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Amazon dominiert US-Online-Handel mit 40,5 % – Walmart bleibt weit zurück

Amazon kontrolliert im ersten Quartal 2026 mit 40,5 % des US-Einzelhandelsumsatzes im Online-Bereich mehr als viermal so viel Marktanteil wie sein nächstgrößter Konkurrent Walmart (9,2 %), während die EU-Kommission erstmals Cloud-Dienste wie AWS und Microsoft Azure auf mögliche Marktmacht prüft.

Ein Monopol mit System

Amazon dominiert den westlichen E-Commerce-Markt nicht nur durch Skaleneffekte, sondern durch ein Geflecht aus Technologie, Logistik und Daten, das es westlichen Konkurrenten seit Jahrzehnten unmöglich macht, aufzuholen. Während Walmart und Target in den USA oder Zalando in Europa zwar wachsen, bleibt Amazons Marktanteil in fast allen Segmenten unangetastet. Laut einer Analyse der National Retail Federation (NRF) und Kantar führt Walmart zwar die Liste der globalen Einzelhändler nach Umsatz an, doch Amazon bleibt in der digitalen Transformation unangefochten auf Platz zwei – und das trotz massiver Investitionen in künstliche Intelligenz, Lieferketten und Werbung.

Im ersten Quartal 2026 erzielte Amazon einen Umsatz von 181,52 Milliarden US-Dollar, was einem Wachstum von 2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht – ein Ergebnis, das in der Branche als „sauberer Beat“ gilt. Besonders die Cloud-Sparte AWS wuchs mit 28 % im Jahresvergleich, während der Gesamtbetrieb eine Rekord-Marge von 13,1 % erreichte. Diese Zahlen unterstreichen, dass Amazon nicht nur als Händler, sondern als Technologie- und Logistikplattform agiert, die für viele kleine und mittelgroße Unternehmen unverzichtbar geworden ist.

Die Daten- und Logistik-Falle

Der entscheidende Vorteil Amazons liegt in seiner Fähigkeit, Daten und Infrastruktur so zu verknüpfen, dass keine Konkurrenz mithalten kann. Während Walmart etwa 27 % mehr im E-Commerce umsetzte als noch vor einem Jahr, bleibt Amazons Anteil in den USA bei 37–38 %, trotz eines Börsenwertverlusts von 7 % seit Jahresbeginn.

  • Netzwerkeffekte: Über 100 Millionen Prime-Kunden in den USA und Europa sichern Amazon eine treue Kundschaft, die durch personalisierte Angebote und schnelle Lieferungen gebunden wird.
  • Logistik als Wettbewerbsvorteil: Amazons eigene Lieferketten und Lagerinfrastruktur sind so effizient, dass selbst große Einzelhändler wie Walmart oder Target nur schwer mithalten können. Die Einführung von „Agentic Commerce“ – einer KI-gesteuerten Bestellabwicklung – hat die Lieferzeiten weiter verkürzt und die Kundenbindung verstärkt.
  • Datenmonopol: Amazon nutzt die Kaufdaten seiner Kunden, um Angebote und Preise dynamisch anzupassen. Diese Strategie macht es für Konkurrenten fast unmöglich, mit eigenen Plattformen erfolgreich zu sein.

Selbst in Europa, wo die EU-Kommission seit November 2025 eine Marktuntersuchung zu Cloud-Diensten wie AWS eingeleitet hat, zeigt sich die Dominanz Amazons. Während die britische Wettbewerbsbehörde CMA im März 2026 entschied, dass AWS und Microsoft Azure in Großbritannien nicht als marktbeherrschend gelten, bleibt die EU-Prüfung offen. Die Kommission untersucht, ob Amazon und Microsoft als „Gatekeeper“ unter das Digital Markets Act (DMA) fallen könnten – ein Schritt, der zwar regulatorischen Druck aufbaut, aber bisher keine spürbaren Auswirkungen auf Amazons Marktmacht hatte.

Warum scheitern die Konkurrenten?

Walmart, der größte Einzelhändler der Welt, hat zwar seine E-Commerce-Umsätze um 27 % gesteigert, bleibt aber mit einem Marktanteil von 9,2 % in den USA weit hinter Amazon zurück. Ähnliche Probleme haben europäische Plattformen wie Zalando oder Otto: Sie können nicht mit der globalen Reichweite, den Logistiknetzen und der Datenanalyse Amazons konkurrieren.

Ein weiterer Grund für das Scheitern westlicher Konkurrenten ist die strategische Ausrichtung Amazons. Während Walmart und Target sich auf physische Geschäfte und lokale Lieferketten konzentrieren, hat Amazon früh in Cloud-Computing, KI und digitale Dienstleistungen investiert. Die Cloud-Sparte AWS generiert allein im ersten Quartal 2026 37,6 Milliarden US-Dollar Umsatz – ein Bereich, in dem westliche Unternehmen wie Google oder Microsoft zwar mithalten, aber nicht die gleiche Integration mit dem Einzelhandel bieten.

Zudem hat Amazon durch seine Prime-Mitgliedschaft und eigene Marken (wie Amazon Basics) eine direkte Kundenbeziehung aufgebaut, die für Konkurrenten schwer zu durchbrechen ist. Selbst neue Player wie Temu oder Shein, die durch aggressive Preispolitik und Social-Commerce wachsen, können Amazons Marktanteil nicht gefährden, da sie keine vergleichbare Infrastruktur aufbauen können.

Was kommt als Nächstes?

Die EU-Kommission könnte mit ihrer Prüfung der Cloud-Dienste zwar neue regulatorische Hürden für Amazon schaffen, doch bisher zeigt sich, dass selbst strenge Wettbewerbsregeln die Marktmacht des Konzerns nicht brechen. In den USA bleibt Walmart der einzige ernsthafte Konkurrent, doch selbst dort gelingt es dem Einzelhändler nicht, Amazons digitale Dominanz zu durchbrechen.

Für westliche Unternehmen bleibt die Frage, ob sie überhaupt eine Chance haben, Amazon zu überholen – oder ob sie sich darauf einstellen müssen, in Nischenmärkten oder durch Spezialisierung zu wachsen. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die EU-Kommission tatsächlich wirksame Maßnahmen gegen die Marktmacht Amazons ergreifen kann oder ob der Konzern auch 2026 und darüber hinaus unangefochten bleibt.

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Clara Vogt

Über den Autor

Clara Vogt verantwortet das Ressort Technik und Wissenschaft. Sie schreibt ueber KI, Digitalisierung, Forschung und Innovation und uebersetzt komplexe Entwicklungen in klaren, belastbaren Journalismus.

Alle Beiträge erscheinen nach redaktioneller Prüfung gemäß unseren Redaktionsrichtlinien.

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