellitenbildern durch das Marktanalyseunternehmen Cleanview zeigt, spannt sich das Projekt über mehrere Gebäude für den Betrieb der Serveranlagen. Die Energieversorgung soll autark über das privat geplante Kraftwerk erfolgen, das von dem Entwickler Pacifico Energy umgesetzt wird. Wegen des US-amerikanischen Ratepayer Protection Plan arbeitet die Anlage ohne direkten Anschluss an das öffentliche Stromnetz, um zu verhindern, dass Anwohnern durch höhere Strompreise Nachteile entstehen.

Gestaffelter Ausbau und europäische Techniklieferanten

Die Dimensionen des geplanten Kraftwerks übertreffen herkömmliche Industriestandards deutlich. Um die gewaltige Leistung bereitzustellen, sehen die Planungen den Einsatz von 35 Gasturbinen vor. Den Anfang machen laut den Berichten 21 Siemens-Gasturbinen vom Typ SGT-800, die in der Spitze eine Leistung von 1,3 Gigawatt liefern, während für die übrigen Turbinen noch keine endgültige Modellentscheidung getroffen wurde.

Das Vorhaben ist auf mehrere Jahre angelegt und stark gestaffelt. Nach den von Heise veröffentlichten Details soll ein Gigawatt der Leistung im Jahr 2028 ans Netz gehen, ehe bis 2031 mindestens fünf Gigawatt hinzukommen. Ergänzend ist auf dem Campus die Errichtung von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 750 Megawatt sowie integrierten Batteriespeichern geplant.

Klimabilanz und Bedenken bezüglich der Emissionen

Die gewaltige Auslegung des Kraftwerks wirft umweltpolitische Fragen auf. Eine von den texanischen Behörden erteilte Genehmigung räumt der Anlage das Recht ein, jährlich bis zu 33 Millionen Tonnen CO₂ auszustoßen. Sollte dieser Grenzwert im Endbetrieb vollständig ausgeschöpft werden, würde das Kraftwerk zur emissionsintensivsten Anlage seiner Art in den Vereinigten Staaten aufsteigen und selbst das emissionsstärkste Kohlekraftwerk des Landes übertreffen.

Amazon plant riesiges Gaskraftwerk für KI-Rechenzentrum in Texas
Photo: Heise

Dieser Ausstoß steht in einem gewissen Spannungsverhältnis zu Amazons selbst auferlegtem Klimaversprechen, das bis zum Jahr 2040 vollständige Klimaneutralität vorsieht. Der Konzern verteidigt das Vorhaben jedoch und betont, dass man durch die eigenständige Energieerzeugung vor Ort die lokalen Strompreise für Haushalte schütze. Amazon ist der Überzeugung, dass die Kosten für die Energieversorgung unserer Betriebsabläufe voll von uns getragen werden sollten, erklärte . Zudem versichert der Konzern, dass für die Kühlung ausschließlich salziges Grundwasser genutzt werde, welches weder für die Landwirtschaft noch als Trinkwasser tauge.

Netzunabhängige Kraftwerke im wachsenden KI-Sektor

Das texanische Projekt ist kein Einzelfall, sondern fügt sich in einen breiteren Branchentrend ein. Angesichts überlasteter Netze greifen Tech-Konzerne wie Microsoft, Google und Meta im Zuge des KI-Wettlaufs vermehrt zu individuellen Energielösungen auf Erdgasbasis, um Rechenzentren netzunabhängig zu betreiben. Allein seit Anfang 2025 wurden in den USA knapp 60 solcher Projekte angekündigt. So errichtet Microsoft in direkter Nachbarschaft im Pecos County gemeinsam mit Chevron ebenfalls ein Gaskraftwerk mit einer Leistung von zwei Gigawatt.

Amazon plant riesiges Gaskraftwerk für KI-Rechenzentrum in Texas
Photo: Focus

Dennoch stößt der massive Ausbau bei Anwohnern und Investoren zunehmend auf Skepsis. Neben lokalen Debatten über den Ressourcenverbrauch von Data Centern reagieren auch die Finanzmärkte sensibler auf das Tempo des KI-Ausbaus, da die versprochenen wirtschaftlichen Effekte bei vielen Anwendungen bislang auf sich warten lassen.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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